Von der Handschlag-Genossenschaft zur apulischen Referenzadresse
1962 gründeten neunzehn Weinbauernfamilien aus San Marzano di San Giuseppe die Cantina San Marzano — per Handschlag, ohne Kapital, aber mit dem gemeinsamen Willen, die Trauben des Salento selbst zu vermarkten statt sie anonym als Tankware in den Norden zu verkaufen. Was als kleine Genossenschaft begann, wuchs über Jahrzehnte auf rund 1.500 Mitgliederfamilien. Der eigentliche Qualitätssprung kam 2003: Cantina San Marzano und Farnese Vini aus den Abruzzen schlossen sich zum Projekt Feudi di San Marzano zusammen, mit dem erklärten Ziel, die autochthonen Rebsorten Apuliens international sichtbar zu machen. Gambero Rosso kürte die Genossenschaft 2022 zur Cantina Sociale des Jahres — ein Beleg dafür, wie weit dieser Weg geführt hat.
Alberello, roter Kalkstein und digitale Weinberg-Sensorik
Die Weinberge liegen im Herzen der Primitivo di Manduria DOP, auf dem charakteristischen roten Kalksteinboden zwischen Ionischem Meer und Adria. Viele Stöcke werden noch immer im traditionellen Alberello-System erzogen — buschartig, ohne Drahtrahmen, nah am Boden. Diese seit der Antike bekannte Erziehungsform zwingt die Rebe zur Selbstbeschattung, reduziert den Wasserverlust und konzentriert die Aromatik in kleinen Beerenmengen. Die Lese erfolgt von Hand.
Im Keller verbindet Feudi di San Marzano diese Tradition mit moderner Kellertechnik: temperaturkontrollierte Vinifikation, Ausbau in französischen und amerikanischen Eichenholzfässern je nach Cuvée, präzises Hefemanagement. Auf den Weinbergen laufen Pilotprojekte mit Klimasensoren und Bodensonden zur Kontrolle des Hydrationsstresses — die Genossenschaft sieht darin den Weg zu konsequenter biologischer Landwirtschaft ohne Ertragseinbußen. Chemische Düngemittel bleiben außen vor.
Primitivo, Negroamaro, Susumaniello — das Sortiment als Plädoyer für Apulien
Die Weine von Feudi di San Marzano folgen einer klaren Handschrift: fruchtbetont, aber strukturiert, mit dem Ziel, die natürliche Sauberkeit der Frucht in jede Flasche zu bringen — ob in der einstiegsfreundlichen Linie I Tratturi oder in der Riserva Anniversario 62, die dem Gründungsjahr der Genossenschaft gewidmet ist und 18 Monate im Barrique reift. Die Primitivos zeigen dunkle Pflaume, Kirschen-Konfitüre, Tabak und Kakao im Abgang, getragen von samtig-reifen Tanninen. Der Negroamaro bringt kräuterwürzige Tiefe und eine kühlere Säurelinie. Mit dem Rosé aus Susumaniello — einer der seltensten autochthonen Rebsorten Apuliens — und einem natives Olivenöl extra vergine reicht das Sortiment weit über den Rotwein hinaus. Weine in über 60 Länder exportiert: Feudi di San Marzano steht heute für das, was Apulien kann, wenn Tradition und Handwerk zusammenfinden.