Von Neumarkt nach Kurtinig: drei Generationen Familie Giovanett
1969 gründete Alfons Giovanett die Kellerei Castelfeder im Ortskern von Neumarkt im Südtiroler Unterland. Giovanett hatte zwischen 1937 und 1940 die renommierte Weinbauschule San Michele all'Adige besucht und danach jahrelang als Önologe gearbeitet — das Fundament eines Betriebs, der von Anfang an auf önologisches Handwerk statt auf bloße Mengenproduktion setzte. Die ursprüngliche Privatkellerei verarbeitete vor allem rote Sorten: Lagrein, Blauburgunder und Vernatsch. Im Jahr 1989 übernahm Sohn Günther Giovanett zusammen mit seiner Frau Alessandra die Leitung und verlegte den Betrieb ins Weindorf Kurtinig an der Weinstraße im südlichsten Zipfel Südtirols — ein Schritt, der das Weingut grundlegend neu ausrichtete. Gleichzeitig lancierte Günther die Premiumlinie Burgum Novum, benannt nach dem mittelalterlichen Namen von Neumarkt. Heute arbeitet die dritte Generation im Betrieb: Ivan Giovanett als Kellermeister und Leiter der Weinbergarbeit, Ines Giovanett im Bereich Vertrieb und Marketing.
Terroir-Treue zwischen Salurn und Bozen
Die Weinberge von Castelfeder erstrecken sich auf rund 65 Hektar von Salurn im Süden bis nach Bozen im Norden. Das Südtiroler Unterland profitiert von einem ausgeprägten Kontinentalklima mit über 300 Sonnentagen im Jahr, kühlen Nächten durch den Talwind und gut drainierten Böden, die von Porphyr, Kalk und lehmigen Anteilen geprägt sind — genau das spiegeln auch die Weinetiketten wider: „Vom Lehm" steht beim Gewürztraminer für den lehmigen Boden, der dieser Sorte besondere Würze verleiht; „Vom Stein" verweist beim Pinot Bianco auf die mineralisch-steinigen Lagen. Die Ernte erfolgt ausschließlich von Hand. Im Keller arbeitet Castelfeder sortenspezifisch: Die leichteren Linien werden in Edelstahl ausgebaut, um Frucht und Präzision zu bewahren, während die Burgum-Novum-Riservas im Holzfass reifen. Seit 2011 bewirtschaftet die Familie zudem den Steilhang-Rieslingberg Sorentberg an der Mosel — eine Referenz an die tiefe Verbundenheit mit dem Thema Terroir über Südtirol hinaus.
Klare Sorten, erkennbarer Stil — vom Pinot Nero bis zum Lagrein
Heute dominieren Weißweine mit rund 70 Prozent der Rebfläche: Chardonnay, Pinot Bianco, Pinot Grigio, Kerner und Gewürztraminer. Die restlichen 30 Prozent entfallen auf Rotsorten, wobei Pinot Nero — im Haus Castelfeder eine Leidenschaft seit Gründungsjahr — klar im Vordergrund steht. Der „Glen" gilt als historisch wichtigste Einzellage des Betriebs, bereits 1969 bepflanzt. Daneben zeigt der Lagrein „Rieder" die Stärke der autochthonen Südtiroler Rotweinsorte: kraftvoll, mit dunkler Frucht und griffigen Tanninen. Das Sortiment gliedert sich in vier Linien: die frischen, unkomplizierten Mont-Mès-Weine, die terroirbetonten Classic-Weine, eine Selection sowie die holzgereiften Burgum-Novum-Riservas. Für den Gambero Rosso erhielt der Chardonnay Kreuzweg Family Reserve Riserva 2021 die höchste Auszeichnung Tre Bicchieri im Jahrgang 2026 — ein Beleg dafür, dass die Investition in präzise Weinbergarbeit und differenzierte Kellerarbeit Früchte trägt.