Von Driesprong zu Delheim: Eine deutsch-südafrikanische Familiengeschichte
Die Geschichte von Delheim beginnt 1938, als Alfred Hoheisen das Farmgrundstück Driesprong am Fuß des Simonsberg in Stellenbosch erwarb. Sein Sohn Hans baute es in den späten 1940er-Jahren zu einem Weingut um — angetrieben von deutschen Freunden, die ihm versicherten, der Boden und das Klima am Simonsberg seien für Reben wie gemacht. Hans benannte die Farm nach seiner Frau Deli um: Delheim, schlicht „Delis Heim". Die ersten Betonkeller wurden 1944 von italienischen Kriegsgefangenen gebaut — ein Detail, das zeigt, wie viel Geschichte in diesen Mauern steckt.
Den entscheidenden Schritt machte 1951 Michael Hans „Spatz" Sperling, der als 20-Jähriger aus Tettnang am Bodensee mit kaum mehr als zehn Pfund in der Tasche per Schiff in Kapstadt ankam. Er lehrte sich das Keltern selbst — durch Versuch, Irrtum und den Rat von Nachbarn und deutschen Winzern, die zu Besuch kamen. Spatz wurde zu einer Schlüsselfigur der südafrikanischen Weingeschichte: Er trieb die erste Weinroute Südafrikas (die Stellenbosch Wine Route) und die erste öffentliche Weinauktion mit voran. 1969 fiel beim legendären Sauerkraut-Mittagessen auf Delheim der Entschluss, Herkunftsbezeichnungen für Kapweine gesetzlich zu verankern. Heute führen Spatz' Kinder Victor Sperling und Nora Sperling-Thiel das Weingut in dritter Generation weiter — Victor verantwortet Weinberge und Keller, Nora Vermarktung und Export.
Weinberge als Lebensraum: Naturschutz als Betriebsprinzip
Delheim umfasst heute 375 Hektar im Simonsberg-Ward von Stellenbosch, davon sind 89 Hektar ausschließlich dem Naturschutz vorbehalten. Das ist kein Marketingversprechen, sondern seit Jahrzehnten gelebte Praxis: Seit 2008 trägt Delheim den Conservation Champion Status des WWF — als eines von wenigen südafrikanischen Weingütern. Die Weinberge verteilen sich auf zwei Lagen: die Hauptfarm Delheim und das höher gelegene Vera Cruz — benannt nach Spatz' Frau Vera, angeblich wegen des „Kreuzes", das sie mit ihrem Mann zu tragen hatte.
Im Weinberg arbeitet Delheim mit Fynbos-Korridoren zwischen den Reben: Das einheimische Buschwerk zieht Nützlinge an und hält Schädlinge fern, ohne chemischen Einsatz. Rund die Hälfte der Rebflächen wird trocken bewirtschaftet, Bewässerung erfolgt nur nach Bedarf und wird durch Druckmessungen präzise gesteuert. Abwasser wird aufbereitet und wiederverwendet; das alte Sprinklersystem wurde durch Tröpfchenbewässerung ersetzt, was den Wasserverbrauch deutlich senkt. Wer auf dem Gelände unterwegs ist, trifft auf über 50 Vogelarten, Kapfüchse, Caracals und einen über 300 Jahre alten einheimischen Yellowwood-Baum.
Simonsberg im Glas: Pinotage, Chenin Blanc und eine Legende namens Spatzendreck
Delheim baut ein breites Spektrum an Sorten an — Chenin Blanc, Pinotage, Cabernet Sauvignon, Shiraz, Chardonnay und andere — und zeigt damit, wie vielseitig der Simonsberg als Terroir ist. Die Weinberge liegen auf unterschiedlichen Höhen, was für eine natürliche Aromatik und Säurestruktur sorgt. Den Stil prägt eine Mischung aus Zugänglichkeit und Substanz: Die Weine sollen Spaß machen, ohne flach zu sein. Das hat Tradition — der legendäre Chenin Blanc „Spatzendreck", der 1970 mit dem wohl eigenwilligsten Etikett Südafrikas auf den Markt kam, steht bis heute für Spatz Sperlings Mischung aus handwerklichem Ernst und Selbstironie.
Im Sortiment bei uns findest du neben dem frischen Pinotage Rosé und dem würzigen Shiraz Cabernet Sauvignon auch den Chenin Blanc Wild Ferment mit spontaner Vergärung sowie den Grand Reserve Cabernet Sauvignon aus den besten Lagen der Farm. Der Edelspatz Noble Late Harvest zeigt, was überreife Trauben am Simonsberg leisten: konzentrierte Süße mit lebendiger Säure, die den Wein trägt. Vera Cruz Pinotage wiederum kommt von der höher gelegenen Berglage — strukturierter, dunkler, mit mehr Tiefe als ein einfacher Gutswein.