Vom Hospitalweingut zum modernen Weingut Schloss Ortenberg
Die Wurzeln des Weinguts Schloss Ortenberg reichen bis ins Jahr 1407 zurück, als der Weinberg „Im Roth" an die St.-Andreas-Stiftung der Stadt Offenburg verschenkt wurde. Diese Stiftung war ursprünglich ein Kranken- und Armenhospital, das Offenburger Bürger um 1300 gegründet hatten. Aus den Rebhöfen der Stiftung entwickelte sich über viele Generationen ein gewachsenes kommunales Weingut. 1950 belebte das Weinbauversuchsgut Schloss Ortenberg die Ortenauer Weintradition neu. 1997 fusionierten die beiden kommunalen Betriebe — das Weingut St. Andreas der Stadt Offenburg und das Weinbauversuchsgut Schloss Ortenberg — zum heutigen Weingut Schloss Ortenberg. Mit 45 Hektar war es damit das größte kommunale Weingut Deutschlands. Im Mai 2021 übernahm Hotelier Thomas H. Althoff das Weingut als Teil seines auf vier Länder verteilten Portfolios von 18 Althoff-Hotels — ein Eigentümerwechsel, der den Betrieb aus der kommunalen Verwaltung in eine privatwirtschaftliche Zukunft führte, ohne die historische Identität des Standorts aufzugeben. Geschäftsführer Matthias Wolf und Kellermeister Hanspeter Rieflin leiten das Weingut seither weiter.
Granitböden, Steillagen und biologische Bewirtschaftung
Das Weingut liegt am Übergang der steilen Westhänge des Schwarzwalds in die hügelige Weinlandschaft der Ortenau, kurz bevor diese ins Rheintal mündet. Die Schlüssellage ist der Schlossberg: ein Bergsporn aus Granit, auf dem die Reben zwischen 170 und 240 Metern Höhe wachsen, in Hängen mit über 50 Prozent Neigung, die sich wie ein Amphitheater nach Süden öffnen. Dieses Kleinklima vereint die Kühle des Schwarzwalds mit der Wärme des Oberrheingrabens und schafft die Voraussetzungen für ausdrucksstarke Weine mit langer Säurestruktur. Die älteste Lage, der Andreasberg, befindet sich im Alleinbesitz des Weinguts — sie ist seit 1407 ununterbrochen in Bewirtschaftung. Auf insgesamt rund 45 Hektar, verteilt auf weitere Lagen wie Ortenberger Freudental und Ohlsbacher Kinzigtäler, setzt das Weingut auf biologische Bewirtschaftung. Rebstöcke werden möglichst natürlich geschützt, eine Solaranlage versorgt den Betrieb mit erneuerbarer Energie. Der Barrique-Keller unter der Vinothek ist durch Glasböden einsehbar — Ausdruck eines Selbstverständnisses, das Handwerk sichtbar machen will.
Burgundische Tiefe, Ortenauer Mineralik — und mehr als nur Burgunder
Traditionell wird den Weinen von Schloss Ortenberg „badische Finesse mit burgundischem Charme" nachgesagt. Was das konkret bedeutet: Die Granitböden der Ortenau prägen alle Weine mit einer kühlen, salzigen Mineralik, die im Zusammenspiel mit der kontrollierten Wärme des Standorts für Struktur und Frische sorgt. Kernrebsorten sind Spätburgunder, Grauburgunder, Weißburgunder und Riesling — in der Ortenau traditionell Klingelberger genannt. Daneben haben sich Chardonnay, Sauvignon Blanc, Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah auf den Granitlagen etabliert. Das Sortiment ist klar gegliedert: Die Collection-Linie steht für zugängliche, rebsortentypische Weine mit direktem Bezug zum Terroir — Sauvignon Blanc et Gris, Riesling Unexpected und der Weißburgunder/Chardonnay gehören dazu. Die Furore-Reihe bündelt Weiß-, Rosé- und Rotweine mit etwas mehr Komplexität und Lagerpotenzial. Mit dem Grauburgunder „Granit" rückt das Weingut das namensgebende Gestein ins Zentrum: Der Wein trägt den Bodencharakter direkt im Namen. Vertrieben wird ausschließlich über Endverbraucher, Gastronomie und Weinfachhandel — kein Supermarkt, kein Discounter.