Von 23 Weinbauern zur Genossenschaft mit Geschichte
Im Jahr 1923 schlossen sich in einem Bauernhof aus dem 16. Jahrhundert in Girlan, einem seit 1085 dokumentierten Weinort oberhalb von Eppan, die ersten Mitglieder zur Kellereigenossenschaft zusammen. Gründungsobmann war Johann Kofler Krautschneider — sein Name steht für den gemeinschaftlichen Impuls, der hinter dieser Gründung steckte: Trauben gemeinsam vinifizieren, Qualität bündeln, Märkte erschließen. Die Anfangsernte der 23 Gründungsmitglieder belief sich auf rund 2.700 Hektoliter. Heute bewirtschaften rund 200 Winzerfamilien etwa 230 Hektar Rebfläche in den besten Lagen des Überetsch und Unterlandes — eine Entwicklung über vier Generationen, die ohne klare Qualitätshaltung nicht möglich gewesen wäre. Bereits 1950 führte die Genossenschaft eine qualitätsabhängige Bezahlung ein, 1961 entstand mit dem Vernatsch Fass Nr. 9 eine erste ikonische Selektion, 1975 folgte der lagebezogene Vernatsch aus der Einzellage Gschleier. Ab 2010 wurde die Kellerei mit moderner Technologie ausgestattet — hinter den historischen Mauern arbeiten heute Pressraum, Gärkeller und ein erweitertes Flaschenlager zusammen.
Terroir als Leitfaden, Kellermeister als Bindeglied
Der Terroir-Gedanke ist bei Girlan kein Marketingbegriff, sondern eine Arbeitsgrundlage. Die Weinberge verteilen sich auf Höhenlagen zwischen rund 400 und 550 Metern über dem Meer, auf Böden aus glazialem Moränenmaterial, porphyrischen Unterlagen sowie kalk- und tonhaltigen Schichten — eine Vielfalt, die erklärt, warum Lesezeitpunkte und Aromaprofil je nach Parzelle deutlich auseinandergehen. Jede Lage wird separat betrachtet, die Lese erfolgt selektiv, die Partien werden im Keller getrennt geführt. Kellermeister Gerhard Kofler — seit 2005 verantwortlich für die Weine — begleitet die Winzer während der gesamten Vegetationsperiode und berät sie direkt im Weinberg. Dieser enge Austausch ist die praktische Grundlage für das, was die Kellerei Nachhaltigkeit nennt: vom Boden bis zum Menschen. Moderne Kellertechnologie setzt Kofler kontrolliert ein, mit dem erklärten Ziel, die Herkunft im Wein erkennbar zu lassen — nicht zu übertünchen.
Die Etiketten der Kellerei tragen eine eigene Geschichte: Hartmut Spitaler, Koflers Vorgänger, bat den Südtiroler Zeichner Paul Flora Mitte der 1970er-Jahre, das erste Etikett für den Gschleier Vernatsch zu gestalten. Flora, der bis zu seinem Tod 2009 zu den bekanntesten Grafikern des deutschsprachigen Raums zählte, übernahm fortan die gesamte Bildsprache der Kellerei — seine Illustrationen sind heute auch bei Sammlern gefragt.
Heimische Rebsorten, klare Linienhierarchie
Das Sortiment der Kellerei Girlan folgt einer klaren Struktur. Im Zentrum stehen die autochthonen Rebsorten der Region: Vernatsch (Schiava), Weißburgunder und Pinot Noir. Ergänzt werden sie durch Chardonnay, Gewürztraminer, Sauvignon Blanc und Lagrein. Die Produktlinien staffeln sich von der klassischen Kellerei-Linie über die Flora-Weine — benannt nach Paul Flora, aus ausgewählten Parzellen — bis zu den Selektionen mit eigenständiger Lagenidentität und hohem Reifepotenzial. Die Linie 448 s.l.m. spielt mit der Höhenlage als Herkunftsbeschreibung und bündelt Cuvées, die die Bandbreite des Sortiments zeigen: Weiß, Rosé und Vernatsch aus einem Guss. Der Trattmann Pinot Noir Riserva wurde für 13 aufeinanderfolgende Jahre mit den „Tre Bicchieri" des Gambero Rosso ausgezeichnet, der Gschleier Alte Reben Vernatsch vom Decanter Magazine als „Italy's Wine of the Year" prämiert. Was du hier im Shop findest, reicht von zugänglichen Weißweinen mit alpiner Frische bis zu strukturierten Rotweinen, die Reifepotenzial mitbringen.