Dreihundert Jahre Familiengeschichte an der Deutschen Weinstraße
Seit 1723 wird in Kirchheim nördlich von Bad Dürkheim unter dem Namen Hammel Wein gemacht — damit zählt das Weingut Hammel & Cie zu den ältesten durchgehend familiengeführten Betrieben der Pfalz. Über drei Jahrhunderte blieb das Gut in einer Hand: Heute steht die neunte Generation in Weinberg und Keller, mit Önologe Markus Nordhorn an der Spitze, begleitet von Phillip Merk im Außenbetrieb und Til Rothenberger als Kellermeister. Den Generationswechsel gestaltet die Familie bewusst behutsam — im Einverständnis mit Christoph und Martin Hammel, ohne Bruch mit dem bisherigen Stil. Dass das Gut so lange an einem Ort verwurzelt blieb, ist kein Zufall: Kirchheim selbst blickt auf über 1.200 Jahre Weinbaugeschichte zurück, und historische Grundsteuerbelege aus dem Jahr 1796 sowie die Hammel-Villa von 1888/1889 belegen, wie eng das Weingut mit dem Dorf verwachsen ist.
Buntsandsteinkeller trifft moderne Kellertechnik
Die Weinberge liegen rund um den historischen Dorfkern Kirchheims, geschützt im Rheingraben, eingerahmt von Odenwald und Haardtwald. Mit rund 2.000 Sonnenstunden im Jahr gehört die Region zu den wärmsten Weinbaulagen Deutschlands. Was die Böden angeht, bietet Kirchheim außergewöhnliche Vielfalt: Sand, Mergel, Ton, Lehm, Kalkstein, Lösslehm und Buntsandstein wechseln einander ab — und geben dem Winzer damit die Möglichkeit, für jede Rebsorte den passenden Untergrund zu wählen.
Im Keller hält Hammel & Cie an einem klaren Prinzip fest: Tradition im Weinberg, Innovation im Ausbau. Der historische Naturbuntsandstein-Keller aus dem 19. Jahrhundert bildet den Rahmen — darin aber arbeitet das Team mit zeitgemäßer Technik. Stahl und Holz werden gezielt kombiniert; Rotweine entstehen ausschließlich durch klassische Maischegärung, bei Weißweinen sorgen ruhige, lange Hefelager für Textur und Tiefe. Christoph Hammel brachte aus Winzerjahren in Südafrika Impulse mit, die bis heute den mediterranen Zug der Rosé- und Rotweine prägen.
Fruchtbetonte Pfalz-Weine mit klarer Handschrift — von trocken bis prickelnd
Das Sortiment auf rund 42 Hektar trägt einen deutlich weißen Schwerpunkt: Riesling stellt den Löwenanteil, ergänzt durch Grauburgunder, Chardonnay, Weißburgunder, Sauvignon Blanc und — seit wenigen Jahren — Grüner Veltliner. Bei den Roten dominieren Spätburgunder und St. Laurent. Der Weinguide Eichelmann bescheinigt dem Betrieb „gelungene Rebsorteninterpretationen"; die eleganten, saftigen Rieslinge und die Spätburgunder aus dem Kleinkarlbacher Herrenberg werden besonders hervorgehoben. Neben den rebsortenreinen Weinen zeigt das Gut Stärke bei Cuvées und klassisch flaschenvergorenem Sekt — darunter der Ein Tag am Meer Sauvignon Blanc extra Brut und die Cuvée Rosé Sekt Brut. Viele der Weine sind vegan ausgebaut. Der rote Faden durch das gesamte Sortiment: Trinkfreude vor Imponiergehabe — Wein, der Menschen begeistert, nicht belehrt.