Von 53 Gründerwinzern zur zweitältesten Genossenschaft der Pfalz
Im Jahr 1900 schlossen sich 53 Wachenheimer Winzer zur Genossenschaft „Wachtenburg" zusammen — angetrieben von dem Gedanken, das Potenzial ihrer Region gemeinsam besser auszuschöpfen. Zwei Jahre später entstand mit „Luginsland" ein zweiter Winzerverein in der Stadt, und zwischen beiden Gemeinschaften entwickelte sich eine Rivalität, die Jahrzehnte anhielt. Erst 1969 gingen die einstigen Konkurrenten zusammen; 1971 schloss sich die Gönnheimer Winzergenossenschaft an und brachte einen nennenswerten Rotweinanteil mit. Heute ist die Wachtenburg Winzer eG — den heutigen Namen trägt die Genossenschaft seit 1997 — die zweitälteste Winzergenossenschaft der Pfalz: älter ist nur die Deidesheimer Genossenschaft.
Namensgeber ist die Burgruine Wachtenburg, die hoch über Wachenheim an der Deutschen Weinstraße thront. Ihr Umriss steht für die enge Verwurzelung dieser Gemeinschaft im Mittelhaardt — in einer Landschaft, in der Weinbau seit Generationen nicht Beruf, sondern Lebensweise ist. Heute tragen 24 Winzerfamilien auf rund 350 Hektar diese Geschichte weiter und geben das akkumulierte Erfahrungswissen von Generation zu Generation weiter.
Sorgsame Lagen, moderner Keller, gemeinsame Verantwortung
Die Rebflächen der Wachtenburg Winzer erstrecken sich über sechzehn Lagen rund um Wachenheim, Forst und Deidesheim — darunter die renommierten Einzellagen Altenburg, Gerümpel und Fuchsmantel sowie die Großlage Dürkheimer Feuerberg. Die Böden sind ausgesprochen vielfältig: Lehm, Kies und Schotter wechseln sich mit Basaltstein und Kalksteingeröll ab. Dieser Wechsel der Substrate, kombiniert mit vielen Sonnenstunden und kühlen Nächten, ist die Grundlage für Weine mit ausgeprägtem Lagenprofil. Riesling wächst auf etwa der Hälfte der Gesamtfläche; besonders im sandigen Lehm und Kalksteingeröll des Fuchsmantels findet er optimale Bedingungen.
2010 weihte die Genossenschaft ein neues Kelterhaus ein, das als eines der modernsten seiner Art in Deutschland gilt. Tradition und technischer Fortschritt ergänzen sich: Im historischen Holzfasskeller reift ein Teil des Sortiments auf gewachsener Basis weiter. Allen Winzerfamilien gemeinsam ist der Anspruch, die natürlichen Gegebenheiten so schonend wie möglich zu behandeln — die Genossenschaft erstellt inzwischen einen CO₂-Fußabdruck und bekennt sich damit klar zur Verantwortung für kommende Generationen. Selektive Handlese und schonende Kellerarbeit gehören im Premiumbereich zum Standard.
Riesling als Leitsorte — und ein Sortiment mit Tiefe und Breite
Riesling ist der rote Faden durch das gesamte Sortiment, vom zugänglichen Schenkenböhl Kabinett bis zum strukturierten Trocken-Riesling aus den Spitzenlagen. Daneben liefern Spätburgunder, Grauburgunder, Weißburgunder und Dornfelder das Rüstzeug für ein breites Geschmacksspektrum — insgesamt keltern die Wachtenburg Winzer 13 weiße und 11 rote Rebsorten. Das Sortiment ist nach Linien gegliedert und reicht von unkomplizierten Literweinen für den Alltag bis zu den selektiv gelesenen Weinen der Edition-Linie und den Reserven für besondere Anlässe. Auch Sekte spielen eine feste Rolle: Der Wachenheim Riesling Sekt und die Cuvée Prestige Reserve Brut Nature zeigen, dass die Genossenschaft den Schaumwein nicht als Nebenprogramm betrachtet. Regelmäßige Auszeichnungen durch Mundus Vini, die DLG und die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz bestätigen die konstante Qualität über das gesamte Sortiment hinweg.