Von Regaleali in die Welt: 1830 und acht Generationen sizilianische Weingeschichte
Im Jahr 1830 erwarben die Brüder Lucio und Carmelo Mastrogiovanni Tasca das Landgut Regaleali im Herzen Siziliens — damals über 1.200 Hektar Land, hauptsächlich für Ackerbau und Viehzucht. Was als breit aufgestellter Agrarbetrieb begann, entwickelte sich über Generationen zur treibenden Kraft des sizilianischen Weinbaus. Es war Graf Lucio Tasca Bordonaro (1880–1957), der den entscheidenden Schwenk einleitete: Er rüstete das Gut mit modernster Technik aus und machte Regaleali zum landwirtschaftlichen Musterbetrieb der Insel. Als 1957 Graf Giuseppe und seine Frau Franca Cammarata die Tenuta übernahmen, setzten sie diesen Kurs konsequent fort — und positionierten das Weingut in den 1960er und 1970er Jahren als Vorreiter der sizilianischen Weinproduktion. Die Villa Tasca in Palermo, in der Richard Wagner 1882 den dritten Akt des Parsifal vollendete, steht sinnbildlich für den kulturellen Anspruch, der die Familie bis heute prägt. Heute führt die achte Generation das Unternehmen: Lucio Tasca d'Almerita zusammen mit seinen Söhnen Alberto und Giuseppe.
Fünf Terroirs, ein Kompass: Nachhaltigkeit als gelebte Haltung
Tasca d'Almerita bewirtschaftet heute fünf eigenständige Weingüter: die Tenuta Regaleali im geographischen Zentrum Siziliens, die Tenuta Tascante an den Hängen des Ätna, das Weingut Sallier de La Tour im Nordwesten der Insel, die Tenuta Capofaro auf der Äolischen Insel Salina sowie die Fondazione Whitaker auf der kleinen Insel Mozia in der Lagune von Marsala. Jeder dieser Standorte bringt ein eigenes Terroir mit: vulkanische Böden am Ätna, Meeresluft auf Salina, die kühlen Höhenlagen zwischen 400 und 750 Metern auf Regaleali mit ihren starken Tag-Nacht-Temperaturschwankungen.
Nachhaltigkeit ist bei Tasca d'Almerita keine Marketingformel, sondern strukturell verankert. 2017 war das Gut das erste in ganz Italien, das sowohl die staatliche VIVA-Zertifizierung als auch das Nachhaltigkeitszertifikat SOStain erhielt — ein Protokoll, das Wasserverbrauch, Biodiversität, Energieeffizienz und soziale Verantwortung systematisch erfasst und bewertet. 2021 zeichnete der Wine Advocate das Weingut mit dem Robert Parker Green Emblem aus, als erstes Weingut Siziliens überhaupt. Auf Regaleali wird Gemüse selbst angebaut, Ricotta selbst produziert, die Bewässerung aus natürlichen Ressourcen koordiniert — ein Betrieb, der seinen eigenen Kreislauf ernst nimmt.
Autochthone Rebsorten, internationales Niveau: der Stil von Regaleali
Das Herzstück des Sortiments kommt von der Tenuta Regaleali: Der Nero d'Avola — ob als zugänglicher Regaleali Rosso oder als konzentrierter Lamuri — zeigt, wie viel Tiefe diese süditalienische Traube auf den Hügellagen des sizilianischen Binnenlandes entfaltet. Der Nozze d'Oro, eine Cuvée aus Sauvignon Blanc und der autochthonen Inzólia, wurde bereits in den 1970er Jahren kreiert und gehört zu den Klassikern des weißen Siziliens. Mit dem Regaleali Bianco, dem Catarratto Buonsenso und dem Grillo Cavallo delle Fate setzt das Gut zudem auf die aromatische Breite der sizilianischen Weißweintraditionen: frisch, strukturiert, mit der Salzigkeit, die mediterrane Höhenlagen in die Flasche bringen.
Der 2019 vom Wine Enthusiast als "Europäisches Weingut des Jahres" ausgezeichnete Betrieb steht für einen Stil, der Herkunft konsequent lesbar macht — ohne Lautstärke, ohne Kalkulation. Autochthone und internationale Rebsorten werden je nach Terroir eingesetzt, nicht gegeneinander ausgespielt. Wer die Weine von Tasca d'Almerita trinkt, liest Sizilien — von den heißen, krautigen Hügeln Regalealis bis zu den windgepeitschten Weinbergen auf Salina.