Vom Penedès nach Montsant: Albert Janés Weg zu den alten Reben
Acústic Celler ist das persönliche Projekt von Albert Jané, der aus einer Winzerfamilie des Penedès stammt. Seine Familie betreibt dort seit Generationen das Weingut Jané Ventura, das für traditionellen Cava und katalanische Rebsorten bekannt ist. Doch Albert zog es in eine rauere, weniger bekannte Landschaft: 2003 entdeckte er die alten Garnacha- und Carinyena-Weinberge im Montsant — und kaufte kurzerhand sein erstes Parzellenstück, 1,5 Hektar Garnacha mit Rebstöcken aus dem Jahr 1932. Aus diesem Anfang wurde ein konsequent aufgebautes Weingut, das seinen Sitz heute in Marçà hat, eingebettet zwischen der Mola und der Serra de Llaberia im südlichen Teil der Region.
Statt zuerst einen Keller zu bauen, konzentrierte sich Albert Jané systematisch auf den Erwerb alter Rebparzellen. Die erste Lese 2004 fand noch in einem kleinen Lager im Dorfzentrum von Els Guiamets statt. 2010 folgte der Umzug nach Marçà, und 2021 wurde auf der Finca l'Hostal am Ortsrand schließlich ein neuer, in die Landschaft integrierter Keller fertiggestellt — nachhaltig gebaut, mit natürlichen Dämmmaterialien und ganzjähriger Klimatisierung.
Akustisch statt elektrisch: Weinbau ohne Verstärker
Der Name ist Programm. Acústic steht für Weinbau ohne technische Überformung — so wie Musik ohne Verstärker direkter und ehrlicher klingt. Albert Janés Überzeugung: Sein Job ist es, die Weinberge zu pflegen; die Weine entstehen dort, nicht im Keller. Alle Flächen werden biologisch bewirtschaftet. Internationale Rebsorten sucht man hier vergeblich — das Weingut arbeitet ausschließlich mit einheimischen Varietäten: Garnatxa Negra, Garnatxa Peluda, Carinyena, Macabeu und Pansal.
Heute bewirtschaftet Acústic Celler rund 54 Hektar Weinberge (davon 42 Hektar im Eigenbesitz), verteilt auf Lagen zwischen 300 und 700 Metern Höhe in Els Guiamets, Marçà, Capçanes, La Serra d'Almos, Cornudella del Montsant und El Masroig. Die Böden wechseln zwischen Sandstein, Ton und Schiefer. Albert Jané gilt als obsessiver Parzellensammler: Jede neu entdeckte Parzelle alter Buschrebenbestände hat für ihn einen eigenen Charakter, den er im Wein sichtbar machen will. Im neuen Keller stehen 40 Gärtanks, 300 französische Eichenfässer, Zementeier und Amphoren — ein Werkzeugkasten, der präzises Arbeiten ohne Überextraktion ermöglicht.
Garnacha, Carinyena, alter Schiefer: was die Weine ausmacht
Das Sortiment von Acústic Celler umfasst zwei Appellationen unter einem Dach: die DO Montsant (Acústic-Linie) und die angrenzende DOQ Priorat (Ritme-Linie). Beide folgen derselben Logik — alte Rebstöcke zwischen 25 und über 90 Jahren, kleine Erträge, zurückhaltender Holzeinsatz. Der Klassiker, der Acústic Tinto, vereint Garnacha, Carinyena und Garnacha Peluda, gereift in Fässern von einem bis drei Jahren. Die Cuvée Braó setzt auf ältere Selektion und mehr Carinyena-Anteil für Struktur und Tiefe. Das Flaggschiff Auditori stammt aus centenären Garnacha-Stöcken und erreicht eine Komplexität, die international mit den besten Grenache-Weinen verglichen wird. Dazu kommen Weißweine aus Macabeu und Garnatxa Blanca, die im Holz ausgebaut werden und für die karge Berglandschaft des Montsant eine überraschende Fülle mitbringen.
Was alle diese Weine verbindet: keine kosmetischen Eingriffe, keine internationalen Zutaten, kein Effekt um des Effekts willen. Kraftvoll, aber ohne aufgesetzte Lautstärke — das ist der Stil, den Albert Jané seit über zwei Jahrzehnten konsequent verfolgt.