Wo Sassicaia auf Sardinien trifft: die Gründungsgeschichte von Agricola Punica
Im August 2002 schlossen sich vier Namen zusammen, die unterschiedlicher kaum hätten sein können – und schufen damit eines der spannendsten Weingutprojekte Italiens. Die Tenuta San Guido (Sassicaia) aus dem toskanischen Bolgheri, die Cantina di Santadi mit ihrem Präsidenten Antonello Pilloni sowie die Önologen Giacomo Tachis und Sebastiano Rosa gründeten Agricola Punica als Joint Venture im Südwesten Sardiniens. Das verbindende Element war Tachis selbst: Der Mann, dem man den Sassicaia zu verdanken hat und den viele als Vater der modernen italienischen Önologie bezeichnen, war bereits seit Mitte der 1980er Jahre als Berater für die Cantina di Santadi tätig – und überzeugt davon, dass die Trauben des Sulcis Weltklasse-Potenzial besitzen.
Das Gemeinschaftsunternehmen erwarb zwei Landgüter im Basso Sulcis: das Gut Barrua nahe Santadi, bereits mit Reben bepflanzt, und das größere Narcao – zusammen rund 170 Hektar. Schon der erste Jahrgang bestätigte die Überzeugung der Gründer. Als der Barrua 2005 auf den Markt kam, wurde er prompt zur Neuentdeckung des Jahres gekürt.
Karger Boden, konstanter Wind: Philosophie zwischen Weinberg und Keller
Die Lage im Basso Sulcis prägt jeden Wein von Punica grundlegend. Die Böden sind sandig-lehmig und kalkhaltig; der stetige Meereswind reguliert die Temperaturen, reduziert den Krankheitsdruck und sorgt für gesunde, langsam reifende Trauben mit konzentrierter Aromatik. Die intensive sardische Sonne und die extreme Lichtstärke im Südwesten der Insel ermöglichen Reifekurven, die anderswo kaum zu erreichen wären.
Im Weinberg arbeitet Punica mit Cordon-Erziehung; die Lese erfolgt von Hand – beim Weißwein Samas bereits im ersten Tageslicht, um die sortentypischen Aromen zu schützen. Im Keller wird beim Samas kryogen vinifiziert, also unter kontrollierten Tieftemperaturen und Ausschluss von Sauerstoff. Die Rotweine werden sortenrein ausgebaut und erst nach der Vergärung zur endgültigen Cuvée vereint – ein Ansatz, der die Herkunft jeder Einzelsorte bewahrt.
Carignano als Leitfaden: Barrua, Montessu und Samas
Alle drei Weine tragen die Bezeichnung IGT Isola dei Nuraghi und stellen die autochthone Sorte Carignano del Sulcis in den Mittelpunkt. Der Barrua ist das Flaggschiff: eine Cuvée aus Carignano, ergänzt durch kleine Anteile Cabernet Sauvignon und Merlot. Im Glas intensives Rubinrot, Aromen von Schwarzkirsche, Gewürzen, Lakritz und einem Hauch Myrte – der Gaumen zeigt Volumen mit weichen Tanninen und einem salzigen Nachhall. Der Montessu fußt auf 60 % Carignano, dem weitere Bordeaux-Sorten und Syrah zur Seite stehen; fruchtig, zugänglich, mit demselben charakteristischen Lakritz-Abgang. Der Samas schließlich bringt das weiße Gesicht des Sulcis: Vermentino und Chardonnay, aus den sandigen und kalkhaltigen Böden beider Güter, mit frischer Säure und einer Aromatik, die die Meernähe spürbar macht. Zusammen zeigen die drei Weine, was möglich ist, wenn Pioniergeist, sardische Rebsortengeschichte und erprobtes önologisches Handwerk an einem Ort zusammentreffen.