Von Trentiner Weinwissen zu sizilianischem Terroir
Der Name verrät die Geographie: Arancio verweist auf den Lago Arancio, einen See in der Provinz Agrigento, an dessen Ufer die ersten Rebflächen des Guts angelegt wurden. Was heute als Feudo Arancio bekannt ist, begann um die Jahrtausendwende mit einer strategischen Entscheidung der Mezzacorona-Gruppe aus dem Trentino — einem der größten Weinproduzenten Italiens. Die Gruppe erkannte das brachliegende Potenzial Siziliens und erwarb zunächst ein vernachlässigtes Anwesen in Sambuca di Sicilia, später ein zweites Gut in Acate nahe Ragusa. Beide Liegenschaften wurden von Grund auf neu aufgebaut: Weinberge gerodet und neu bepflanzt, Keller nach aktuellem Stand der Technik errichtet — alles im sizilianischen Baglio-Stil, dem typischen geschlossenen Landgut mit Innenhof.
Gegründet wurde Feudo Arancio 2001. Das norditalienische Weinwissen aus dem Trentino traf damit auf die Gunst eines Südinselklimas: intensive Sonneneinstrahlung, konstante Meeresbrise und tonreiche Böden, die Sizilien seit der Antike zu einem der ältesten Weinbaugebiete des Mittelmeerraums machen.
Nachhaltigkeit als Bauprinzip, nicht als Nachgedanke
Dass Feudo Arancio sein gesamtes Produktionssystem von Beginn an konsequent nachhaltig ausgerichtet hat, belegt eine Tatsache: Bereits 2002, ein Jahr nach Produktionsstart, war das Gut das erste Weingut Italiens mit EMAS-Zertifizierung (Eco-Management and Audit Scheme der EU) für die gesamte Produktionskette. Sieben künstliche Seen mit einem Gesamtvolumen von 900.000 Kubikmetern sammeln Regenwasser und versorgen die Weinberge per Tröpfchenbewässerung — ganz ohne Grundwasserentnahme. Photovoltaik- und Solaranlagen machen die Kellerei weitgehend stromautark.
Im Weinberg setzt das Team auf integrierten Pflanzenschutz: Begrünung der Rebzeilen gegen Erosion, Stickstoffpflanzen statt Mineraldünger, Nützlinge und die Technik der Sexualkonfusion zur Schädlingsbekämpfung statt Chemie. Leitender Önologe Matteo Covazzi arbeitet mit einem festen Team aus Agronomen, die die Reife in beiden Gütern engmaschig kontrollieren und die Lese zum optimalen Zeitpunkt koordinieren. Die Trauben werden von Hand gelesen und schonend verarbeitet — die Gärung je nach Wein in Edelstahltanks oder Holzfässern.
Siziliens autochthone Rebsorten im Mittelpunkt
Über 700 Hektar Rebfläche, aufgeteilt auf die beiden Güter in Sambuca di Sicilia und Acate, bilden die Basis eines Sortiments, das sizilianische Herkunftssorten konsequent in den Vordergrund stellt. Nero d'Avola, Grillo und Inzolia stehen dabei im Zentrum: Der Nero d'Avola aus Sambuca fermentiert mit Schalenkontakt und reift anschließend in französischen Eichenholzfässern — das Ergebnis ist ein Rotwein mit dunkler Beerenfrucht, Kräuterwürze und mediterranem Charakter. Grillo und Inzolia übersetzen die salzige Frische der Südküste in knackige Weißweine mit reifer Zitrusfrucht. Ergänzt wird das Portfolio durch einen Rosato sowie Riserva-Positionen, die mehr Kellerzeit erhalten.
Mezzacorona brachte zudem Erfahrung mit internationalen Sorten wie Syrah, Merlot, Cabernet Sauvignon und Pinot Nero nach Sizilien — was das Sortiment für ein breites Publikum öffnet, ohne den regionalen Fokus aufzugeben. Wer die Weine von Feudo Arancio trinkt, bekommt Sizilien ohne Umwege: sonnengereiftes Fruchtgewicht, mediterrane Kräuternoten und eine Frische, die der konstanten Küstenbrise zu verdanken ist.