Von Gaetano bis zur vierten Generation: eine Familienchronik aus Fumane
Die Geschichte des Weinguts beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts, als Gaetano Accordini als Pächter auf den Hügeln rund um Negrar Wein kelterte. Sein Sohn Stefano machte aus diesem Erbe in den 1970er Jahren einen eigenständigen Betrieb: Mit dem Kauf des Weinbergs Il Fornetto im Negrar-Tal legte er das erste eigene Fundament der Familie und baute eine eigene Kellerei auf. Zunächst arbeitete das Weingut ausschließlich für den lokalen Markt. Der entscheidende Generationswechsel kam 1982, als Stefanos Söhne Tiziano und Daniele einstiegen — Tiziano mit kaufmännischem Geschick, Daniele mit kellereitechnischem Knowhow. Gemeinsam modernisierten sie Ausstattung und Abläufe und öffneten das Weingut für internationale Märkte.
Zur Jahrtausendwende folgte der mutigste Schritt der Familiengeschichte: Tiziano und Daniele verlegten die gesamte Produktion in die Hochlagen der Valpolicella Classica. Sie kauften zehn Hektar Rebland in Cavolo di Fumane auf rund 550 Metern Meereshöhe — und 2011 schloss der Neubau des Weinkellers in dieser Höhe die Transformation ab. Heute bewirtschaftet die vierte Generation — Giacomo, Paolo und Marco Accordini — 25 Hektar Rebfläche im höchstgelegenen Weingut der gesamten Valpolicella Classica.
Höhenlage als Philosophie: kühle Nächte, arme Böden, kein Kompromiss
Die Entscheidung, die Produktion bergwärts zu verlagern, ist keine geografische Kuriosität, sondern das Herzstück der Accordini-Philosophie. Auf 500 bis 600 Metern Seehöhe sorgen Tageshitze und kühle Bergwinde aus der Lessinia für einen ausgeprägten Tag-Nacht-Temperaturunterschied. Das verlangsamt die Reife, senkt die Erträge — und steigert die Aromenkonzentration und Säurestruktur der Trauben spürbar. Die Böden um Cavolo di Fumane wechseln zwischen Kalk, Lehm und skelettreichen Schichten mit dünnen Toneinlagen; die Reben arbeiten tief, die Erträge bleiben klein.
Seit 2015 hat die Familie den gesamten Betrieb auf ökologischen Landbau umgestellt. Alle 25 Hektar werden nach Bio-Kriterien bewirtschaftet; die neue Kellerei und das angeschlossene Agriturismo Acinatico werden vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben. Die Premium-Bio-Linie folgt dem Grundsatz, Qualität durch Technologie statt durch Chemie zu erreichen — Trauben aus Parzellen, die keinerlei Nachbarbepflanzung außerhalb der eigenen Weinberge kennen.
Corvina hoch oben: Valpolicella Classico, Ripasso und Amarone aus Berglagen
Das Sortiment dreht sich um die klassischen autochthonen Rebsorten der Valpolicella: Corvina Veronese, Corvinone und Rondinella, ergänzt durch Molinara. Aus ihnen entstehen Weine entlang der gesamten Bandbreite der Appellation — vom frischen Valpolicella Classico DOC über den körperreichen Ripasso Acinatico bis zum Amarone della Valpolicella Classico DOCG und dem süßen Recioto. Die beiden Amarone-Linien — Acinatico aus den Hochlagen-Weinbergen Bessole und Cavalo sowie die Riserva Il Fornetto — stehen für die sensorische Handschrift des Weinguts: Trauben, die nach der Lese rund vier Monate getrocknet werden, bevor sie im Eichenholz ausgebaut reifen. Das Ergebnis sind Rotweine mit strukturierter Tiefe, dunkler Frucht, würzigem Schmelz und einem Abgang, der die Kühle der Berglagen spürbar widerspiegelt. Auch der Valpolicella Classico trägt diese Herkunft: lebendige Säure, klare Kirschfrucht, kein schwerer Körper — ein Wein, der zum Essen funktioniert, nicht daneben steht.