Von der Finca Can Petit zum Haus González Byass: Vilarnaus langer Weg
Die Wurzeln von Caves Vilarnau reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, als die Familie Vilarnau auf der Finca Can Petit in Espiells, nahe Sant Sadurní d'Anoia, erstmals Reben pflanzte. Der Name selbst leitet sich von einem mittelalterlichen Landgut — einer Vila Arnau — am Ufer des Flusses Anoia ab. Als kommerzielles Weingut nahm Vilarnau 1949 Gestalt an, als die Familie Cuscó die ersten Cava-Flaschen unter eigenem Label vermarktete: Trauben von eben jenen Lagen, die seit Generationen bebaut wurden. 1982 übernahm die andalusische Gruppe González Byass — bekannt für Tío Pepe Sherry aus Jerez de la Frontera — das Haus und gab ihm die Mittel, die nächste Entwicklungsstufe zu gehen. 1990 wurden die heutigen Weinberge erworben; 2005 eröffnete auf dem höchsten Punkt von Espiells, 200 Meter über dem Meeresspiegel, ein eigens errichtetes, modernes Kellereigebäude — konzipiert vom Architekten Luis González, dessen geradlinige Architektur sich bewusst in die umgebende Weinlandschaft einfügt.
Biodynamik, Biomasse und der Blick auf Montserrat: Vilarnaus Arbeitsweise
Caves Vilarnau bewirtschaftet heute rund 20 Hektar eigene Weinberge auf alluvialen Böden mit Kalk- und Tonschichten. Die Lage auf dem Espiells-Hügel — mit Blick auf das Massiv Montserrat und die katalanische Küstenkordillere — sorgt für kühlere Nächte und eine langsamere Traubenreife, was die natürliche Säurestruktur der Basisweine begünstigt. Seit 2016 sind alle Rebflächen offiziell ökologisch zertifiziert; als Dünger kommen ausschließlich zertifizierte Biokomposte zum Einsatz, das Spalierwerk aus unbehandelten Kastanienpfählen. Die Weinberge werden außerdem mit Regenwasser bewässert, das in einem künstlichen See rund um das Kellergebäude gesammelt wird; Energie liefert eine Biomassheizung, die Korken und Rebschnitt als Brennstoff nutzt. Im Keller arbeitet Kellermeisterin Eva Plazas Torné, die dem Haus seit 1996 verbunden ist, konsequent mit Kaltvinifikation: Die Trauben werden nach der Handlese sofort gekühlt, der Most nie filtriert, sondern kalt und statisch geklärt. Die erste Gärung läuft 30 Tage bei 15 °C; die zweite Gärung — das Herzstück jedes Cavas — findet ausschließlich in der Flasche statt. Vilarnau hält dafür eine eigene Hefestammsammlung vor und strebt eine minimale Dosage an, um die fruchtigen und floralen Primäraromen zu schützen.
Katalanische Klassiker trifft modernes Handwerk: das Sortiment
Das Sortiment dreht sich konsequent um die drei klassischen Cava-Rebsorten: Macabeo, Xarel·lo und Parellada — vinifiziert stets als Einzellagen-Basiswein, bevor der Coupage entsteht. Ergänzt wird die Palette durch Chardonnay und Pinot Noir, die in den Rosado- und Vintage-Linien Verwendung finden. Der Stilansatz zieht sich durch alle Etagen: fruchtbetonter Primärcharakter, dezente Hefen-Brioche-Noten aus der Flaschengärung und ein trockener, präziser Abgang. Das Reserva Organic — mindestens 15 Monate Flaschenlager — zählt zu den meistausgezeichneten Weinen des Hauses; der Vilarnau Rosé Brut Reserva Organic gewann 2021 den spanischen Staatspreis Alimentos de España als bester Wein des Landes. Neben den klassischen Stillweinen umfasst das Angebot auch alkoholfreie Cava-Alternativen in Brut und Brut Rosado — hergestellt nach denselben Vinifikationsstandards wie die Schwesterweine. Caves Vilarnau trägt zudem das Zertifikat Wineries for Climate Protection der Federación Española del Vino — als bislang erste Cava-Kellerei überhaupt.