Von Chieti in die Welt: 170 Jahre Familiengeschichte im Zeichen des Espresso
1856 begann Clemente Saquella in den Abruzzen mit dem Handel von Kolonialwaren — Tee, Kakao, Gewürze, die er auf dem Weg zwischen Chieti und Neapel zusammenkaufte und im Lager seines Bruders Antonio weiterverkaufte. Kaffee war damals nur eine Position unter vielen. Doch schon in der dritten Generation, mit Arnaldo Saquella und seinen Brüdern Mario und Giovanni, rückte der Espresso ins Zentrum des Geschäfts. Nach dem Zweiten Weltkrieg, 1945, investierte Arnaldo in die erste eigene Röstanlage und legte damit den Grundstein für das heutige Werk in Pescara. Die vierte Generation baute das Exportgeschäft konsequent aus — zunächst in Richtung Kanada, wo eine starke abruzzesische Einwanderergemeinschaft auf den vertrauten Kaffee wartete, dann nach Deutschland und Großbritannien. 1996 trat die fünfte Generation an: Ilaria, Bianca und später Arnaldo, die Kinder von Enrico Saquella, übernahmen Verantwortung für Marketing, Einkauf und Export. 1999 firmierte das Unternehmen zur Saquella 1856 S.r.l. um — das Gründungsjahr als Teil des Namens, Programm und Versprechen zugleich. 2025 erkannte der italienische Staat die Marke als Marchio storico di interesse nazionale an, als historische Marke von nationalem Interesse.
Rohstoffauswahl, Rösthandwerk und die Rezepte, die die Familie hütet
Im Werk in Pescara, das auf rund 11.000 Quadratmetern Gesamtfläche betrieben wird, läuft die gesamte Produktion inhouse: Mischung, Röstung, Verpackung. Mehr als 20 Sorten Rohkaffee aus unterschiedlichen Anbauländern stehen zur Verfügung — von brasilianischem Santos über indische Anbaugebiete bis zu Ursprüngen in Zentralafrika und Mittelamerika. Arabica und Robusta werden je nach Blend-Ziel unterschiedlich kombiniert; die genauen Mischverhältnisse gelten als Familiengeheimnis, das ausschließlich innerhalb der Familie weitergegeben wird. Geröstet wird im Trommelverfahren, das schonend und gleichmäßig arbeitet. Nach der Röstung ruht der Kaffee nach eigenen Angaben vier Wochen in Stahlbehältern, bevor er abgepackt wird — ein Schritt, der die Aromen stabilisiert und die CO₂-Ausgasung kontrolliert. Seit 2013 ist Saquella Fairtrade-zertifiziert und unterstützt damit Kaffeebauern in Entwicklungsländern nach festgelegten Sozial- und Umweltstandards. ISO-9001-Zertifizierung besteht seit dem Jahr 2000.
Bar Italia und mehr: ein Sortiment für den Heimbarista
Das Kernsortiment für Endverbraucher gliedert sich in zwei Linien. Die Bar Italia-Serie richtet sich an alle, die zuhause Espresso auf Café-Niveau aufbrühen wollen: Der Gran Crema bringt Bohnen aus Brasilien, Indien und Zentralafrika zusammen — vollmundig, mit stabiler Crema und einem leichten Schokoladenton im Abgang. Der Gran Gusto folgt einem ähnlichen Profil, etwas süßer und mit längerem Nachklang. Die Extra Crema-Variante betont, wie der Name sagt, die Cremadichte. Daneben steht das 100-%-Arabica-Sortiment für alle, die Robusta meiden und einen weicheren, fruchtbetonten Espresso bevorzugen. Die klassische Linie — darunter das Espresso Oro — ist auf die Zubereitung in der Mokakanne oder der manuellen Siebträgermaschine abgestimmt. Ergänzt wird das Angebot durch Bar Italia Chocolate, eine Trinkschokolade, die denselben Qualitätsanspruch auf ein zweites heißes Getränk überträgt. Heute ist Saquella in über 40 Ländern präsent, betreibt Tochtergesellschaften in Deutschland und Großbritannien — und röst nach wie vor ausschließlich in den Abruzzen.