Von sieben Rebzeilen zur sardischen Weinikone
Als Antonio Argiolas 1938 in Serdiana — einem kleinen Ort rund 20 Kilometer nördlich von Cagliari — die ersten Weinberge seines Vaters übernahm, waren es gerade einmal sieben Acres Reben. Zu einer Zeit, in der sardischer Wein fast ausschließlich als Verschnittwein auf das Festland geschickt wurde, setzte Antonio auf Qualität statt Menge: Er vergrößerte seinen Besitz beharrlich, selektierte Rebsorten mit Bedacht und war damit der erste Produzent der Insel, der den Schritt zur modernen Weinbereitung vollzog. Antonio Argiolas, 1906 geboren und 2009 im Alter von 102 Jahren gestorben, hat die sardische Weinkultur grundlegend mitgeprägt.
Seine Söhne Franco und Giuseppe führten das Weingut in zweiter Generation weiter und legten den Grundstein für den internationalen Durchbruch: Gemeinsam mit dem legendären Önologen Giacomo Tachis entwickelten sie in den 1980er-Jahren die Prestige-Linie des Weinguts — darunter der Turriga, dessen erster Jahrgang 1988 geerntet und 1991 erstmals abgefüllt wurde. Heute verantworten Antonios Enkelkinder Valentina, Francesca und Antonio das Gut — mit demselben Anspruch, den der Patriarch einst formuliert hatte.
Autochthone Rebsorten, integrierter Anbau, zwei Terroirs
Die Weinberge von Argiolas verteilen sich auf rund 250 Hektar in zwei voneinander klar verschiedenen Lagen: in den Trexenta-Hügeln östlich von Cagliari sowie im Sulcis an der Südwestküste bei Porto Pino. Die Böden wechseln zwischen kalkhaltigem Lehm und Sand, die Lagen liegen zwischen 250 und 350 Metern Höhe — mediterranes Klima, beständiger Wind, intensive Sonneneinstrahlung. Angebaut werden ausschließlich einheimische sardische Rebsorten: Cannonau, Vermentino, Carignano, Monica, Bovale Sardo, Nuragus und Nasco, darunter viele, die andernorts fast verschwunden sind. Ein eigener Versuchsweinberg dient der Erhaltung und Erforschung dieser autochthonen Sorten.
Im Keller arbeitet Mariano Murru, einst Schüler von Giacomo Tachis und heute technischer Direktor des Weinguts. Die Prestige-Weine reifen in französischen Barriques und werden unter der IGT Isola dei Nuraghi klassifiziert — eine bewusste Entscheidung, die mehr Freiheit bei Rebsortenkomposition und Ausbau lässt, als es die engen DOC-Regeln erlauben würden. Im Weinberg setzt Argiolas seit mehr als zwei Jahrzehnten auf integrierten Anbau: minimierter Einsatz chemischer Synthesemittel, gezieltes Wassermanagement und der schrittweise Umstieg auf erneuerbare Energien.
Zwei Linien, ein Anspruch — von frisch bis reifefähig
Das Sortiment gliedert sich in eine klassische und eine Prestige-Linie. Die klassischen Weine unter verschiedenen DOC-Bezeichnungen — Cannonau di Sardegna, Vermentino di Sardegna, Monica di Sardegna, Nuragus di Cagliari, Carignano del Sulcis — stehen für trinkfreudige, charakterstarke Alltagsweine mit mediterranem Profil: sonnengereiftes Fruit, frische Säure, würzige Kräuternoten. Die Prestige-Linie unter dem IGT Isola dei Nuraghi setzt andere Maßstäbe: Der Turriga — eine Cannonau-dominierte Cuvée mit Malvasia Nera, Carignano und Bovale Sardo, 18 bis 24 Monate in französischen Barriques gereift — wird regelmäßig mit drei Gläsern im Gambero Rosso ausgezeichnet und zählt zu den bekanntesten Rotweinen Italiens. Daneben steht der Korem aus Bovale Sardo als weiterer Vertreter der Prestige-Linie. Das Ziel, das Valentina Argiolas für ihr Weingut formuliert, ist dabei unverändert geblieben: sardische Rebsorten, die man fast vergessen hatte, mit einem Stil zu zeigen, der weltweit zu Tisch passt.