Vom Kaiserstühler Winzerhof zur eigenen Handschrift
Das Weingut Landerer sitzt in Niederrotweil, einem Weindorf am Kaiserstuhl im badischen Vogtsburg, eingebettet in ein typisches Kaiserstühler Winkelgehöft inmitten von Wein- und Obstgärten. 1989 übernahmen Thomas und Karin Landerer den Betrieb, erweiterten die Rebfläche schrittweise und legten den Grundstein für einen modernen, qualitätsorientierten Weinbau. Ihr Sohn Johannes wuchs buchstäblich zwischen den Reben auf: Mit 17 Jahren bepflanzte er seinen ersten eigenen Weinberg mit Sauvignon Blanc und experimentierte im kargen Vulkanverwitterungsgestein, um einen eigenständigen Kaiserstühler Stil für diese Rebsorte zu entwickeln.
Nach seiner Ausbildung im renommierten Weingut Heger in Ihringen, Stationen in der Pfalz, in Südtirol beim Vorzeigebetrieb Manincor sowie einer Weiterqualifikation zum Techniker für Weinbau und Önologie arbeitete Johannes ab 2014 im familieneigenen Betrieb. Als sein Vater Thomas 2016 unerwartet verstarb, übernahm er die Alleinverantwortung für Weinbau und Kellerwirtschaft — und führt seither das Lebenswerk der Familie mit einer klaren Vorstellung davon weiter, was Kaiserstühler Wein leisten kann.
Naturnahe Arbeit im Weinberg, Sorgfalt im Keller
Der Kaiserstuhl bietet mit seinen Vulkanverwitterungs- und Lössböden sowie dem warmen, kontinentalen Klima eine der markantesten Terroir-Grundlagen Deutschlands. Die Lagen Henkenberg und Kirchberg in Oberrotweil, die das Sortiment von Landerer prägen, spiegeln diesen Charakter unmittelbar wider. Im Weinberg setzt das Team auf mechanische Bodenbearbeitung, natürliche Begrünung zur Humusbildung sowie bewusste Ertragsreduzierung durch Rebschnitt und Grünlese. Die Handlese erfolgt in mehreren Durchgängen — in die Kelter kommen ausschließlich vollreife Trauben.
Im Keller arbeitet Johannes Landerer mit Geduld: Temperaturkontrollierte Gärführung schützt die Aromatik, ein Teil der Weine reift im Eichenfass — darunter Spätburgunder und ausgewählte Lagenweine. Für die Gestühl-Linie und einzelne Weißweine setzt das Weingut auf Spontangärung und Vollhefelagerung im großen Holzfass, was den Weinen eine zusätzliche Tiefe und texturale Dichte gibt, ohne den Sortencharakter zu überlagern.
Burgunder-Territorium mit Ausreißern nach oben
Den Löwenanteil der rund 22 Hektar Rebfläche beansprucht der Spätburgunder — er macht mehr als die Hälfte des Sortiments aus. Grau- und Weißburgunder folgen mit jeweils rund 20 bzw. 10 Prozent. Daneben wachsen Sauvignon Blanc, Chardonnay, Scheurebe, Muskateller und Syrah auf den Kaiserstühler Böden, was dem Sortiment eine überraschende Breite gibt. Falstaff zeichnete Johannes Landerer mit vier Sternen aus und bescheinigte ihm, sich mit unkonventionellem, aber durchdachtem Stil an der Spitze des Kaiserstühler Weingeschehens etabliert zu haben. Die Weißweine kombinieren phenolischen Grip mit Mineralität; die Rotweine zeigen fruchtbetonte Präzision und sensibel extrahierte Tannine. Wer zum ersten Mal einen Landerer trinkt, versteht schnell, warum dieser Vulkanboden keinen Vergleich mit anderen deutschen Anbaugebieten braucht.