Vom Schreiner zum Wegbereiter: Wie Hanspeter Ziereisen das Markgräflerland neu erfand
Hanspeter Ziereisen ist gelernter Zimmermann — kein klassischer Winzersohn, der den vorgezeichneten Weg ging. 1991 entschied er sich gemeinsam mit seiner Frau Edeltraud, den elterlichen Mischbetrieb in Efringen-Kirchen konsequent auf den Weinbau auszurichten. Das Dorf liegt im äußersten Südwesten Deutschlands, kurz vor der Schweizer Grenze, im Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Was ihn zur Entscheidung trieb, war eine frühe Faszination für große Burgunder: Als junger Mann probierte er sich durch die Côte d'Or und erkannte im Pinot Noir die Verbindung zur eigenen Heimat. Dass das Markgräflerland damals vor allem für einfachen Gutedel und Spargelanbau bekannt war, ließ ihn kalt — er sah das Potenzial, das andere ignorierten. Heute führen Hanspeter und Edeltraud das Weingut gemeinsam mit den Kindern Ida und Johann und bewirtschaften rund 21 Hektar Rebfläche.
Jurakalk, Handarbeit und kontrolliertes Nichtstun
Das Rückgrat der Weine liegt im Boden: Die Lagen rund um den Efringer Ölberg stehen auf Jurakalk — derselben geologischen Grundlage wie die Grands Crus der Côte d'Or. Berg- und Hanglagen mit südlicher Ausrichtung, zum Teil Steillagen, sorgen für die nötige Spannung zwischen Wärme und Mineralität. Die Burgundische Pforte, durch die mediterrane Luft aus dem Rhônetal in die Oberrheinebene strömt, verleiht dem Klima eine Milde, die für Südwestdeutschland ungewöhnlich ist.
Im Weinberg ist Maschinenarbet so gut wie ausgeschlossen: Nahezu alle Arbeiten am Stock, die Lese und die anschließende Beerenselektion am Sortiertisch erfolgen von Hand. Im Keller folgt Ziereisen der Devise des kontrollierten Nichtstuns. Alle Weine vergären ausnahmslos spontan. Die Premiumlagen reifen 12 bis 22 Monate auf der Feinhefe in Holzfässern — Neuholzanteil je nach Wein, für die Spitzenlagen bis zu 30 % neue Barriques, der Rest in großen neutralen Gebinden. Abgefüllt wird ohne Schönung, der überwiegende Teil ohne Filtration. Zertifizierungen sucht Ziereisen bewusst nicht; seine naturnahe, nachhaltige Arbeitsweise ist Haltung, kein Label.
Landwein als Statement: Spätburgunder, Gutedel und ein badischer Syrah
Fast alle Weine des Guts tragen alte Gemarkungsnamen — Schulen, Tschuppen, Steingrüble, Gestad, Talrain, Hard — und werden bewusst als Badischer Landwein vermarktet. Was zunächst eine amtliche Auflage war, weil die Weine aus dem klassischen deutschen Prüfschema herausfielen, ist heute eine klare Entscheidung: mehr Freiheit im Keller, mehr Ausdruck im Glas, weniger Normierung. Rund die Hälfte der Rebfläche ist mit Spätburgunder bestockt, ergänzt durch Gutedel, Chardonnay, Weißburgunder, Grauburgunder und — für Baden ausgesprochen selten — Syrah.
Was die Weine verbindet, ist eine kühle, fast salzige Mineralität, Textur und eine Spannung, die sich erst am Gaumen voll entfaltet. Die Jaspis-Linie markiert die höchste Ausbaustufe: Nur wenn Jahrgang und Lage es hergeben, erscheinen der Jaspis Pinot Noir Zipsin und der Jaspis Syrah Däublin — beide unfiltriert, beide mit dem Anspruch auf lange Reife. Über 50 Prozent der Produktion geht in den Export — ein Hinweis darauf, wie weit der Ruf des Guts inzwischen reicht.