Von Arturo Bersanos Motto zur piemontesischen Institution
Die Geschichte von Bersano beginnt 1907 in Nizza Monferrato, dem Zentrum des Barbera-d'Asti-Anbaugebiets im Herzen des Piemont – einer Landschaft, die seit 2014 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Gegründet als familiärer Kellerbetrieb, erlebte das Weingut 1935 seinen prägenden Wendepunkt: Arturo Bersano, ausgebildeter Jurist, übernahm die Leitung seines Vaters Giuseppe und machte daraus etwas grundlegend anderes. Sein Leitgedanke – „Wenn du gut trinken willst, kaufe einen Weinberg" – war damals eine Ansage gegen den Zeitgeist, in dem Wein oft vom Markt zugekauft und verschnitten wurde. Arturo setzte stattdessen auf vollständige Kontrolle der eigenen Lagen und baute das Weingut durch gezielte Zukäufe Schritt für Schritt aus: 1968 erwarb Bersano die Cascina Badarina in Serralunga d'Alba und sicherte sich damit früh eine der besten Lagen im Barolo-Gebiet. Arturo Bersano war zudem leidenschaftlicher Sammler und Kulturvermittler: 1961 eröffnete er das Museo delle Contadinerie, eines der ersten Museen zum bäuerlichen Handwerk Italiens, und legte später die Collezione di Stampe sul Vino an – eine der bedeutendsten Sammlungen historischer Wein-Druckgrafiken überhaupt. In den frühen 1970er Jahren verkaufte er das Unternehmen, das seit 1985 im Besitz der Familie Massimelli ist.
Heute führen die vier Massimelli-Schwestern das Weingut, darunter CEO Federica Massimelli. Mit ihr und dem Team hat Bersano seine Verwurzelung in der Geschichte behalten, ohne dabei stehenzubleiben.
Zehn Cascine, 230 Hektar, ein klares Prinzip
Bersano bewirtschaftet heute zehn historische Cascine – traditionelle piemontesische Gutsgehöfte – mit insgesamt über 230 Hektar Rebfläche, verteilt über die besten Lagen von Monferrato, Langhe und Roero. Jeder Betrieb hat seine eigene Bodenstruktur: Kalkstein, Sand und Mergel wechseln sich ab und geben den autochthonen Sorten ihren unverwechselbaren Charakter. Die Barbera-Trauben stammen aus Lagen rund um Nizza Monferrato, der Nebbiolo für den Barolo wächst in Serralunga d'Alba auf der Cascina Badarina, Ruchè gedeiht auf den Hügeln von Castagnole Monferrato, Moscato und Brachetto reifen zwischen Asti und Alessandria. Im Keller kommen je nach Rebsorte und angestrebtem Stil Edelstahltanks, große Holzfässer oder kleine Barriques zum Einsatz – kein Einheitsrezept, sondern eine Entscheidung, die im Weinberg beginnt. Seit 2021 treibt die Unternehmensführung das Thema Nachhaltigkeit gezielt voran: biologische Anbaumethoden, Reduktion des Energieverbrauchs und der Erhalt der Biodiversität in den Lagen sind erklärte Ziele. Die lückenlose Kontrolle vom Weinberg bis zur Abfüllung – Arturos Grundsatz – gilt bis heute als unveränderliches Prinzip.
Piemontesische Rebsorten in ihrer ganzen Breite
Das Sortiment von Bersano bildet die Vielfalt des Piemont nahezu vollständig ab: Barbera d'Asti DOCG und Nizza DOCG in verschiedenen Ausbaustilen, Barolo DOCG und Barolo Riserva aus Serralunga d'Alba, dazu Roero Arneis DOCG, Gavi del Comune di Gavi DOCG, Barbaresco DOCG, Dolcetto, Grignolino, Ruché di Castagnole Monferrato sowie die süßen Spezialitäten Moscato d'Asti DOCG und Brachetto d'Acqui DOCG. Außerdem ein sortentypischer Sauvignon Piemonte DOC. Den Stil prägen die jeweiligen Böden und Mikroklimata der einzelnen Cascine: Die Cremosina, auf südwestexponiertem Kalk-Lehm-Hang gelegen, liefert ausdrucksstarke, lagerfähige Barbera mit strukturierter Frucht. Die Badarina-Weine aus Serralunga d'Alba zeigen die für diese Lage typische Frische und die klassische Rosenblüten-Note des Nebbiolo. Wer sich durch das Sortiment trinkt, bekommt kein generisches Piemont-Bild, sondern eine Kollektion von Lageporträts – jede Flasche erzählt, woher sie kommt.