Vom Abruzzeser Aufbruch zum apulischen Flaggschiff
Vigneti del Salento ist das apulische Herzstück der Fantini Group — eines Unternehmens, das Valentino Sciotti 1994 in Ortona, Abruzzen, gemeinsam mit zwei Partnern gründete. Das erklärte Ziel war von Beginn an ungewöhnlich für den italienischen Süden jener Jahre: Schluss mit anonymem Schüttweintransport nach Norden, stattdessen sortenrein abgefüllte Weine mit klar erkennbarer Herkunft. Aus diesem Ansatz wuchs eines der größten und zugleich sorgsam strukturierten Weinunternehmen Italiens. 2013 übernahm die Fantini Group die Marke Vigneti del Salento — eine der damals größten Investitionen im Zuge ihrer Südexpansion — und machte sie zum Aushängeschild für apulischen Qualitätsweinbau. Unter dem Dach der Gruppe produzieren heute Weingüter in Apulien, Basilikata, Kampanien, Sizilien und den Abruzzen, doch die Salento-Halbinsel bleibt der Anker für die tiefsten Primitivos und charaktervollsten Negroamaros.
Uralte Alberello-Reben, trockene Steinmauern, enge Winzerfamilien
Die Arbeit von Vigneti del Salento konzentriert sich auf den westlichen Salento, in der Provinz Taranto rund um Sava und Manduria — das Kerngebiet der Denominazione Primitivo di Manduria. Die Weinberge gehören meist lokalen Winzerfamilien; das Kellerteam um Önologe Filippo Baccalaro und Kellermeister Danilo Gizzi arbeitet seit Jahren mit denselben Anbauern zusammen, wählt innerhalb jedes Weinbergs gezielt die besten Parzellen nach Klon, Hanglage und Rebenalter aus und steuert die Bewirtschaftung direkt — einschließlich konsequenter Ertragsreduzierung pro Stock. Im Mittelpunkt stehen Alberello-Buschrebstöcke, traditionell frei stehend und buschförmig erzogen, teils um die hundert Jahre alt. Ihre tiefen Wurzeln erschließen die charakteristischen roten Lehmböden der Terra Rossa und sichern der Pflanze auch in langen Trockenperioden Wasserreserven. Zwischen Adria und Ionischem Meer moderieren nächtliche Meereswinde die Tageshitze und sorgen für Temperaturamplituden, die Säure und Aromatik erhalten. Die traditionellen Trockensteinmauern — „I Muri" — sind dabei mehr als Namensgeber für die Einstiegslinie: Sie markieren die Parzellenstruktur, entstanden aus den Steinen, die beim Anlegen der Weinberge aus dem Boden geräumt wurden, und prägen das Landschaftsbild des Salento bis heute.
Bei der Vinifikation setzt Vigneti del Salento auf die sorgfältige Selektion im Weinberg als wichtigsten Qualitätshebel; die Kellertechnik bleibt dem Terroir dienlich, ohne es zu überformen. Die Trauben werden ausschließlich von Hand gelesen — die überschaubare Größe der familiengeführten Parzellen erlaubt es, alle Weinberge innerhalb weniger Tage zu ernten und so optimale Reifemomente zu nutzen.
Drei Ebenen, eine klare Handschrift: Primitivo, Negroamaro und mehr
Das Sortiment gliedert sich in drei deutlich abgestufte Linien. Die I-Muri-Reihe — benannt nach den Trockensteinmauern — umfasst Primitivo, Negroamaro und einen Weißwein aus autochthonem Rebmaterial und bildet den zugänglichen Einstieg ins Salento-Terroir. Die Zolla-Linie greift auf ältere Rebstöcke zurück und zeigt mehr Dichte, Struktur und Tiefe. An der Spitze stehen Vigne Vecchie und die limitierte Leggenda-Abfüllung: Weine aus den ältesten Alberello-Beständen zwischen Sava und Manduria, die in renommierten internationalen Weinführern und Fachpublikationen regelmäßig bewertet werden. Daneben findet sich ein Chardonnay unter der Zolla-Linie sowie der Ritorna Tre Autoctoni, eine Cuvée aus drei apulischen Urrebsorten — ein Bekenntnis zur Sortenvielfalt jenseits des dominanten Primitivo. Die Fantini Group wurde beim Grand International Wine Award MUNDUS VINI seit 2017 mehrfach als bester italienischer Produzent ausgezeichnet. Wer die Weine von Vigneti del Salento trinkt, bekommt Apulien in seiner konzentriertesten Form: dunkle Frucht, warme Würze, samtiges Tannin — und im besten Fall den mineralischen Nachhall eines Bodens, der seit der Antike Wein trägt.