Von der ersten Brennblase zur Pionierrolle in Südtirol
Die Brennerei Psenner geht auf einen einzigen Mann zurück: Ludwig Psenner, geboren 1920 in Tramin an der Weinstraße, dem Dorf am Fuß der Südtiroler Alpen, das der Rebsorte Gewürztraminer ihren Namen gab. Als Autodidakt brachte er sich die Kunst des Destillierens früh selbst bei. 1947, mit 27 Jahren, nahm er seine erste Brennblase in Betrieb und destillierte aus den Weintrestern der nahen Umgebung seinen ersten Grappa. Was als Ein-Mann-Betrieb begann, wuchs schnell über die Region hinaus: 1952 weitete Ludwig Psenner die Produktion auf Obstbrände aus, und Psenner gehörte damit zu den ersten Destillerien Italiens überhaupt, die einen Williams-Christbirnenbrand herstellten — ein Meilenstein, der international Aufmerksamkeit erzeugte. Sein Ansehen als Grappa-Experte war so groß, dass er als einziger Südtiroler Vertreter in Rom an der Entwicklung des Regelwerks für den italienischen Grappa mitwirkte. Heute führt Werner Psenner das Familienunternehmen in zweiter Generation weiter.
Handwerk, Holz und die Geduld des Fasses
Tramin liegt eingebettet zwischen Obstplantagen und Weinhängen südlich von Bozen — eine Lage, die das Rohmaterial für Psennners Destillate direkt vor die Tür liefert. Das Selbstverständnis der Brennerei beruht auf einem klaren Grundsatz: so nah wie möglich an das natürliche Aroma der Frucht heranzukommen und es durch präzises Destillieren einzufangen. Technologische Weiterentwicklung und traditionelles Handwerk schließen sich bei Psenner nicht aus, sondern bedingen einander. Ein zentrales Element der Produktion ist die Fasslagerung: Ausgesuchte Barriquefässer verleihen den Destillaten Tiefe und eigene aromatische Noten, und im Keller reifen derzeit mehr als 800 Fässer. Werner Psenner formuliert es selbst so — ein Fass sei fertig, wenn es fertig ist, nicht wenn ein Termin es verlangt. Diese Haltung prägt das gesamte Sortiment, von fassgereiften Obstbränden bis zum Single Malt Whisky.
Das Wissen von drei Generationen fließt in jede Produktion ein — von der Auswahl der Rohstoffe bis zur Entscheidung, wann ein Brand sein Optimum erreicht hat. Die Brennerei legt dabei Wert darauf, regionale Identität nicht als Marketingversprechen, sondern als handwerkliche Grundlage zu verstehen: Das Obst kommt aus der unmittelbaren Umgebung, das Wasser aus der Region, und auch der eRètico Single Malt Whisky trägt mit seinem Namen Verweis auf die Räter, das antike Volk Südtirols, eine explizit alpine Herkunftsgeschichte.
Grappa, Obstbrand, Whisky — ein Sortiment mit Haltung
Das Spektrum bei Psenner reicht von klassischen Grappas aus Südtiroler Trauben über sortenreine Obstbrände — darunter Williams-Christbirne, Gravenstein-Apfel und Bergmarille — bis zu fassgereiften Riserva-Abfüllungen, die deutlich mehr Zeit im Holz verbringen als der Standard des Marktes. Die Gold-Riserva-Linie steht für maximale Reifedauer und Konzentration. Mit dem eRètico hat Psenner außerdem Italiens ersten Single Malt Whisky auf den Markt gebracht — ein Beweis dafür, dass die Brennerei Traditionserwartungen kennt, aber nicht sklavisch bedient. Ergänzt wird das Kernprogramm durch alpine Liköre wie den Fior d'Alpi und den Holunderblütenlikör Floris, die auf überlieferten Rezepten basieren und zeitgemäß interpretiert werden. Was alle Produkte verbindet: Sie entstehen an einem einzigen Ort, in Tramin, in einer Brennerei, die ihren Anspruch aus der Herkunft des Rohstoffs ableitet — nicht umgekehrt.