Liebe als Gründungsakt: Carmen Bickel, Reimund Stumpf und der Jahrgang 1976
Das Weingut Bickel-Stumpf entstand 1976, als die damalige Fränkische Weinkönigin Carmen Bickel und der Thüngersheimer Winzermeister Reimund Stumpf heirateten und zugleich ihre beiden Familiengüter zusammenführten. Aus dieser Verbindung wurde mehr als ein gemeinsamer Betrieb: Frickenhausen am Main und Thüngersheim — zwei Dörfer, 35 Kilometer mainaufwärts voneinander, zwei völlig verschiedene Böden — bildeten fortan eine Einheit. Seit 1980 ist das Weingut Mitglied im VDP. Heute arbeiten zwei Generationen Seite an Seite: Carmen und Reimund Stumpf sowie ihr Sohn Matthias, der die Kellerverantwortung übernommen hat und die stilistische Linie konsequent weiterführt.
Handarbeit auf Kalk und Sandstein — ohne Bio-Label, aber mit Überzeugung
Matthias Stumpf formuliert es direkt: Der respektvolle Umgang mit den Ressourcen der Natur sei selbstverständlich — dazu brauche es kein Bio-Zertifikat. Das Weingut ist Mitglied bei Slow Food und setzt sich für eine Landwirtschaft ein, die auf Umwelt, biologische Vielfalt und kulturelle Identität Rücksicht nimmt. In den VDP-Ersten und Großen Lagen wird der Boden teilweise von Hand bearbeitet, die Lese erfolgt ausschließlich per Handlese mit sorgfältiger Selektion der Beeren. Die Vinifikation der höherwertigen Weißweine geschieht im fränkischen Holzfass — schonend und ohne modische Abkürzungen. Auf dem 11,4 Hektar großen Betrieb dominiert mit rund 60 Prozent der Rebfläche der Silvaner; ergänzt wird er durch Riesling, Müller-Thurgau, Spätburgunder sowie Scheurebe und Traminer.
Zwei Terroirs, zwei Charaktere — Silvaner als Familiensprache
Der Schlüssel zum Verständnis der Bickel-Stumpf-Weine liegt im Boden. Am Rand der mittelalterlichen Stadtmauer von Frickenhausen fällt die Lage Mönchshof als karger Muschelkalk-Steilhang direkt zum Main ab — ein Wasserschutzgebiet, dessen über 200 Millionen Jahre altes Terroir den Silvanern einen cremigen Schmelz, Körper und burgundische Eleganz gibt. Das Große Gewächs aus dem Mönchshof ist der Stolz des Hauses. Im Thüngersheimer Johannisberg hingegen, in einem kleinen Seitengraben namens Rothlauf, drängt roter Buntsandstein an die Oberfläche: Die Weine dieser ebenfalls als VDP.Grosse Lage klassifizierten Parzelle fallen filigran, geradlinig und mineralisch aus, mit einer Länge, die im Gedächtnis bleibt. Dazu kommt der Frickenhäuser Kapellenberg als VDP.Erste Lage sowie ein flaschenvergorener Crémant aus der Kapellenberglage — ein handwerklicher Perlwein, der zeigt, dass die Bickel-Stumpfs die Leichtigkeit des Savoir-vivre durchaus zu schätzen wissen. Alle Weine, vom Ortswein bis zum Großen Gewächs, werden fränkisch trocken ausgebaut — unter vier Gramm Restzucker, weil es für Silvaner auf diesem Niveau schlicht sinnvoll ist.