Vom Gutshof am Kap zur Referenzadresse Südafrikas
Die Geschichte von Meerlust beginnt 1693, als der deutsche Einwanderer Henning Huising das Gut an der Küste der Kapkolonie gründete und es nach der Meeresluft benannte, die über die False Bay hereinstreicht. Der Name bedeutet wörtlich „Freude am Meer" — und er beschreibt bis heute, was diesen Ort ausmacht. 1756 kaufte Johannes Myburgh das Anwesen, und seitdem ist es ununterbrochen im Familienbesitz. Heute führt Hannes Myburgh als achte Generation die Geschäfte; seit 1997 trägt er die Verantwortung für ein Gut, dessen Cape-Dutch-Herrenhaus 1987 als nationales Kulturdenkmal eingestuft wurde — als einziges Weingut Südafrikas.
Der entscheidende Wendepunkt kam in den 1970er-Jahren: Nico Myburgh, Hannes' Vater, besuchte Bordeaux und erkannte, dass der Granit- und Tonboden von Meerlust dem Médoc verblüffend ähnelt — und dass dort die großen Weine stets Cuvées waren. Zurück am Kap pflanzte er Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc, zunächst als Einzelsorten, dann auf einen Blend hinarbeitend. 1980 war die Formel gefunden, gemeinsam mit dem damaligen Kellermeister Giorgio Dalla Cia.
Terroir, Handlese und die dritte Generation Kellermeister
Meerlust liegt 15 Kilometer südlich von Stellenbosch, nur fünf Kilometer von der False Bay entfernt. Die Böden wechseln zwischen tonreichen Schichten und verwittertem Granit — Erbe eines prähistorischen Vulkans. Merlot steht dort, wo der Ton am mächtigsten ist; Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc auf besser drainierten Granitböden; Chardonnay auf durchlässigen Böden nahe dem Eerste River; Pinot Noir im kühlsten Teil des Guts, um Frische und Finesse zu erhalten. Küstenwinde und abendliche Nebel aus der Bucht bremsen die Reife — die Trauben hängen länger, bauen mehr Komplexität auf. Alle Trauben werden von Hand gelesen, ausschließlich aus gutseignen Weinbergen oder direkt angrenzenden Pachtflächen.
Im Keller arbeitet seit 2020 Wim Truter als Kellermeister — erst der dritte Kellermeister in der gesamten Geschichte von Meerlust. Truter studierte Chemie, Önologie und Weinbau an der Universität Stellenbosch und schloss anschließend einen internationalen Master in Vine, Wine and Terroir Management ab, mit Stationen in Frankreich, Italien und Spanien. Die Philosophie im Keller: Jeder Weinbergblock wird separat vinifiziert und in 300-Liter-Eichenfässern ausgebaut, bevor beim Assemblieren entschieden wird, was in welchem Verhältnis in den Endwein kommt.
Rubicon und ein Sortiment, das mehr ist als ein Flaggschiff
Der Rubicon ist der Wein, der Meerlust international bekannt machte: ein Bordeaux-Blend aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und einem Anteil Petit Verdot, der 1980 entwickelt und 1984 erstmals vermarktet wurde — der erste Wein dieser Art in Südafrika. Der Name ist Programm: Wie Caesars Entschluss, den Rubicon zu überschreiten, war diese Cuvée ein Punkt ohne Rückkehr für den südafrikanischen Weinbau. In der Nase zeigt er Aromen von reifen Pflaumen, Veilchen, Zedernholz und Lakritz; am Gaumen vollmundig, mit linearer Tanninstruktur. Der Rubicon wird nur in den besten Jahrgängen abgefüllt — in schwächeren Jahren fließt alles in den Meerlust Estate Red.
Neben dem Rubicon umfasst das Sortiment einen Cabernet Sauvignon, einen Merlot, einen Pinot Noir und einen Chardonnay — allesamt sortenreine Gutsweine, die dieselbe Terroir-Logik verfolgen: langsame Reife durch Küstenklima, parzellengetreue Vinifikation, Ausbau im Eichenfass. Wer Meerlust kennenlernen möchte, findet im Sortiment eine Bandbreite, die von geradliniger Eleganz bis zur strukturierten Tiefenschicht des Rubicon reicht.