Sieben Generationen Roussillon — vom Traubenbauern zur Exportmarke
Die Wurzeln des Domaine Lafage reichen bis ins Jahr 1798 zurück. Über Generationen lieferte die Familie Lafage ihre Trauben an die Kooperativen des Roussillon — ein damals üblicher Weg in einer Region, die vor allem für ihre Vins Doux Naturels bekannt war. Jean-Marc Lafage, siebte Generation, brach damit: Er studierte Önologie in Montpellier und entschied sich früh, aus dem Familienbesitz ein eigenes, terroir-getriebenes Weingut zu machen. Gemeinsam mit seiner Frau Eliane Salinas Lafage, ebenfalls ausgebildete Önologin, reiste er durch Südamerika, Kalifornien, Südafrika und Australien, arbeitete unter anderem an der Forschungsanlage von Gallo sowie in australischen Weingütern. 1996 übernahm das Paar den elterlichen Betrieb — damals rund 25 bis 30 Hektar — und begann, das Sortiment konsequent auf trockene Appellationsweine auszurichten. Heute umfasst das Weingut rund 160 Hektar, verteilt über mehrere Subregionen des Roussillon, und exportiert seine Weine in über 40 Länder. Sitz des Betriebs ist der Mas Miraflors, ein katalanisches Landhaus aus dem 15. Jahrhundert zwischen Perpignan und Canet-en-Roussillon.
Terroir-Kartierung, Regenerative Landwirtschaft und sparsamster Wassereinsatz
Was Lafage von vielen anderen Großbetrieben des Südens unterscheidet, ist die wissenschaftliche Genauigkeit, mit der Weinberg und Keller geführt werden. Jean-Marc und Eliane haben ihr gesamtes Rebland durch eingehende Boden- und Untergrundstudien kartiert — mit dem Ziel, die Anbaumethoden präzise an jeden Mikroterroirtyp anzupassen. Im Weinberg setzt das Domaine auf Agroforstwirtschaft, Permakultur und Ökobeweidung; mit Sensorik an den Rebstöcken wird die Saftbewegung gemessen, um Bewässerung nur dann einzusetzen, wenn sie ökologisch sinnvoll ist — der reale Wasserverbrauch liegt laut Jean-Marc deutlich unter dem regionalen Durchschnitt. Diese Ansätze werden in Zusammenarbeit mit der Universität Montpellier erprobt und gelten als Modell für die Viticulture de demain im wassersensiblen Mittelmeerraum. Im Keller gilt dasselbe Prinzip der Zurückhaltung: Weißweine und Rosés reifen in Edelstahl, um Frische und Frucht zu bewahren; Rotweine werden überwiegend in Betonbehältern ausgebaut, Eichenholz sparsam und zielgerichtet eingesetzt, damit Frucht und Mineralität den Ton angeben.
Drei Terroir-Zonen, 15 Rebsorten, ein breites Stilspektrum
Das Herzstück von Lafages Philosophie ist die Vielfalt seiner Lagen. Die Weinberge gliedern sich in drei komplementäre Zonen: Les Aspres an den Ausläufern der Pyrenäen mit Schiefer- und Marmorböden und alten Terrassen-Reben; die alluvialen Kalkböden der Ebene zwischen Perpignan und dem Mittelmeer, wo Tramontane-Wind und Meereseinfluss Grenache Blanc, Grenache Gris und Mourvèdre für frische Roséweine prägen; sowie das Agly-Tal mit seinen schwarzen Marnenschiefern, die Muscat, Grenache Noir und Carignan jene Opulenz und Authentizität verleihen, die die traditionellen Vins Doux Naturels der Region ausmachen. Über alle Zonen hinweg kultiviert das Domaine rund 15 Rebsorten — darunter Stöcke, die älter als hundert Jahre sind. Im Mittelpunkt steht Grenache in allen drei Farben (Noir, Blanc, Gris), ergänzt durch Syrah, Mourvèdre, Carignan, Marsanne und Roussanne. Das Sortiment reicht von floralen, zugänglichen Weißweinen wie dem Côté Floral über strukturierte Cuvées wie Bastide Miraflors und Arqueta bis hin zu den gereiften, oxydativen Ambre Hors d'Âge — dem ambrierten Vin Doux Naturel, der die jahrhundertealte Tradition des Hauses verkörpert. Geerntet wird nahezu ausschließlich von Hand.