Von 8 auf 35 Hektar: vier Generationen Asselheimer Winzertradition
Das Weingut Matthias Gaul hat seine Wurzeln in Grünstadt-Asselheim, einem kleinen Dorf an der nördlichsten Spitze der Deutschen Weinstraße. Mit dem ersten Flaschenwein im Jahr 1956 legte die Familie den Grundstein für einen Betrieb, der heute in vierter Generation geführt wird. Matthias Gaul übernahm das Weingut 1995 — nach Winzerlehre, Studium und Stationen im Ausland. Was er vorfand, waren 8 Hektar Rebfläche. Was er daraus gemacht hat, sind 35 Hektar mit rund 280.000 Flaschen pro Jahr: gewachsen nicht durch Kompromisse bei der Qualität, sondern durch konsequente Arbeit im Weinberg und klare Vorstellungen davon, was Pfälzer Wein leisten kann.
Gaul ist kein Nostalgiker, der das Erbe verwaltet. Er hat Weinberge in burgundischer Engpflanzung angelegt, Reben auf 300 Höhenmetern gesetzt und Rebsorten etabliert, die in der Region selten sind — darunter Cabernet Franc und Chardonnay. Die Fachzeitschrift VINUM kürte ihn 2017 nach einem Sieg beim Deutschen Rotweinpreis zum „King of Pinot", einen Titel, den er sich mit der Beharrlichkeit eines Handwerkers erarbeitet hat, nicht mit Marketing.
210 Tage im Weinberg, 550 Barriques im Keller
Asselheim liegt dort, wo die Pfalz aufhört, warm und behaglich zu sein. Das kühlere Mikroklima der Nordpfalz, gespeist durch Winde aus dem nahen Eistal, sorgt für längere Vegetationsperioden und eine spätere Traubenreife als im südlicheren Pfalzteil. Die Böden sind karger Kalkfels — arm an Nährstoffen, arm an Wasser, reich an mineralischem Ausdruck. Das Weingut nennt das selbst schlicht: „Steinreich sind (nur) unsere Böden."
Im Weinberg zählt konsequente Handarbeit. Zusammengerechnet verbringt das Team rund 210 Tage im Jahr mit der Pflege der Rebstöcke — Laubschnitt, Ausdünnung, präzise Lese von Hand. Im Keller stehen rund 550 Barriques aus französischer Eiche neben 120 Edelstahltanks. Rote Burgundersorten werden nach Kaltmazeration traditionell auf der Maische vergoren und reifen anschließend sieben bis acht Monate im gebrauchten Holzfass — ein Ausbau, der Frucht erhält und Holz in den Hintergrund rückt. Die Bandbreite zwischen Edelstahl und Barrique spiegelt das Sortiment: frische, direkte Weißweine auf der einen Seite, strukturierte Lagenweine auf der anderen.
Burgundersorten als Herzstück, Cuvées als Handschrift
Was Matthias Gaul antreibt, sind die Burgundersorten — Grauburgunder, Spätburgunder, Chardonnay und Weißburgunder — weil sie auf dem Asselheimer Kalk ideale Bedingungen vorfinden: kühlere Temperaturen bremsen die Reife, der Boden drängt die Reben zu tiefen Wurzeln, die Erträge bleiben von Natur aus gering. Das Ergebnis sind Weine mit lebendiger Säure, mineralischem Zug und einer Frische, die man in wärmeren Pfälzer Lagen seltener findet. Der Grauburgunder, dessen Reben teils auf dem höchstgelegenen Weinberg des Betriebs bei 300 Metern stehen, gehört zu den bekanntesten Weinen des Hauses.
Daneben zeigt sich Gauls Neugier in seinem Sortiment besonders deutlich: Cabernet Franc als Einzelsorte, ein Gris de Gris aus Grauburgunder-Direktpressung, der frische Secco Le Blanc Pompette oder die Cuvées Herr Gaul Rot und Herr Gaul Weiß, die Rebsorten verbinden, die man selten zusammen im Glas findet. Trinktemperatur-Empfehlung: Weißweine 10–12 °C, Rotweine 16–18 °C. Vom zugänglichen Basiswein bis zum präzisen Lagenriesling — das Spektrum ist breit, der Stil bleibt erkennbar: charakterstark, naturnah und mit dem unverwechselbaren Terroir eines Dorfes, das mondän nie sein wollte.