Vom Großvaters Weinberg zur modernen Kellerei in Crecchio
Der Weinbau der Familie Ulisse reicht bis in die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts zurück, als Großvater Don Antonio in Crecchio — einem Hügeldorf südöstlich von Chieti in den Abruzzen — die ersten Rebstöcke pflanzte. Was damals für den lokalen Verkauf gedacht war, legte das Fundament für alles, was folgte. 2006 gründeten die Brüder Antonio und Luigi Ulisse die Tenuta Ulisse als eigenständiges Weingut, übernahmen die geerbten Lagen und begannen, daraus ein ernsthaftes Qualitätsprojekt zu formen. Die ersten 36.000 Flaschen des Jahrgangs 2006 kamen 2007 auf den Markt — und stießen sofort auf Resonanz. Was als Familieninitiative startete, ist heute einer der prägnantesten Betriebe der abruzzesischen Weinszene.
Kälteschock, Handlese und ein Schloss als Reifekeller
Das Herzstück der Arbeit in der Tenuta Ulisse ist die sogenannte Ulisse-Methode: Inspiriert vom Eiswein, werden die geernteten Trauben unmittelbar nach der Lese kryogen behandelt. Die schnelle Abkühlung unter kontrollierten Bedingungen soll die aromatische Integrität der Beeren erhalten und die Aromen direkt in den Wein übertragen. Ergänzt wird dieses Verfahren durch selektive Handlese in kleinen Gebinden, gekühlten Transport und eine präzise Selektion im Keller. Ein bemerkenswertes Detail: Ein Teil der Barriques reift im historischen Castello Ducale von Crecchio, einer mittelalterlichen Burg, die während des Zweiten Weltkriegs als Zufluchtsort der italienischen Königsfamilie diente und heute ein Museum beherbergt. Die 55 Hektar Weinberge verteilen sich auf unterschiedliche Lagen — rund um Crecchio und Lanciano im Landesinneren sowie um Ortona an der Adriaküste. Kalk- und Lehmböden mit tuffhaltigem Untergrund, Meereseinfluss und die Kühlung durch Apennin-Winde sorgen für langsame, gleichmäßige Reife.
Autochthone Sorten, strukturierte Rotweine, aromatische Weißweine
Das Sortiment konzentriert sich auf die klassischen Rebsorten der Abruzzen: Montepulciano d'Abruzzo bildet das Rückgrat der roten Linie — kräftig, mit dunkler Frucht, Würze und festen Tanninen, die bei längerer Reife Tiefe gewinnen. Der Amaranta ist der bekannteste Vertreter dieser Kategorie, auch als 1,5-Liter-Magnum erhältlich. Daneben stehen Weißweine aus Pecorino, Trebbiano d'Abruzzo, Passerina und der seltenen Cococciola — frisch, aromatisch, mit lebendiger Säure. Eine besondere Rarität ist der DIECI VENDEMMIE, eine Assemblage aus zehn verschiedenen Jahrgängen des Montepulciano d'Abruzzo, die die vertikale Tiefe der Lagen dokumentiert. Mit dem MASSERI Primitivo zeigt das Weingut, dass auch internationale Rebsorten in den Abruzzen überzeugend reifen können. Das Pferd im Logo — entworfen vom italienischen Künstler Gino Masciarelli — steht programmatisch für den Anspruch des Hauses: Bewegung, Energie und regionale Verankerung in einem.