Von Rozendal nach Kaapzicht: vier Generationen auf dem Bottelary
Die Geschichte des Weinguts beginnt mit einem Karoo-Schaffarmer: David Steytler kehrte 1946 aus dem Zweiten Weltkrieg zurück und tauschte seinen Hof gegen das Gut Rozendal in den Bottelary Hills von Stellenbosch — die Keimzelle dessen, was heute als Kaapzicht Estate bekannt ist. Die Farm selbst reicht historisch bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück, als sie unter dem Namen Vriesland über 400 Hektar maß und das spätere Kaapzicht-Gelände einschloss. Vier Jahrzehnte lang lieferte die Familie Steytler Trauben und Fasswein an andere Kellereien der Kapregion. Erst 1984 erschien der erste Wein unter eigenem Etikett — und mit dem neuen Namen: Kaapzicht, afrikaans für „Kapblick", ein Verweis auf die freie Sicht von den Hügeln über Stellenbosch bis hin zum Tafelberg und zur False Bay.
Heute leitet die vierte Steytler-Generation das Gut: Danie Steytler Jnr. und seine Frau Carin haben Kaapzicht von Danies Vater Danie Snr. übernommen, der das Weingut über 40 Jahre lang als Kellermeister geprägt hat. Die fünfte Generation ist bereits aktiv: Danie und Mieke Steytler haben gemeinsam mit ihrem Großvater erste eigene Fässer Cabernet Sauvignon ausgebaut — ein Zeichen dafür, dass die Kontinuität dieses Familienbetriebs über Generationen geplant und gelebt wird.
Granit, Meereswind und der Weg zur regenerativen Landwirtschaft
Die Bottelary Hills, der westlichste Ward von Stellenbosch, geben Kaapzicht sein klimatisches Rückgrat: Die Weinberge liegen auf nordwestlich ausgerichteten Hängen bis zu 200 Meter über dem Meeresspiegel, gekühlt durch den Atlantikwind von der False Bay, rund 18 Kilometer entfernt. Der Boden — verwitterter Granit mit Sandsteinanteilen — zwingt die Wurzeln tief, die Parzellen bleiben unbewässert. Das Ergebnis sind selbst in schwierigen Jahren gleichmäßige Lesemengen mit konzentrierter Frucht. Danie Jnr. beschreibt den Bottelary-Stil so: wärmere Nachmittagssonne durch die Nordwest-Ausrichtung, reifere Tannine, Körper mit Schmelz — ein anderer Charakter als die strafferen Weine vom kühleren Helderberg.
Danie Jnr. studierte Önologie und Weinbau an der Universität Stellenbosch und sammelte Erfahrungen in Saint-Émilion, im Languedoc, in Neuseeland, im Napa Valley sowie in Italien und Griechenland, bevor er 2009 offiziell in den Familienbetrieb einstieg. Im Weinberg bewegt sich Kaapzicht konsequent in Richtung Bio- und regenerativer Landwirtschaft. Die Philosophie dahinter ist direkt: Was dem Boden nützt, stärkt die Pflanze — und was der Pflanze nützt, verbessert den Wein. Besonders stolz ist man auf die alten Buschrebbstöcke: Der Chenin-Blanc-Weinberg aus dem Jahr 1947 gilt als der zweitälteste seiner Art in ganz Südafrika.
Pinotage, Chenin Blanc und der Cape Blend — das Sortiment der Bottelary Hills
Kaapzicht hat sich mit drei Rebsorten international einen Namen gemacht: Chenin Blanc, Pinotage und Cabernet Sauvignon. Der Kaapzicht The 1947 Chenin Blanc — aus jenem historischen Weinberg gepresst — erhielt im Platter's Wine Guide die begehrte Fünf-Sterne-Bewertung. Der Pinotage, eine südafrikanische Kreuzung aus Pinot Noir und Cinsault, lieferte 2006 mit dem Steytler Pinotage den Decanter Award für den weltbesten Rotwein. Die Steytler Vision, ein Cape Blend aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Pinotage, war 2001 der erste Cape Blend überhaupt, der beim IWSC die Pichon-Lalande-Trophy für den besten Rotwein der Welt gewann. Im Vinoscout-Sortiment finden sich neben dem Kaapzicht The 1947 Chenin Blanc der körperreiche Kaapzicht Rooiland Pinotage, der Kaapzicht Bottelary Rooi Estate Blend sowie der zugängliche Kaapzicht Chenin Blanc — ein Querschnitt durch das, was die Bottelary Hills an Tiefe, Fruchtkonzentration und Textur zu bieten haben.