Vom Marsala-Keller zur Pionierin des modernen Sizilienweins
Die Wurzeln der Familie Rallo im sizilianischen Weinbau reichen weit zurück — Giacomo Rallo entstammte einer Weinbau-Dynastie mit über 170 Jahren Geschichte, deren Anfänge in Marsala lagen, dort wo einst englische Handelshäuser das Geschäft mit gespriteten Weinen dominierten. 1983 zog Giacomo gemeinsam mit seiner Frau Gabriella einen klaren Schnitt: Die historischen Familienkellereien in Marsala wurden zum Ausgangspunkt eines neuen Unternehmens, das auf Qualität und Herkunft setzte — nicht mehr auf anonymen Verschnittwein. Den Namen Donnafugata, wörtlich „Frau auf der Flucht", wählte Gabriella Rallo gegen den ausdrücklichen Rat von Marketingexperten: Er verweist auf die Legende der Königin Maria Carolina, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor Napoleons Truppen nach Sizilien floh und Zuflucht genau dort fand, wo heute die Weinberge liegen.
Weil Marsala als Standort für die neue Vision zu eng war, erschlossen Giacomo und Gabriella Rallo in den Folgejahren das Hügelland von Contessa Entellina im Westen Siziliens — Brachland, das sie Schritt für Schritt in Weinberge verwandelten. 1990 traten die Kinder José und Antonio ins Unternehmen ein. Nach Giacomos Tod im Mai 2016 führen sie das Weingut in fünfter Generation weiter, heute bereits mit der nächsten Generation im Hintergrund.
Konsequente Handarbeit, kein Herbizid, fünf Terroirs
Donnafugata bewirtschaftet heute rund 400 Hektar Rebfläche auf fünf Gütern: neben der Zentrale in Marsala und dem Hauptgut Contessa Entellina auch Lagen in Vittoria, am Ätna und auf der Vulkaninsel Pantelleria, die zwischen Sizilien und der tunesischen Küste im Mittelmeer liegt. Jeder Standort folgt eigenen klimatischen und geologischen Gesetzen — von küstennahen Terrassen auf Pantelleria bis zu Vulkanböden in Randazzo am Ätna.
Im Weinberg verzichtet Donnafugata seit den späten 1980er-Jahren konsequent auf chemische Herbizide und synthetische Düngemittel. Stattdessen setzt das Haus auf Gründüngung, organische Düngung, gezieltes Traubendünnen und Pheromon-Fallen zur Schädlingskontrolle. 2011 berechnete Donnafugata als eines der ersten sizilianischen Weingüter seinen CO₂-Fußabdruck; 2021 trat es dem Nachhaltigkeitsprogramm SOStain Sicilia bei. Auf Pantelleria pflegt das Gut außerdem einen Versuchsweinberg mit 33 Zibibbo-Biotypen aus verschiedenen Mittelmeerregionen — mit dem Ziel, die für das Extrem-Terroir der Insel geeignetsten Klone zu identifizieren.
Sizilianische Rebsorten, klare Herkunft, unverwechselbares Etikett
Was Donnafugata stilistisch auszeichnet, ist die Verbindung von autochthonen Sorten mit moderner Kellertechnik ohne Herkunftsverlust. Die Weißweine — aus Catarratto, Grillo, Zibibbo und Chardonnay — werden meist im Edelstahl ausgebaut und zielen auf Frische, Salinität und sortentypisches Aromaprofil. Bei den Rotweinen bildet Nero d'Avola den Kern, teils als Lageausdruck, teils als Rückgrat von Cuvées mit internationalen Sorten wie Merlot und Cabernet Sauvignon. Am Ätna kommt Nerello Mascalese hinzu, der die vulkanische Mineralität des Nordens widerspiegelt. Aus dem Sortiment bei uns sind Weine wie der Anthilia, der Lighea aus Zibibbo oder der Etna Rosso Contrada Marchesa gute Einstiegspunkte in die Bandbreite des Hauses.
Die charakteristischen Etiketten mit der im Wind wehenden Frauenfigur — entworfen von Gabriella Rallo — sind seit Jahrzehnten ein Erkennungszeichen weit über die Weinwelt hinaus. Hinter der Bildsprache steckt dasselbe Prinzip wie im Keller: Sizilien zeigen, wie es ist — lebendig, komplex und ohne falsche Bescheidenheit.