Apulien

Feudi di San Marzano: Apuliens Kraftpaket aus dem Süden

Feudi di San Marzano Sessantanni Primitivo di Manduria Illustration – mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt

Sessantanni – Wie San Marzano den Primitivo zur Kultmarke machte

Es gibt Weine, die erfolgreich sind. Und es gibt Weine, die eine ganze Region verändern.

Der Sessantanni Primitivo di Manduria gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Kaum ein anderer italienischer Rotwein hat die Wahrnehmung Apuliens so nachhaltig geprägt wie dieser Wein. Er machte den Primitivo di Manduria weltweit bekannt, wurde zu einer der erfolgreichsten Weinmarken Italiens und gilt bis heute als Referenz für kraftvolle, samtige Rotweine aus Süditalien.

Dabei steht hinter seinem Erfolg kein traditionsreiches Schloss und kein aristokratisches Weingut, sondern eine Genossenschaft. Eine Gemeinschaft von Winzerfamilien, die schon früh erkannte, welches Potenzial in den uralten Reben des Salento schlummerte.

Die Geschichte beginnt mit 19 Winzern

Die Geschichte von Cantine San Marzano beginnt im Jahr 1962. Damals schlossen sich 19 Winzer aus dem kleinen Ort San Marzano di San Giuseppe zusammen, mitten im Herzen des Salento in Apulien.

Ihre Familien bewirtschafteten seit Generationen kleine Parzellen mit Reben, Olivenbäumen und Mandelhainen. Die meisten Weinberge waren mit traditionellen Alberello-Reben bepflanzt – knorrigen Buschreben, die bereits damals teilweise mehrere Jahrzehnte alt waren.

Doch wie in vielen Teilen Süditaliens wurde der Wein kaum unter eigenem Namen vermarktet. Ein großer Teil der Produktion verließ Apulien als Fasswein und diente dazu, leichtere Weine aus Norditalien farbkräftiger und alkoholreicher zu machen.

Die eigentliche Qualität der Region blieb lange verborgen.

Die Gründung der Genossenschaft sollte das ändern.

Nicht einzelne Winzer sollten voneinander profitieren, sondern alle gemeinsam. Aus vielen kleinen Familienbetrieben entstand Schritt für Schritt eine starke Gemeinschaft, die heute zu den erfolgreichsten Weinproduzenten Italiens gehört und mehrere hundert Mitglieder vereint.

Vom Fasswein zur Weltmarke

Über viele Jahre produzierte San Marzano vor allem Wein für andere.

Erst Mitte der 1990er-Jahre begann die Genossenschaft, ihre Zukunft neu zu denken. Mit einer modernen Kellerei, konsequenter Qualitätsarbeit und einer eigenen Flaschenproduktion entstand erstmals die Möglichkeit, Weine unter dem eigenen Namen weltweit zu vermarkten.

Doch dafür brauchte es einen Wein, der alles verkörperte, wofür Apulien steht.

Einen Wein, der die Kraft der Sonne, die Konzentration alter Reben und den Charakter des Salento in einer einzigen Flasche vereint.

Dieser Wein sollte Sessantanni werden.

Die Männer hinter dem Sessantanni

Große Weine entstehen nie zufällig.

Ende der 1990er-Jahre arbeitete San Marzano mit einem der renommiertesten Önologen Italiens zusammen: Carlo Ferrini. Der vielfach ausgezeichnete Weinmacher – mehrfach als Italian Winemaker of the Year geehrt – entwickelte gemeinsam mit dem damaligen Kellermeister Filippo Baccalaro einen Wein, der den Primitivo neu definieren sollte.

Ihre Idee war ebenso einfach wie visionär.

Statt möglichst viele Trauben zu verarbeiten, konzentrierten sie sich ausschließlich auf die besten Parzellen mit mindestens sechzig Jahre alten Alberello-Reben. Diese uralten Buschreben lieferten nur noch geringe Erträge, brachten jedoch Trauben mit außergewöhnlicher Konzentration, natürlicher Reife und beeindruckender aromatischer Tiefe hervor.

Ferrini und Baccalaro verzichteten bewusst auf rustikale Schwere. Ihr Ziel war ein Wein, der Kraft besitzt, dabei aber geschmeidig, elegant und international verständlich bleibt.

Im Jahr 2000 kam der erste Sessantanni Primitivo di Manduria auf den Markt.

Niemand ahnte damals, dass dieser Wein den Primitivo für immer verändern würde.

Warum Sessantanni so besonders ist

Der Name bedeutet schlicht „Sechzig Jahre“.

Gemeint sind die alten Rebstöcke, aus denen der Wein gewonnen wird. Viele von ihnen wurden lange vor dem Zweiten Weltkrieg gepflanzt und wachsen bis heute in traditioneller Alberello-Erziehung.

Jede Rebe steht einzeln wie ein kleiner Busch. Ohne Drahtrahmen, tief verwurzelt im roten Boden des Salento und perfekt angepasst an Hitze, Trockenheit und den stetigen Wind zwischen Ionischem Meer und Adria.

Mit zunehmendem Alter sinkt der Ertrag dieser Reben deutlich.

Doch genau darin liegt ihr Geheimnis.

Wenige Trauben bedeuten mehr Konzentration, mehr Extrakt und eine beeindruckende aromatische Tiefe. Aus ihnen entsteht ein Wein von dunkler Farbe, intensiver Frucht und außergewöhnlicher Dichte.

Nach der Gärung reift der Sessantanni rund zwölf Monate in französischen und amerikanischen Barriques. Das Holz unterstützt den Wein, ohne seine Herkunft zu überdecken.

Im Glas zeigt er Aromen von reifen Pflaumen, Brombeeren, Schwarzkirschen, Kakao, Vanille, Tabak und süßen Gewürzen. Am Gaumen wirkt er opulent und samtig, besitzt aber gleichzeitig erstaunlich weiche Tannine und eine bemerkenswerte Balance.

Gerade diese Verbindung aus Kraft und Eleganz machte ihn einzigartig.

Der Wein, der Primitivo berühmt machte

Mit dem Sessantanni veränderte sich nicht nur San Marzano.

Es veränderte sich die gesamte Wahrnehmung des Primitivo.

Bis dahin galt die Rebsorte außerhalb Italiens häufig als unkomplizierter, alkoholreicher Rotwein. Der Sessantanni zeigte erstmals einer breiten internationalen Öffentlichkeit, welches Potenzial in den alten Alberello-Reben des Salento steckt.

Er war kraftvoll, weich, dunkel und gleichzeitig hochwertig vinifiziert.

Damit traf er den Geschmack einer neuen Generation von Weinliebhabern.

Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich der Sessantanni zu einer der bekanntesten Weinmarken Italiens. Er gewann unzählige internationale Auszeichnungen, wurde in dutzende Länder exportiert und entwickelte sich zu einem der meistverkauften Premium-Primitivos weltweit.

Bemerkenswert ist dabei seine Konstanz.

Während viele erfolgreiche Weine nach einigen Jahren wieder aus dem Fokus verschwinden, gehört der Sessantanni seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den absoluten Dauerbrennern des italienischen Weinmarktes. Jahr für Jahr gehört er zu den meistgesuchten und meistverkauften Primitivo di Manduria überhaupt.

Und dennoch bleibt er in gewisser Weise rar.

Denn die Grundlage des Weins bilden jahrzehntealte Alberello-Reben. Diese Weinberge lassen sich nicht beliebig vermehren. Neue Pflanzungen können ihre Qualität erst nach vielen Jahrzehnten erreichen. Genau deshalb bleibt die Menge der besten Trauben begrenzt – ein Schatz, den San Marzano mit großer Sorgfalt bewahrt.

Das Terroir des Salento

Der Salento liegt zwischen Adria und Ionischem Meer und zählt zu den heißesten Weinregionen Italiens.

Die Sommer sind lang, trocken und sonnig. Gleichzeitig sorgen die Winde beider Meere für eine stetige Belüftung der Weinberge.

Die roten Böden des Salento sind reich an Eisenoxiden und liegen auf kalkhaltigem Untergrund. Sie speichern die Wärme des Tages und geben sie in den kühleren Nachtstunden langsam wieder ab.

Gemeinsam mit den alten Alberello-Reben entsteht so jener Stil, für den Primitivo di Manduria heute weltweit bekannt ist: intensive dunkle Frucht, reife Tannine, weiche Struktur und eine unverwechselbare Wärme.

Mehr als Sessantanni

Auch wenn der Sessantanni die Ikone des Hauses bleibt, erzählt das Sortiment von San Marzano viele weitere Facetten Apuliens.

Der Anniversario 62 Primitivo di Manduria Riserva erinnert an das Gründungsjahr der Genossenschaft und interpretiert Primitivo noch dichter, konzentrierter und mit zusätzlichem Reifepotenzial.

Mit der Collezione Cinquanta verbindet San Marzano Primitivo und Negroamaro zu einer harmonischen Cuvée, die Kraft und Würze elegant miteinander vereint.

Der F Negroamaro zeigt eine andere Seite des Salento. Weniger opulent als Primitivo, dafür würziger, kräuteriger und mit einer feinen herben Note, die dieser autochthonen Rebsorte ihren unverwechselbaren Charakter verleiht.

Der Tramari Rosé di Primitivo beweist, wie elegant und frisch dieselbe Rebsorte wirken kann. Zarte Frucht, feine Würze und mediterrane Leichtigkeit machen ihn zum idealen Begleiter warmer Sommertage.

Mit dem Timo Vermentino zeigt San Marzano schließlich, dass Apulien nicht nur große Rotweine hervorbringt. Seine salzige Frische, Zitrusaromen und mediterrane Kräuternoten spiegeln die Nähe zum Meer auf beeindruckende Weise wider.

Warum Primitivo die Welt begeistert

Primitivo gehört heute zu den bekanntesten Rebsorten Italiens.

Genetisch ist sie mit dem kalifornischen Zinfandel identisch, ihre eigentliche Heimat liegt jedoch seit Jahrhunderten in Apulien.

Ihr Name leitet sich von der frühen Reife der Trauben ab. Im warmen Klima des Salento entstehen daraus Weine mit intensiver dunkler Frucht, weichen Tanninen und beeindruckender Fülle.

Was Primitivo so beliebt macht, ist seine unmittelbare Zugänglichkeit.

Er braucht keine langen Erklärungen. Er wirkt großzügig, warm und einladend – Eigenschaften, die der Sessantanni wie kaum ein anderer Wein verkörpert.

Zu welchem Essen passt Sessantanni?

Ein Wein mit dieser Kraft verlangt nach ebenso charaktervollen Gerichten.

Sessantanni begleitet gegrilltes Rind, Lamm, Wild, geschmorte Fleischgerichte und gereiften Hartkäse ebenso überzeugend wie kräftige Pasta oder mediterrane Schmorgerichte.

Doch manchmal braucht er gar kein Essen.

Seine samtige Textur und seine tiefe Frucht machen ihn auch zu einem Wein für lange Gespräche, besondere Momente oder einen ruhigen Abend am Kamin.

Unser Fazit

San Marzano hat den Primitivo nicht erfunden.

Doch kaum jemand hat mehr dazu beigetragen, ihn weltweit bekannt zu machen.

Mit dem Sessantanni schufen Carlo Ferrini, Filippo Baccalaro und die Winzerfamilien von San Marzano einen Wein, der weit über eine einzelne Abfüllung hinausgeht. Er wurde zur Ikone des modernen Primitivo, zum Vorbild für unzählige weitere Spitzenweine aus Apulien und zu einer der erfolgreichsten Weinmarken Italiens.

Seit mehr als zwanzig Jahren begeistert der Sessantanni Weinliebhaber auf der ganzen Welt – nicht als kurzfristiger Trend, sondern als echter Klassiker.

Wer verstehen möchte, warum Primitivo heute zu den beliebtesten Rotweinen Europas gehört, sollte genau hier beginnen. Denn kaum ein Wein erzählt die Geschichte des modernen Süditaliens eindrucksvoller als der Sessantanni.

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