Von 1851 bis heute: Eichstettens ältestes Weingut neu gedacht
Als Friedrich Kiefer 1851 mitten in Eichstetten am Kaiserstuhl ein Weingut gründete, war er von Beruf Lehrer — und kam aus dem Markgräflerland, kannte also die badische Weinkultur noch als Außenstehender. Genau dieser unverstellte Blick prägte den Betrieb von Anfang an. Sein Sohn Fritz übernahm 1886, und das Gut blieb in Familienhand, bis sich 2008 kein direkter Nachfolger mehr fand. Dass das Weingut dennoch nicht in andere Hände oder in die Anonymität eines Konzerns verschwand, verdankt es Martin Schmidt: Der studierte Diplom-Ingenieur für Weinbau und Önologie, Jahrgang Geisenheim, leitete den Betrieb bereits seit 2003 als Betriebsleiter — und übernahm ihn zum 1. Januar 2008 gemeinsam mit seiner Frau Helen, einer Diplom-Ökotrophologin, als Mitinhaber. Mit der Familie zogen sie ins alte Gutshaus in der Ortsmitte von Eichstetten, wo die Geschichte des Hauses bis heute sichtbar geblieben ist.
2013 erweiterten die Schmidts ihr Engagement: Sie übernahmen zusätzlich das ökologische Weingut Schmidt, das Martins Eltern 1987 in Eichstetten gegründet hatten, und führen es seither als eigenständigen Biobetrieb weiter. Zwei Weingüter, eine Familie, ein Ort — der Kaiserstuhl ist für die Schmidts keine Kulisse, sondern Heimat.
Mut zur Klärheit: Weinbau im Naturschutzgebiet, Qualität als Priorität
Der Kaiserstuhl ist kein beliebiges Anbaugebiet. Die Böden wechseln kleinräumig zwischen Vulkanverwitterungsgestein, Löss und Lehm; das Klima zählt zu den wärmsten Deutschlands, mit einer fast mediterranen Sonnenstundenbilanz. Diese Voraussetzungen verlangen präzise Arbeit — und genauso formuliert das Führungsteam seinen Anspruch: Leidenschaft, Nachhaltigkeit, Authentizität und ökologisch-ökonomische Verantwortung. Gemeinsam mit langjährigen Vertragswinzern, von denen viele schon seit Generationen ihre Trauben ans Weingut liefern, werden über 100 Hektar Rebfläche rund um Eichstetten bewirtschaftet. Alle Weinberge liegen im Umkreis weniger Kilometer um die Kellerei in der Lage Eichstetter Herrenbuck — Regionalität nicht als Versprechen, sondern als Tatsache.
Der Kaiserstuhl ist Naturschutzgebiet — auch weil Winzer wie die Schmidts mit ihrem Weinbau aktiv zur Pflege der dortigen Flora und Fauna beitragen. Nachhaltigkeit bedeutet hier konkrete Landschaftsverantwortung: Terrassen, kleinteilige Parzellen, Erhalt der Artenvielfalt. Gleichzeitig wird intensiv in Keller und Weinberg investiert, um Qualität handwerklich zu sichern — ohne dass das am Ende in akademischer Schwere endet.
Burgunder als Kernkompetenz, Cuvées mit Haltung
Das Sortiment von Kiefer spiegelt die Stärken des Kaiserstühls: Grauburgunder, Weißburgunder und Spätburgunder bilden das Rückgrat, ergänzt durch Chardonnay, Auxerrois, Gewürztraminer, Riesling, Sauvignon Blanc und pilzwiderstandsfähige Sorten. Die Einstiegslinie «Freche Kaiserstühler» steht für zugängliche, trinkfreudige Weine mit klarer Fruchtlinie. Die Lagenweine aus dem Herrenbuck — etwa der Chardonnay oder der Grauburgunder Kabinett — zeigen, was der Vulkanboden aus den Burgundertrauben herausholt: Substanz, Textur, Länge. Daneben existiert eine zweite Welt: Cuvées mit erzählenden Namen wie «Mit den Wolken ziehen» oder «Den Tag versüßen», die gezielt ansprechen, was sie im Glas tun — trocken oder lieblich, weiß oder rot, für einen Abend unter der Woche genauso wie für den Tisch mit Gästen. Das 2008 konsequent erneuerte Erscheinungsbild des Weinguts — Motto «Wein / Stil / Performance» — ist kein Marketing-Ornament, sondern Programm: Weine, die ansprechen und überzeugen, ohne zu beeindrucken versuchen.