Von der Taverne in Soave zur Pionierrolle im Amarone
Die Geschichte von Cantina Bolla beginnt 1883 in Soave, östlich von Verona, wo Abele Bolla in der familieneigenen Taverne „Al Gambero" aufwuchs und früh eine Leidenschaft für die lokalen Weißweine entwickelte. Was als Leidenschaft begann, wurde rasch zum Handwerk: Bolla begann, Garganega-Weine an umliegende Schankwirtschaften zu liefern, bis das Geschäft bis nach Venedig reichte. 1883 legte er damit den Grundstein für eines der bekanntesten Weinhäuser Italiens. Sein Sohn Alberto führte den Betrieb weiter und erkannte in den 1930er-Jahren das Potenzial der roten Hügel westlich von Verona: 1931 eröffnete die Familie eine Kellerei in Pedemonte, im Herzen der Valpolicella Classica. Dort begann die Produktion von Recioto und Valpolicella-Rotweinen — und legte den Grund für einen historischen Moment: 1953 brachte Bolla als eines der ersten Weingüter den Amarone kommerziell auf den Markt. Bis dahin war dieser trockene Rotwein aus vollständig durchgegorenen Recioto-Trauben höchstens ein lokaler Geheimtipp. Bolla erkannte seinen Charakter, verfeinerte die Technik und machte ihn zum internationalen Maßstab. Heute sitzt das Unternehmen in San Pietro in Cariano, einer der fünf klassischen Gemeinden der Valpolicella Classica, und gehört zur Gruppo Italiano Vini.
Appassimento, Terroir und das Erbe der Cantina del Nonno
Die Arbeit in Weinberg und Keller folgt einem klaren Prinzip: traditionelle Methoden, präzise umgesetzt. Im Mittelpunkt steht die Appassimento-Technik — geerntete Trauben der Lagen von Negrar, Marano und Sant'Ambrogio di Valpolicella werden bis zu 120 Tage in eigens belüfteten Trockenräumen gelagert, bevor sie gepresst und vergoren werden. Das Ergebnis ist eine außergewöhnliche Konzentration von Aromen und Textur. Nach der Gärung in Stahltanks reift der Amarone in Barriques aus französischer und amerikanischer Eiche sowie in großen Holzfässern. Im historischen Keller der Cantina del Nonno stehen noch heute Slavonische Eichenfässer aus dem Gründungsjahr 1883 — ein seltenes Zeugnis der Kontinuität. Für Weißweine greift Bolla auf Garganega-Trauben zurück, die auf den vulkanischen Böden von Soave wachsen und dem Soave Classico seine charakteristische Mineralik und frische Säure verleihen. Die Rebsorten Corvina, Corvinone, Rondinella und Molinara stehen im Zentrum der Rotweinproduktion — autochthone Sorten, die das Haus seit Jahrzehnten kultiviert und deren Eigenheiten es bis ins Detail kennt.
Ein Sortiment, das die gesamte Valpolicella erzählt
Das Herzstück des Sortiments ist der Amarone della Valpolicella Classico — ein tiefes, vollmundiges Glas mit Noten von dunkler Kirsche, getrockneter Feige, Kakao und einem Hauch Zedernholz. Samtweiche, reife Tannine und ein langer Abgang machen ihn zur idealen Begleitung von geschmortem Fleisch, Wildgeflügel oder reifem Hartkäse. Der Valpolicella Ripasso DOC Classico Superiore nutzt einen zweiten Kontakt mit Amarone-Trestern, der dem Wein zusätzlichen Körper, Tiefe und Wärme gibt — ein Brückenwein zwischen der Leichtigkeit des Valpolicella und der Opulenz des Amarone. Der Valpolicella DOC Classico in der halben Flasche ist der unkomplizierte Vertreter des Hauses: fruchtig-würzig, mit der typischen Kirschnote der Corvina, auch bei Tisch ein verlässlicher Begleiter. Auf der weißen Seite steht der Soave DOC Classico, dessen Garganega-Frucht von den vulkanischen Hügeln östlich von Verona stammt und im Glas frische Mandel- und Zitrusnoten zeigt. Das Bardolino DOC Classico schließlich schlägt eine Brücke zum Gardasee — leicht, hellfruchtig, für warme Abende gemacht. Wer das Sortiment von Bolla kennenlernt, bekommt damit einen Überblick über das, was Venetien in seiner klassischen Ausprägung zu bieten hat.