Vom Eisverkäufer in New York zum Pionier apulischer Weinkultur
Die Geschichte von Torrevento beginnt 1913 mit einem 16-Jährigen und einem Schiff namens „Hamburg". Francesco Liantonio, Großvater des heutigen Präsidenten, verließ Apulien in Richtung New York, arbeitete dort in einer Eisfabrik und kehrte 1923 mit einem bescheidenen Vermögen und einem klaren Plan zurück. Er ließ sich in Palo del Colle nieder, baute Trauben an und handelte mit nativem Olivenöl. 1948 erwarb er gemeinsam mit seinem Bruder Domenico ein ehemaliges Benediktinerkloster aus dem 17. Jahrhundert im Gebiet Torre del Vento — samt der umliegenden 57 Hektar Weinberge. Damit war der geografische Kern gelegt, der dem Weingut bis heute seinen Charakter gibt.
1950 übernahm Gaetano Liantonio das Erbe, renovierte das Klostergut und richtete den ersten eigenen Weinkeller ein, die Vinicola Torrevento. Der entscheidende Modernisierungsschub folgte 1989, als Francesco Liantonio — damals noch Dozent für Marketing und Handel an der Universität Bari — die Unternehmensführung übernahm und die Torrevento Srl gründete. Unter ihm wurden die Weinberge ausgebaut, die Kellerausstattung erneuert und mit Leonardo Palumbo ein Önologe verpflichtet, dessen Handschrift Torrevento international bekannt machte.
Karst, Wind und zertifizierte Verantwortung
Das Weingut liegt im Herzen des Nationalparks Alta Murgia, auf dem steinigen Kalksteinplateau nördlich von Bari, auf Lagen zwischen 400 und 600 Metern Höhe — rund 13 Kilometer von der Adriaküste entfernt. Der permanent wehende Wind, der der Region und dem Weingut ihren Namen gab („Torre del Vento", Turm des Windes), belüftet die Reben natürlich und reduziert den Druck von Pilzkrankheiten. Die kalkreichen Tonböden und das mediterrane Klima mit heißen, trockenen Sommern und kühlen Wintern liefern die Spannung, die apulische Weine auf Niveau bringt. Heute bewirtschaftet Torrevento rund 500 Hektar in ganz Apulien.
Nachhaltigkeit ist bei Torrevento kein Marketingbegriff, sondern zertifizierte Praxis: Das Weingut trägt die Equalitas-Zertifizierung — eine der ersten Kellereien Italiens, die diesen Standard erhalten hat — sowie IFS Food und CSQA. Wetterstation-gestütztes Bewässerungs- und Pflanzenschutzmanagement, integrierter Anbau nach SQNPI und ein blockchain-basiertes Rückverfolgbarkeitssystem vom Weinberg bis zur Flasche zeigen, wie konsequent dieser Anspruch umgesetzt wird. 2019 kürte der Gambero Rosso Torrevento zur „Sustainable Winery of the Year".
Autochthone Rebsorten, klare Handschrift — vom Einstiegswein bis zur Riserva
Torrevento versteht sich als Anwalt der apulischen Urrebsorten: Nero di Troia, Primitivo, Negroamaro, Bombino Bianco und Nero, Aglianico. Sortimentsbreite und Stilistik sind dabei klar gestaffelt — von zugänglichen Alltagsweinen mit dichter Frucht und warmem Körper bis zu den gereiften Riserva-Cuvées, die Tiefe und Lagerpotenzial zeigen. Die Vigna Pedale, ein Castel del Monte Nero di Troia Riserva DOCG, hat dem Weingut wiederholt die Tre Bicchieri des Gambero Rosso eingebracht und gilt als Maßstab für die Sorte. Bei den Primitivo-Weinen — von der Primitivo di Manduria DOC bis zum Appassimento aus angetrockneten Trauben — zeigt sich die Bandbreite besonders deutlich: stoffig-dunkle Frucht, würzige Tiefe und ein Abgang, der die mediterrane Wärme der Murgia und des Salento spürbar macht. Die Klosterkeller, in den Fels gehauen, dienen dabei noch heute als Herzstück der Weinbereitung — ein Ort, an dem älteste Tradition und moderne Kellertechnik aufeinandertreffen.