Von 1597 bis heute: Wie eine Pfälzer Familie Weingeschichte schrieb
Das Weingut Dr. Bürklin-Wolf in Wachenheim lässt sich bis ins Jahr 1597 zurückverfolgen, als Bernhard Bürklin (1580–1636) — Stadtschreiber und späterer Bürgermeister von Wachenheim — erste Reben kultivierte. Seinen heutigen Namen und seine entscheidende Ausdehnung erhielt das Gut 1875, als Albert Bürklin die Wachenheimerin Luise Wolf heiratete und damit deren Weinberge in Wachenheim, Forst, Deidesheim und Ruppertsberg in den Familienbesitz überführte. Dr. Albert Bürklin, Vize-Präsident des Deutschen Reichstags, baute das Gut Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Musterbetrieb für Qualitätsweinbau aus. Seit 1990 führt Bettina Bürklin-von Guradze das Weingut in fünfter Generation — und hat ihm in den drei Jahrzehnten seither eine neue, international beachtete Richtung gegeben.
Biodynamie als Haltung, nicht als Marketingversprechen
Im Jahr 2005 stellte Bettina Bürklin-von Guradze die gesamten rund 85 Hektar Rebfläche auf biodynamischen Weinbau um — als erstes deutsches Weingut dieser Größenordnung. Bürklin-Wolf ist seither Mitglied bei Biodyvin, einem internationalen Zertifizierungsverband, dem sonst vor allem französische Spitzenbetriebe wie Domaine de la Romanée-Conti und Domaine Leflaive angehören. Die Begründung des Guts ist pragmatisch: Biodynamie verbessert die Bodenfruchtbarkeit, bewahrt den Charakter des Terroirs und schärft die Lagentypizität. Eine Ruppertsberger Lage hat das Weingut konsequenterweise zur traktorfreien Zone erklärt — dort wird ausschließlich von Hand oder mit Pferden gearbeitet. Selbst hergestellte biodynamische Präparate stärken die Eigenkraft der Pflanzen, ohne auf industrielle Hilfsmittel zurückzugreifen.
Im Keller folgt die gleiche Zurückhaltung: Die Rieslinge vergären natürlich und reifen in großen Holzstückfässern verschiedener Küfer (600 bis 3000 Liter, dicke Dauben, kein Neuholzeinfluss). Die Weine verbleiben nach der Gärung auf der Hefe, bis Lage und Jahrgang die Abfüllung bestimmen — nicht der Kalender.
Mineralität, Lagentypizität und eine eigene Klassifikation
Über die 15 klassifizierten Lagen in Forst, Wachenheim, Deidesheim und Ruppertsberg erstreckt sich ein ungewöhnlich breites Bodenspektrum: schwarzer Basalt (wie im Forster Pechstein), Buntsandstein, Kalk, Löss und vulkanisches Gestein wechseln auf engem Raum. Basaltlagen bringen rauchig-mineralische, straffe Rieslinge hervor; Sandstein- und Kalkböden erzeugen füllere, lagerfähige Weine mit großer Eleganz. Inspiriert vom burgundischen Klassifikationssystem und gestützt auf die königlich-bayerische Lagentaxkarte von 1828 sortiert das Weingut sein Sortiment in Premier Cru (P.C.) und Grand Cru (G.C.) — ein bewusster Schritt abseits des VDP, dem man in den 1990er Jahren den Rücken kehrte. Im Glas bedeutet das: klar gezeichnete Herkunftsprofile, trockene Stilistik, ausgeprägte Säurestruktur und ein Reifepotenzial, das die besten G.C.-Rieslinge auf zehn bis zwanzig Jahre auslegtert. Neben dem Riesling, der den Kern des Sortiments bildet, entstehen weiße und rote Burgunderweine sowie ein Rosé — stets aus eigenem Lesegut, stets handgelesen.