Seit 1870 in fünfter Generation: wie Torres den spanischen Weinbau geprägt hat
Familia Torres zählt zu den einflussreichsten Weinbauern Spaniens – und die Geschichte beginnt früher, als viele vermuten. Die Familie war bereits seit dem 16. Jahrhundert im Weinbau des Penedès verwurzelt, ehe die Brüder Jaime und Miguel Torres Vendrell 1870 ihre erste Bodega in Vilafranca del Penedès eröffneten – direkt gegenüber dem neu eröffneten Bahnhof, der die Region erstmals mit dem Hafen Barcelona verband. Was als kaufmännisches Wagnis begann, ist heute ein Familienunternehmen in fünfter Generation mit Weinbergen in mehreren spanischen Appellationen sowie in Chile und Kalifornien. Der Stammsitz liegt in Pacs del Penedès; von hier aus werden Weine in über 150 Länder verschickt. Wegweisend für die Modernisierung war Miguel A. Torres, der in den 1960er-Jahren als erster spanischer Winzer überhaupt Edelstahltanks für die Gärung und eine Drahtrahmenerziehung im Weinberg einführte. Sein Großvater hatte zuvor als erster Kellermeister Kataloniens Stillweine in Flaschen abgefüllt – Pionierarbeit, die Torres früh von der Konkurrenz abhob. Heute leiten die Geschwister Miguel Torres Maczassek und Mireia Torres die Geschicke des Unternehmens.
Torres & Earth: Klimaschutz als Betriebsprinzip, nicht als Marketingversprechen
Der Klimawandel ist bei Torres kein Randthema: 2008 startete Miguel A. Torres das Programm Torres & Earth, nachdem er Al Gores Dokumentarfilm gesehen und gleichzeitig veränderte Reifezyklen in den eigenen Weinbergen beobachtet hatte. Seitdem fließen Millionen in konkrete Maßnahmen. Alle Weinberge in Spanien werden ökologisch bewirtschaftet; über 600 Hektar folgen zusätzlich den Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft – einem Ansatz, der über Bio-Anbau hinausgeht und aktiv Bodenqualität, Biodiversität und CO₂-Speicherung durch Begrünung fördert. Das Ziel ist Netto-Null-Emissionen bis 2040. Im Weinkeller wird das bei der Gärung entstehende CO₂ aufgefangen und als Schutzgas für die Weine in den Tanks weiterverwendet; erneuerbare Energien decken rund 50 % des Stromverbrauchs im Penedès-Keller. Um den Folgen steigender Temperaturen zu begegnen, legt Torres gezielt neue Lagen in höheren Lagen an – darunter ein Testweinberg auf 1.250 Meter Höhe in den aragonesischen Pyrenäen. Torres ist Gründungsmitglied von International Wineries for Climate Action und der Regenerativen Weinbau-Vereinigung sowie Mitglied der Primum Familiae Vini, dem Zusammenschluss renommierter familiengeführter Weingüter weltweit.
Vom Penedès bis in die Anden: Rebsorten, Regionen, Weincharakter
Das Sortiment von Familia Torres spiegelt die geografische Breite des Unternehmens wider. Im Penedès setzt Torres auf die katalanischen Sorten Parellada, Xarel·lo und Macabeo für frische Weißweine, ergänzt durch internationale Sorten wie Chardonnay und Sauvignon Blanc. Für Rotweine stehen Tempranillo, Garnacha, Cariñena und Cabernet Sauvignon im Vordergrund; hinzu kommen wiederentdeckte autochthone Sorten, mit denen das Weingut aktiv Rebsortenpflege betreibt. Die Spitzenweine – darunter der Gran Coronas Cabernet Sauvignon und der Fransola aus dem Penedès – reifen in der Bodega Waltraud in Pacs del Penedès, einem Keller des Architekten Javier Barba mit ideal temperierten Kellern für Fass- und Flaschenreife. Über Katalonien hinaus kommen Weine aus den Appellationen Rioja, Ribera del Duero und Rías Baixas sowie aus dem Maipo Valley und dem Limarí Valley in Chile. Was diese Weine verbindet: ein klares Herkunftsprofil, das durch die regionalen Böden und die spezifischen Mikroklimazonen geprägt wird – ob die schiefer- und kalksteinreichen Hügel des Penedès, die kühlen Hochlagen des Limarí Valley oder die temperaturgepufferten Lagen Riberas del Duero. Das Trinkfenster variiert je nach Wein stark: die Eingangsweine sind jung und fruchtbetont, die Reserva- und Crianza-Linien legen mit einigen Jahren Kellerlagerung an Komplexität zu.