Von der Notgemeinschaft zur ältesten Genossenschaft Frankens
Die Geschichte der Winzer Sommerach beginnt mit einer Krise. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts traf der fränkische Weinbau eine Folge von Schlägen: schlechte Witterung, Reblausbefall und ein Weinmarkt, auf dem die Preise so weit gefallen waren, dass viele Betriebe am Rand des Ruins standen. Als Reaktion darauf schlossen sich 1901 – auf Initiative des ehemaligen Bürgermeisters Vinzenz Weickert und des Pfarrers Nagengast – 35 Winzerfamilien im Mainschleifenort Sommerach zur ersten Winzergenossenschaft Frankens zusammen. Ihr Kalkül war pragmatisch: Wer gemeinsam keltert und vermarktet, überlebt, was allein nicht zu stemmen wäre.
Aus diesem Überlebensreflex ist über 120 Jahre ein Gemeinschaftsprojekt geworden, das bis heute trägt. Heute bewirtschaften rund 90 Winzerfamilien insgesamt 196 Hektar Rebfläche auf der Mainschleife. Viele Mitglieder sind Nachfahren der Gründerfamilien – eine generationenübergreifende Kontinuität, die dem Betrieb seine besondere Verwurzelung gibt. 2009 wurde die Genossenschaft zur besten deutschen Winzergenossenschaft gekürt; der Bayerische Staatsehrenpreis für Weinbau wurde ihr mehrfach verliehen, zuletzt 2011.
Jeder Weinberg hat eine Vision – Handwerk, Haltung und FAIR'N GREEN
Das Credo der Genossenschaft lautet: Im Keller lässt sich nichts mehr richten. Was zählt, entscheidet sich im Weinberg – in den kleinen Parzellen, die jede Familie seit Generationen in Eigenregie pflegt. Jedes Mitglied kennt seine Rebstöcke von Kindheit an; die Bewirtschaftung bleibt Familiensache, die Kelterung gemeinsame Sache. Dieses Prinzip – individuelle Verantwortung im Weinberg, kollektive Stärke im Keller – ist kein Marketingversprechen, sondern die organisatorische DNA der Genossenschaft.
Nachhaltigkeit ist dabei kein Zusatz, sondern Bedingung: Alle Weine der Winzer Sommerach tragen das FAIR'N GREEN-Siegel, das ökologische, soziale und unternehmerische Standards zertifiziert. Im Weinberg bedeutet das: kein Glyphosat, kontinuierliche Reduktion von Pflanzenschutzmitteln, gezielte Begrünung zur Förderung der Biodiversität und Rückführung des Traubentrests in den Boden. Im Betrieb erzeugt die Genossenschaft rund 25 % ihres Strombedarfs über Photovoltaik; der restliche Strombedarf wird vollständig aus erneuerbaren Quellen gedeckt. Fossile Primärenergie wird über Klimaschutzprogramme kompensiert.
Muschelkalk, Silvaner, Weltoffenheit – was die Weine auszeichnet
Das Herzstück des Sortiments ist der Sommeracher Katzenkopf – eine Lage mit dokumentierter Weinbaugeschichte seit 1084, als der Bamberger Domprobst Ulrich Weinberge rund um den Katzenkopf an das Kloster Münsterschwarzach übertrug. Die Böden aus Muschelkalk prägen die Weine mit einer salzigen Mineralik und kühler Frucht, die man besonders beim Silvaner und Weißburgunder spürt. Neben dem Katzenkopf liefern der Wiebelsberger Dachs und der Escherndorfer Lump weiteres Rebgut aus charaktervollen Einzellagen.
Das Sortiment spannt einen weiten Bogen: vom straffen, trockenen Sommeracher Katzenkopf Silvaner über die aromatische Scheurebe feinherb bis zum Bacchus halbtrocken. Mit der alkoholfreien Linie Katerfrei – als Stiller und als Frizzante – reagiert die Genossenschaft auf reale Trinkgewohnheiten, ohne Kompromisse beim handwerklichen Anspruch einzugehen. Die Familiengewächse – darunter Grauburgunder, Silvaner Alte Reben und Weißburgunder – sind dabei das klare Bekenntnis zur fränkischen Rebsortenidentität: sortenrein, lagebetont, ohne Ausweichen in internationale Stilistik.