Vom Bienenstock zur Destillerie: die Gründungsgeschichte am Monte Liuru
Paolo Melis und Enrico Diana lernten sich in einem Imkerkurs in Cagliari kennen — zwei junge Männer mit gemeinsamer Leidenschaft für die sardische Landschaft und ihre Bienen. In den 1980er-Jahren suchten sie die Provinz Cagliari nach dem richtigen Fleck für ihre Imkerei ab, bis sie bei Muravera im Sarrabus fündig wurden: 7 Hektar wilden Macchialands am Fuß des Monte Liuru, damals kaum zugänglich, duftend nach Myrte, Mastix und Zistrosen. Das Land kauften sie und bauten dort die Basis auf, die bis heute Sitz des Unternehmens geblieben ist. Den Namen wählten sie aus dem Sardischen: Bresca bedeutet Honigwabe, Dorada steht für die goldene Farbe des Honigs. Die Imkerei wuchs, die ersten Produkte — Honig und weitere Bienenprodukte — fanden Abnehmer. Dann kam der Wendepunkt: Im kleinen Agriturismo, den die beiden nebenher betrieben, servierten sie ihren Gästen nach dem Abendessen hausgemachten Mirto. Der Digestif wurde zum Abendgespräch, Gäste fragten nach Flaschen zum Mitnehmen, und 1990 entstand die Idee, das Mirtolikör in Serie zu produzieren — ohne dabei die handwerkliche Qualität aufzugeben, die den Likör so beliebt gemacht hatte.
Macchia, Biozertifizierung und der Respekt vor dem, was die Insel gibt
Das Tal bei Cann'è Frau, rund 20 Kilometer von Muravera entfernt, liegt zwischen dem Tyrrhenischen Meer und den bewaldeten Hängen der Sette Fratelli. Auf den 6,5 Hektar des Betriebs wachsen wilde Myrte, Mastix, Zistrosen und Erdbeerbäume — die Macchia macht etwa 30 Prozent der Ernte aus. Dazu kommen 300 Olivenbäume, Quittenpflanzungen sowie Hecken aus Heil- und Aromapflanzen. Die Flumendosa-Ebene in der Tiefe des Tals sorgt für besonders fruchtbare Böden: Jahrzehntelange Überschwemmungen haben eine bis zu einen Meter mächtige Schlickschicht hinterlassen, die die Zitrusfrüchte der Region so aromatisch macht. Seit 2013 ist Bresca Dorada für seine Liköre und Konfitüren biozertifiziert. Für Paolo und Enrico ist das keine Marketingentscheidung, sondern logische Konsequenz ihrer Haltung: Nur ernten, was die Natur im Überfluss hervorbringt, und dabei in Symbiose mit ihr arbeiten — das haben sie, wie sie selbst sagen, von den Bienen gelernt.
Die Myrtenbeeren für den Mirto Rosso werden von Hand gelesen, überwiegend von Wildpflanzen im Landesinneren. Die Ernte findet zwischen November und Januar statt; anschließend mazerieren die Beeren mindestens drei Monate in reinem Alkohol, bevor die Infusion mit Wasser, Zucker und einem Anteil sardischen Honigs — bis zu 10 Prozent des Süßungsmittels — abgerundet wird. Für den Mirto Verde werden frische Myrtenblätter und -blüten aus dem Sette-Fratelli-Gebiet unmittelbar nach der Ernte in Alkohol eingelegt, da die aromatischen Verbindungen der Blätter schnell verfliegen. Auch hier: nur Zucker, Honig und Wasser als Zusätze.
Mirto, Limoncino und mehr: was Bresca Dorada ins Glas bringt
Der Mirto Rosso di Sardegna ist das Herzstück des Sortiments — tief rubinfarben, mit einem Bukett aus wilden Beeren, Mediterrankräutern und einem balsamisch-würzigen Abgang. Daneben steht der Mirto Verde, der mit seiner hellgrünen Farbe und dem herb-frischen Profil aus Myrtenblättern und -blüten einen selteneren, mineralischeren Charakter zeigt. Aus den Zitrusgärten rund um Muravera stammen Liköre wie der Limoncino, der Aràngiu (Orange) und ein Mandarinen-Likör — allesamt Extrakte aus Schalen lokaler Erzeuger, ohne künstliche Zusätze. Komplexer ist der Mirtamaro, eine Kräuterinfusion aus wilden Pflanzen der Gennargentu-Berge und der Ostküste Sardiniens, gemischt mit frischen Myrtensprossen und reifen Beeren. Das Sortiment reicht zudem bis zu einem Vermouth auf Basis der einheimischen Rebsorten Nasco und Malvasia del Capo, aromatisiert mit Wildkräutern, sowie einem Gin und einem Amaro — alles aus regionalen Zutaten, alles handwerklich hergestellt in einer Anlage, die nach ökologischen Baustandards konzipiert wurde. Bresca Dorada versteht jede Flasche als Stück Sardinien: die Macchia, das Licht des Ostens, die Flussebene von Muravera — kondensiert in Alkohol.