Von der Mailänder Architektin zur Pionierin des Südtiroler Weinbaus
Die Geschichte des Weinguts Elena Walch beginnt mit einem Zufall und endet als eine der bedeutendsten Winzer-Biografien Italiens. 1985 heiratet die in Mailand aufgewachsene und in Venedig ausgebildete Architektin Elena Schenk den Südtiroler Winzer Werner Walch und zieht nach Tramin an der Weinstraße – in eine Gegend, die sie selbst als „Schneewittchenlandschaft" beschreibt. Mit dem Weinbau vertraut war sie bis dahin kaum. Doch statt sich mit einer Nebenrolle zu begnügen, übernimmt sie das Ruder: Ab 1989 tritt sie mit einer eigenen Weinlinie auf dem Markt auf und wird damit zur ersten Frau, die sich offen an die Spitze der Südtiroler Weinwirtschaft wagt. Heute führen ihre Töchter Julia und Karoline das Gut in fünfter Generation weiter – beide mit internationaler Erfahrung auf Weingütern in Bordeaux und Australien.
Konsequente Umkrempelung: Guyot statt Pergola, Terroir statt Tradition
Was Elena Walch ab Mitte der 1980er-Jahre in den beiden Cru-Lagen Castel Ringberg und Kastelaz anstellt, gilt vielen Kollegen zunächst als Provokation. Die traditionelle Vernatsch-Bepflanzung auf Pergola-Erziehung weicht Schritt für Stück dem Guyot-Schnitt im Drahtrahmen – und statt der heimischen Sorte kommen Chardonnay, Sauvignon Blanc, Cabernet Sauvignon und Merlot in den Boden. Das Ziel: geringere Erträge, gesünderes Lesegut, präzisere Sortenstilistik. Die Vigna Castel Ringberg liegt oberhalb des Kalterer Sees auf rund 400 Metern; lehmhaltige Sandböden und das durch den See geprägte Mikroklima mit warmen Tagen und kühlen Nächten geben den Weinen Struktur und Tiefgang. Die Vigna Kastelaz ist ein südexponierter Steilhang auf Kalksteinböden oberhalb von Tramin auf 360 Metern – traditionell dem Gewürztraminer vorbehalten, der hier seine namensgebende Heimat hat. Beide Lagen tragen offiziell das staatlich anerkannte Prädikat „Vigna", das die Herkunft der Einzellagenweine garantiert. Nachhaltigkeit durchzieht die gesamte Produktionskette: kein Herbizideinsatz, sanfte Bodenbearbeitung, Förderung der Biodiversität. Als Antwort auf den Klimawandel bewirtschaftet das Gut inzwischen mehr als 15 Hektar Weinberge auf über 600 Metern Höhe – vor allem für Weißburgunder und Blauburgunder.
Alpiner Ausdruck, klare Handschrift: das Sortiment zwischen Frische und Kraft
Auf insgesamt 60 Hektar – verteilt über eine Höhenspanne von knapp 800 Metern – entsteht ein Sortiment, das die klimatische und geologische Vielfalt Südtirols abbildet. Die Weißweine zeigen frische Säurestruktur, präzise Frucht und alpinen Zug; die Roten – allen voran der Lagrein Riserva Castel Ringberg – verbinden Konzentration und Samtigkeit, was Elena Walch selbst mit dem Bild von „Tigern auf Samtpfoten" beschreibt. Gezielter, aber nie überwältigender Holzeinsatz im Keller sorgt für Tiefe ohne Opulenz. Im Vinoscout-Sortiment findest du neben dem Cardellino Chardonnay und der Chardonnay Selezione auch den Pinot Grigio der Vigna Castel Ringberg – Einzellagenwein aus dem seegekrühlten Mikroklima oberhalb von Kaltern – sowie Lagrein Riserva, Merlot, Pinot Bianco und Pinot Grigio aus der Selezione-Linie. Das internationale Renommee ist belegt: Der Gewürztraminer Vigna Kastelaz 2023 wurde vom Wine Spectator in die Top 100 Wines of 2024 aufgenommen; im März 2026 erschien das Weingut als erstes Südtiroler Haus auf dem Titelblatt des Wine Spectator.