Von Terre da Vino zu Vite Colte: ein Genossenschaftsprojekt im Herz des Piemont
Terre da Vino wurde in den 1980er Jahren in der Langhe gegründet, mit dem erklärten Ziel, aus den besten Lagen des Piemont Weine auf DOC- und DOCG-Niveau zu erzeugen. Was als regionale Genossenschaft begann, wuchs über die Jahrzehnte zu einer der angesehensten Kollektivkellereien der Region heran. Ab 2010 nahm das Qualitätsprojekt Vite Colte innerhalb dieser Struktur Gestalt an: Ausgewählte Winzer aus den besten Reblagen wurden unter einem eigenen Produktionsprotokoll zusammengeführt, mit gesondert geführten Weinbergen, Vergärung und Ausbau. 2016 vollzog die Genossenschaft dann den nächsten Schritt und brachte alle Qualitätsweine dieses Projektes unter dem neuen Namen Vite Colte auf den Markt — was auf Italienisch so viel bedeutet wie „die Kunst des Rebenanbaus". Heute vereint Vite Colte 180 Winzerinnen und Winzer, die gemeinsam 300 Hektar Rebfläche in Barolo, der Langhe, dem Monferrato, in Roero und Gavi bewirtschaften. Das Kellereizentrum in Barolo, 2000 eröffnet und unterhalb der renommiertesten Cru-Lagen des Barolo gelegen, wurde als Bauwerk mehrfach ausgezeichnet und 2006 im Rahmen der Mailänder Triennale sowie der Architekturbiennale in Venedig gezeigt.
Protokoll statt Zufall: wie 180 Winzer gemeinsam Qualität erzeugen
Das Fundament von Vite Colte ist ein verbindliches Anbauprotokoll, das alle Mitglieder unterzeichnen und einhalten. Es legt fest, dass nur Trauben aus Rebbeständen von mindestens 15 Jahren verarbeitet werden. Erträge werden konsequent niedrig gehalten, die Lese erfolgt ausschließlich von Hand, und jede Wachstumsphase wird in enger Abstimmung mit dem Agronomenteam des Hauses begleitet. Dieses Prinzip greift weit vor der Ernte: Die Weinberge werden nach den Grundsätzen des integrierten Anbaus bewirtschaftet, Teile davon werden bereits biologisch geführt und tragen die ICEA-Zertifizierung. Seit 2014 ist der integrierte Anbau nach SQNPI-Standard zertifiziert.
Wirtschaftlich bricht Vite Colte mit dem klassischen Mengendenken einer Genossenschaft: Die Winzer werden nach der bepflanzten Fläche entlohnt, nicht nach der angelieferten Menge — ein klarer Anreiz zur sorgfältigen Kultivierung statt zur Überproduktion. Im Keller stehen temperaturgesteuerte Stahltanks, bis zu 2.000 große Eichenfässer für den Langzeitausbau von Barolo und Barbaresco sowie rund 3.000 Barriques. Ein internes Labor begleitet den gesamten Prozess von der Vergärung bis zur Abfüllung. Die drei erklärten Leitprinzipien — soziale Solidarität, wirtschaftliche Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung — sind dabei nicht Leitbild-Rhetorik, sondern im Vertragswerk und in der Vergütungsstruktur verankert.
Nebbiolo, Barbera, Moscato: das gesamte Piemont in einem Sortiment
Vite Colte deckt das Typenspektrum des Piemont breiter ab als die meisten Einzelweingüter: von der feinen Perlage eines Alta Langa Metodo Classico über den aromatischen Moscato d'Asti bis zu den großen Rotweinen der Langhe. Den Kern bilden Nebbiolo-Weine aus Barolo und Barbaresco — die Essenze-Barolos entstammen den Gemeinden Barolo, Monforte d'Alba und Serralunga d'Alba, der Barbaresco Casa in Collina greift auf fossil-tonige Böden zurück. Riserva-Abfüllungen erscheinen nur in ausgezeichneten Jahrgängen. Die Barbera d'Asti La Luna e i Falò gilt als Leitwein des Hauses: kräftige Frucht, klare Säurelinie, charakteristisch piemontesisch. Ergänzt wird das Sortiment durch den Roero Arneis Villata, den Gavi del Comune di Gavi Masseria dei Carmelitani sowie die fruchtig-elegante Barbera d'Alba Croere. Wer das Piemont nicht Wein für Wein, sondern als Ganzes kennenlernen möchte, findet bei Vite Colte einen verlässlichen, geografisch und stilistisch breiten Einstieg.