Von der alten Schäferei zum Weingut der Familie Freund
Die Domaine La Grange in Gabian blickt auf rund 200 Jahre Geschichte zurück. Gegründet von der Familie Sabatier, war das Gut von Anfang an mehr als ein reiner Weinbaubetrieb: Olivenbäume, Schafzucht und Rebflächen bildeten eine Einheit — der Name „La Grange", französisch für Scheune, verweist auf diese landwirtschaftlichen Wurzeln. Einen entscheidenden Wendepunkt markiert das Jahr 2007, als Rolf und Renate Freund die Domaine übernahmen. Für Rolf Freund war der Ort seit Jugendtagen vertraut: Als junger Mann verbrachte er Zeit in der freien Natur des Haut-Languedoc und entwickelte dabei eine tiefe Verbindung zu Landschaft und Weinbau. Aus dieser persönlichen Geschichte erwuchs der Entschluss, das Gut zu übernehmen und weiterzuentwickeln. Heute führen Johanna und Daniel Freund den eingeschlagenen Weg fort und verbinden die Geschichte des Hauses mit einer zeitgemäßen Ausrichtung.
Garrigue, Schafe und das HVE-Siegel: Nachhaltigkeit als Grundprinzip
Das Weingut liegt am Rand des Naturparks Haut-Languedoc auf rund 250 Metern Höhe, eingebettet zwischen Garrigue, alten Vulkanhügeln und der Brise vom Mittelmeer. Warme Tage, kühle Nächte und karge, mineralische Böden prägen das Terroir. Thymian und Rosmarin wachsen zwischen den Rebzeilen — ihr Einfluss auf das Aromaprofil der Weine ist spürbar. Mit Übernahme durch die Familie Freund wurde der Betrieb auf biologischen Weinbau umgestellt: Schafe beweiden die Weinberge als natürliche Alternative zur maschinellen Bodenbearbeitung, Hecken strukturieren die Flächen und stärken die Biodiversität. Im Keller arbeitet man so schonend wie möglich — ergänzt durch moderne Edelstahl- und Betonbehälter sowie gezielte Holzfassreife. Das Engagement trägt Früchte: La Grange ist nach Terra Vitis zertifiziert und trägt das staatliche Nachhaltigkeitssiegel HVE Stufe 3 (Haute Valeur Environnementale), die höchste Stufe dieser französischen Auszeichnung. Beratend tätig ist der renommierte Önologe Kyriakos Kynigopoulos, für die Olivenölproduktion steht Spezialist Eric Martin zur Seite.
Vier Linien, ein Terroir: vom zugänglichen IGP bis zur Pézenas-Spitze
Das Sortiment gliedert sich in vier klar abgegrenzte Linien. Die Terroir-Weine — darunter Chardonnay, Sauvignon Blanc und Merlot als IGP Pays d'Oc — zeigen lagentypische Rebsorten-Charaktere mit mediterraner Frucht und klarer Säurestruktur, zugänglich und alltagstauglich. Die Tradition-Cuvées schöpfen aus den Lagen Prat Bibal, Pabiro, Redon und weiteren benannten Parcellen und verbinden südfranzösische Rebsorten wie Syrah, Grenache, Mourvèdre und Carignan zu gehaltvollen Cuvées mit Garrigue-Charakter. An der Spitze stehen die Castalides-Weine in der AOP Languedoc Pézenas: Sie stammen aus den ältesten und besten Reblagen, ihr Name geht auf die Wassernymphen zurück, die laut Überlieferung die Brunnen des Guts bewachen. Das Sortiment wird durch native Olivenöle ergänzt, produziert aus eigenen Olivenbäumen auf dem Gut — ein Beleg dafür, dass La Grange bis heute den ganzheitlichen Anspruch seiner Gründer lebt: Wein, Öl und Natur als untrennbare Einheit.