Von der Casa Defrà zum Weinhaus in vierter Generation
Die Geschichte von Cielo e Terra beginnt 1908 im Valle del Chiampo, östlich von Verona. Urgroßvater Giovanni Cielo kaufte dort ein kleines Landgut mit Weinberg — die Casa Defrà — in den Hügeln der Provinz Vicenza, unweit der Burgen, die als Schauplatz von Romeo und Julia bekannt sind. Was als bescheidene Familienwirtschaft startete, wuchs schnell: Die Nachfrage aus den umliegenden Tälern stieg, und die Familie baute ihren Betrieb Schritt für Schritt aus. In den 1930er-Jahren übernahm Pietro Cielo, der einzige Sohn, der in Montorso blieb, den Betrieb und hielt die Bindung an den Boden aufrecht. Den entscheidenden Schritt vollzog die dritte Generation: 1962 errichteten Pietros Söhne Giovanni, Renzo und Piergiorgio eine moderne Kellerei in Montorso Vicentino und erschlossen erstmals den gesamtitalienischen Markt. Den heutigen Namen trägt das Unternehmen seit 1999 — dem Jahr, in dem die Familie Cielo eine Partnerschaft mit der Winzergenossenschaft Cantine dei Colli Berici einging und damit Cielo e Terra gründete. Der Name ist Programm: Cielo steht für die Familie, Terra für die Winzer, die das Land bewirtschaften. Heute führen Luca und Pierpaolo Cielo das Haus in vierter Generation.
Nachhaltigkeit als Unternehmensstruktur, nicht als Versprechen
Das Modell hinter Cielo e Terra ist ungewöhnlich: Über 1.000 Winzerfamilien bewirtschaften gemeinsam rund 3.700 Hektar Rebfläche in den Provinzen Vicenza und Verona. Jeder Traubenlieferant ist über persönliche Herkunftskarten erfasst — Lage, Sorte, Zuckergehalt. Zur Lese prüft ein Agronomist die Reife jedes Parcels individuell, bevor die Ernte festgelegt wird. Im Keller werden die Trauben nach Typ, Herkunft und Mostgewicht sortiert, um das Qualitätspotenzial von Anfang an zu steuern.
Die Nachhaltigkeitsstrategie des Hauses geht deutlich über Einzelmaßnahmen hinaus. Seit 2020 ist Cielo e Terra B-Corp-zertifiziert — eine der wenigen italienischen Weinkellereien mit diesem Standard, der ökologische, soziale und Governance-Leistungen misst. 2022 folgte die Eintragung als Benefit Corporation, 2023 kam die EQUALITAS-Zertifizierung hinzu. Konkret bedeutet das: 100 % des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen, Photovoltaikanlagen in den Kellereigebäuden, FSC-zertifizierte Verpackungsmaterialien, Leichtglas für den Großteil der Produktion und ein laufendes Programm zur Reduktion von Wasser- und Stromverbrauch. Das Unternehmen war außerdem das erste italienische Weingut, das das Lean-Organization-Modell einführte — eine Methode zur Vermeidung von Verschwendung in Produktion und Logistik. 2021 erwarb Cielo e Terra die palladianische Villa La Favorita mit Blick auf die Colli Berici, die künftig als Hauptsitz und Veranstaltungsort dienen soll.
Appassimento, Biologico und die Breite eines modernen Sortiments
Cielo e Terra arbeitet nicht mit dem Einzellagen-Ansatz, sondern mit klar definierten Linien für unterschiedliche Anlässe und Geschmacksprofile. Die Kellertechnik folgt dabei einem präzisen Grundsatz: reduktive Weißweinbereitung bei kontrollierten Temperaturen als Standard, Holzausbau nur in den oberen Kategorien. Im Sortiment bei uns findest du vor allem Weine aus zwei Stilwelten. Die Appassimento-Linie — ob als Baccolo aus Apulien oder als Gran Maestro — basiert auf angetrockneten Trauben, die mehr Konzentration, tiefere Frucht und höhere natürliche Süße bringen: volle Rotweine mit dunkler Beerenfrucht und weichen Tanninen, dazu körperreiche Weißweine mit Aromen von getrockneter Aprikose und Mandel. Die Tre Passo Biologico-Linie zeigt die andere Seite des Hauses: biologisch angebaute Trauben, frischere Textur, trinkfreudige Struktur — sowohl in Rot als auch in Weiß. Der Cielo 1908 Appassionante aus dem Veneto schlägt die Brücke zwischen beiden Welten: Appassimento-Intensität mit der eleganten Säurestruktur venetischer Lagen. Ergänzt wird das Spektrum durch den Cielo Gran Maestro Primitivo di Manduria, der die apulische Herkunft mit ihrer charakteristischen Wärme und Pflaumen-Tiefe klar abbildet.