Vom Traubenlieferanten zur treibenden Kraft des neuen Languedoc
Die Geschichte der Domaines Paul Mas beginnt 1892, als Ur-Großvater Auguste Mas rund neun Hektar Reben nahe Montagnac im Hérault kaufte. Drei Generationen lang verkaufte die Familie die Ernte überwiegend an andere Kellereien. Jean-Claude Mas, in vierter Generation in die Welt des Weins hineingeboren, brach dieses Muster: Nach einem Studium der Wirtschaft und ersten Jahren in der Weinimportbranche in England und den USA kehrte er ins Languedoc zurück und gründete im Jahr 2000 die Domaines Paul Mas — benannt nach seinem Vater. Das historische Herzstück ist Château Paul Mas auf dem Weiler Île de Conas bei Pézenas, wo die Familie noch heute lebt und arbeitet.
Was als überschaubares Familiengut begann, wuchs zu einem der bekanntesten Weinhäuser Südfrankreichs heran. Heute umfassen die Domaines Paul Mas 17 Güter über rund 940 Hektar Eigenbesitz, verteilt über die wichtigsten Lagen des Languedoc und Roussillon: Pézenas, Grès de Montpellier, Terrasses du Larzac, Limoux, Boutenac und Roussillon. Die Weine werden in über 80 Länder exportiert.
Lebendige Böden statt Checkliste: Nachhaltigkeit als Haltung
Chemische Pflanzenschutzmittel sind auf allen Gütern verboten. 100 % der Weinberge tragen die HVE3-Zertifizierung (Haute Valeur Environnementale, Stufe 3), 40 % sind zusätzlich biologisch zertifiziert — und ein Großteil der übrigen Flächen wird nach denselben Grundsätzen bewirtschaftet, ohne dass die formelle Zertifizierung beantragt wurde. Dazu kommt das Terra-Vitis-Label, das noch strengere Anforderungen an nachhaltigen Weinbau stellt. Jean-Claude Mas formuliert es direkt: Ökologischer Weinbau ist für ihn ein Wert, kein Verkaufsargument.
Praktisch bedeutet das: Biocontrol-Lösungen statt Herbizide, gezielte Rebschnitt-Philosophie zur Reduktion von Traktordurchfahrten, Förderung der Bodenbiologie und Bienenbeuten im Weinberg zur Stärkung der Biodiversität. Für Partnerwinzer, die Früchte für die Signatures-Linie zuliefern, gilt ein eigenes Nachhaltigkeits-Regelwerk — mit Schulungen und fairen Abnahmepreisen als Anreiz zur Umstellung. Wer mit Paul Mas arbeitet, wirtschaftet nach denselben Maßstäben.
Luxe Rural: Terroir-Charakter ohne Elitenpreisschild
Jean-Claude Mas hat das Programm der Domaines in einem Begriff verdichtet: Luxe Rural — ländlicher Luxus, der Herkunft, Handwerk und Trinkvergnügen zusammenbringt, ohne elitär zu werden. Das Sortiment ist bewusst breit: von zugänglichen IGP-Pays-d'Oc-Weinen wie dem Chardonnay oder dem Cabernet Sauvignon bis zu ambitionierten Lagenweinen aus den Appellationen Pézenas und Terrasses du Larzac. Im Keller treffen klassische Techniken auf gezielte Innovation — darunter auch schwefelfreie Weine, an denen Jean-Claude Mas seit mehr als einem Jahrzehnt arbeitet.
Stilistisch stehen die Weißen für Frische und Fruchttiefe: Der Viognier bringt die aromatische Üppigkeit der südfranzösischen Sonne, der Chardonnay — je nach Ausbaustufe — cremige Textur oder klare Mineralität. Die Roten, ob Cabernet Sauvignon, Merlot oder Syrah, sind fruchtbetont und zugänglich, mit sanftem Holzeinsatz. Was alle Flaschen verbindet: Sie erzählen von einem Landstrich, der lange unterschätzt wurde — und heute selbstbewusst zeigt, was Languedoc wirklich kann.