Von der Pioniertat zum Maßstab des italienischen Schaumweins
Die Geschichte von Ferrari Trento beginnt 1902 in Ravina bei Trento — und mit einem Mann, der zu weit gedacht hatte für seine Zeit. Giulio Ferrari, geboren 1879 in Calceranica al Lago, hatte an der Istituto Agrario di San Michele all'Adige studiert und danach Épernay, Montpellier und Geisenheim bereist. Zurückgekehrt, war er überzeugt: Das Terroir Trentinos ähnelt dem der Champagne nah genug, um gleichwertige Schaumweine zu erzeugen. Er pflanzte als erster Winzer Italiens in nennenswertem Umfang Chardonnay an, vergärte nach der Méthode Classique und legte damit den Grundstein für eine ganze Appellation. 1906 gewann er bei der Internationalen Ausstellung in Mailand die erste Goldmedaille. Da Giulio Ferrari keine Kinder hatte, übergab er das Weingut 1952 sorgfältig ausgewählt an Bruno Lunelli, einen Trenter Weinhandelsbesitzer, der seine Leidenschaft für Präzision und Qualität teilte. Diese Übergabe markierte den Beginn einer Familiengeschichte, die heute in dritter Generation weitergeht: Matteo, Marcello, Camilla und Alessandro Lunelli führen das Haus gemeinsam und tragen die Trentodoc-Appellation — für deren Anerkennung Ferrari maßgeblich gekämpft hat — in die Welt.
Bergviticulture, organischer Anbau und ein kohlenstoffnegatives Kellerhaus
Ferrari Trento bewirtschaftet rund 135 Hektar eigene Rebflächen in den Hügeln rund um Trento, ergänzt durch ein Netz von über 500 Winzerfamilien, die seit Generationen Trauben liefern. Alle eigenen Lagen sind seit 2017 offiziell bio-zertifiziert — das Ergebnis eines mehr als zwanzigjährigen Umstellungsprozesses, wissenschaftlich begleitet von der Fondazione Edmund Mach. Synthetische Herbizide und chemische Dünger sind verboten; stattdessen kommen Gründüngung und Bodenanalysen zum Einsatz, die das Bodenleben bis auf Kleinstlebewesen-Ebene kontrollieren. Auch die Lieferanten-Winzer folgen dem hauseigenen Protokoll „The Ferrari Vineyard", das von der CSQA zertifiziert und auf Biodiversität ausgelegt ist — das Weingut trägt dafür das Siegel „Biodiversity Friend" der World Biodiversity Association. Das neue Kellerhaus in Ravina, direkt neben der historischen Cantina gebaut, arbeitet mit einer kohlenstoffnegativen Energiebilanz und nutzt zur Kühlung natürliches Gletscherschmelzwasser aus dem Gebirge.
Méthode Classique aus den Alpen: Chardonnay, lange Hefelager, klare Stilistik
Alle Weine von Ferrari Trento entstehen ausschließlich im Metodo Classico, der zweiten Flaschengärung nach Champagner-Vorbild. Die Lage in den Alpentälern Trentinos — ausgeprägte Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, kalkhaltiger Boden, hochgelegene Lagen — liefert Chardonnay und Pinot Noir mit natürlicher Säurestruktur und aromatischer Dichte. Das Sortiment reicht vom zugänglichen Ferrari Brut Trentodoc bis zum Prestige-Cuvée Giulio Ferrari Riserva del Fondatore, der über ein Jahrzehnt auf der Hefe reift. Nicht-vintage-Cuvées werden aus 70 bis 80 verschiedenen Basisweinen assembliert, Jahrgangs-Sekte aus ausschließlich eigenem Lesegut und 40 bis 60 Basisweinen eines einzigen Jahres. Diese Sorgfalt schlägt sich in der internationalen Wettbewerbsbilanz nieder: Bei den Champagne & Sparkling Wine World Championships wurde Ferrari Trento fünfmal in Folge und insgesamt achtmal zum „Sparkling Wine Producer of the Year" gekürt, zuletzt 2025. Ob als Aperitif, zur Tischkultur oder als Begleitung zu Krustentieren und cremigen Risotti — die Weine aus Ravina setzen den Maßstab, an dem sich italienischer Schaumwein seit über einem Jahrhundert messen lässt.