Zehn Jahre Suche, ein Amphitheater am Schapenberg
1993 begann der britische Weinhändler Paul Boutinot eine Suche, die ihn ein Jahrzehnt lang beschäftigen sollte: ein Weinbergsgelände mit dem Potential, wirklich charakterstarke, herkunftsgeprägte Weine zu erzeugen. Die großen Klassiker-Lagen — Côte d'Or, Chablis, Barolo — waren unerreichbar. Also musste ein neues Klassiker-Terroir gefunden werden. 2003 wurde er fündig: auf den südexponierten Hängen des Schapenbergs, unmittelbar oberhalb von Somerset West, wo ein steiles Tal in ein verstecktes Amphitheater aus Weinbergen mündet. Im Oktober 2003 übernahm Boutinot das Anwesen, der erste Jahrgang unter dem Namen Waterkloof stammt aus dem Erntejahr 2005. Heute leitet Cellarmaster Nadia Langenegger den Keller — eine Stellenbosch-Absolventin mit Ernteerfahrung in Frankreich, Australien und Neuseeland.
Der Name „Waterkloof" — Afrikaans für Wasserkloof, also Wasserravine — ist Programm: Die atlantischen Winde werden vom Meer her durch die Schlucht nach oben gefunnelt und verteilen sich über das natürliche Amphitheater der Weinberge. Das Ergebnis ist eine der kühlsten Lagen im gesamten Stellenbosch-Anbaugebiet, mit langer, langsamer Reifezeit und natürlich niedrigen Erträgen.
Biodynamik, lebendige Böden und eine Kelterei ohne Pumpen
Was 2008 als Umstellung auf biodynamische Methoden unter Farmmanager Christiaan Loots begann, ist heute der Kern der gesamten Betriebsphilosophie. Waterkloof ist ECOCERT-zertifiziert organisch und arbeitet konsequent biodynamisch: Mindestens 300 Tonnen Eigenkompost jährlich, angereichert durch Nguni-Rinder, Schafe, Hühner und Arbeitspferde, die im Weinberg eingesetzt werden, um Chemie vollständig überflüssig zu machen. Pilze, Bakterien und Pflanzenextrakte aus eigenem Kompost ersetzen synthetische Dünger. Das Wasser kommt aus einer natürlichen Quelle und wird über einen Bioreaktor aufbereitet; die Reben werden weitgehend ohne künstliche Bewässerung kultiviert. Die Anlage läuft auf Solarstrom. Über die Hälfte des Geländes — rund 83 von 146 Hektar — ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen und schützt die Fynbos-Flora des Kap-Florischen Königreichs. Dafür erhielt Waterkloof den Champion-Status des WWF Biodiversity and Wine Initiative, einer der ersten Betriebe Südafrikas mit dieser Auszeichnung.
Im Keller setzt sich die Minimalismus-Philosophie fort. Die Anlage arbeitet gravitationsgetrieben — ohne Pumpen, um die Trauben so schonend wie möglich zu behandeln. Rotweine vergären in offenen Holzbottichen, Weißweine werden als Ganztrauben gepresst. Einziges Vergärungsmittel sind wilde, natürlich vorkommende Hefen. Schwefel wird, wenn überhaupt, nur in kleiner Dosis als Konservierungsmittel eingesetzt — mehr Eingriff braucht es nicht, wenn das Rohmaterial von Natur aus im Gleichgewicht ist.
Zwei Linien, ein Terroir: vom zugänglichen False Bay bis zum lagenfokussierten Circumstance
Waterkloof produziert unter zwei Dächern. Die False Bay Vineyards-Linie — darunter der Bush Vine Pinotage, der Old School Syrah, der Slow Chenin Blanc, der Whole Bunch Cinsault Mourvèdre Rosé und der Windswept Sauvignon Blanc — bezieht Trauben von nachhaltigen Küstenlagen und steht für zugängliche, lebendig-frische Weine mit klarem Rebsorten- und Herkunftscharakter. Alle Weine dieser Linie werden handgelesen, mit Wildhefen vergoren und ohne tierische Schönungsmittel behandelt. Die Waterkloof Circumstance-Reihe dagegen arbeitet parzellenscharf: Mourvèdre und Syrah aus den Steilhängen des Schapenbergs zeigen, was der atlantisch geprägte Standort auf Sandsteinböden aus kühlklimafähigen Rebsorten herausholt — strukturierte Säure, Tiefe und einen kühlen, würzigen Charakter, der eher an die Rhône als an die Neue Welt denken lässt. Wer Weine sucht, die Boden, Wind und Meeresluft direkt im Glas spürbar machen, findet bei Waterkloof einen der konsequentesten Vertreter naturnahen Weinbaus in Südafrika.