Von Beaune in die Welt: 200 Jahre Maison Louis Jadot
Die Geschichte des Hauses beginnt nicht mit einer Unternehmensgründung, sondern mit einem Weinberg: 1826 gelangte die Familie Jadot in den Besitz des Beaune Premier Cru Clos des Ursules — einer Lage, die das Haus bis heute als Monopol hält. Erst 33 Jahre später, 1859, gründete Louis Henry Denis Jadot in Beaune offiziell das Négociant-Haus, das seinen Namen trägt, indem er die angesehene Firma Lemaire-Fouleux übernahm. Die Familie stammte ursprünglich aus Belgien und war seit Ende des 18. Jahrhunderts in Beaune verwurzelt.
Die folgende Generation baute das Exportgeschäft aus und reinvestierte die Erträge in den Erwerb weiterer Premier- und Grand-Cru-Lagen. Den entscheidenden Modernisierungsschub brachte André Gagey, der 1954 als Stellvertreter eintrat und das Haus über drei Jahrzehnte leitete. Er verwandelte Jadot von einem reinen Négociant in einen ernsthaften Eigenerzeuger. Sein Sohn Pierre-Henry Gagey übernahm 1991 die Präsidentschaft und führte das Haus bis 2022. Heute liegt die operative Leitung bei Thibault Gagey, der dritten Generation dieser Winzerfamilie. Seit 1985 gehört Maison Louis Jadot der amerikanischen Eigentümerfamilie Kopf, die auch hinter dem US-Importeur Kobrand steht — die Führung blieb jedoch bewusst in burgundischen Händen.
Négociant und Domaine zugleich: Handwerk mit klarer Philosophie
Louis Jadot nimmt im Burgund eine Doppelrolle ein, die im Detail selten so konsequent umgesetzt wird: Das Haus ist zugleich Eigenerzeuger mit rund 270 Hektar Rebfläche in der Côte d'Or, dem Mâconnais und dem Beaujolais und klassisches Négociant-Haus. Der entscheidende Unterschied zu vielen Mitbewerbern: Jadot kauft ausschließlich Trauben von langjährigen Partnerwinzern — keine fertigen Weine — und vinifiziert mehr als 80 Prozent der Négociant-Abfüllungen selbst in Beaune. Kellerarbeit gehört damit zum Kernhandwerk, nicht zur Nachbearbeitung.
Über 42 Jahre prägte Kellermeister Jacques Lardière den Stil des Hauses: Er reduzierte die Erträge im Weinberg konsequent, verlängerte die Mazerationszeiten und setzte früh auf minimalinterventionistisches Arbeiten. Seit 2013 führt Frédéric Barnier diese Linie fort — spontane Vergärung mit Wildhefen wo möglich, schonende Extraktion, Ausbau in Eichenfässern ohne übermäßigen Holzeinsatz. 1996 gründete Jadot gemeinsam mit der Tonnellerie Vicard die eigene Küferei Cadus, um burgundische Eichenfässer nach eigenem Standard zu produzieren. Das gesamte Sortiment trägt ausschließlich AOC-Klassifizierungen.
Klassische Stilistik, breites Spektrum: Was die Weine von Jadot ausmacht
Das Sortiment reicht vom zugänglichen Bourgogne Aligoté und dem Chardonnay Couvent des Jacobins — dessen Name an die historischen Klosterkeller unter dem Stammhaus erinnert — bis zu den gereiften Einzellagen wie dem Clos de la Roche Grand Cru oder dem Beaune 1er Cru Clos des Ursules als Monopol der Domaine des Héritiers Louis Jadot. Dazwischen finden sich Chablis, Chassagne-Montrachet und Beaujolais-Erzeugnisse aus dem Château des Jacques — eine Bandbreite, die kaum ein anderes Haus im Burgund aus einer Hand abdeckt.
Der Stil ist klassisch und eher zurückhaltend: Pinot Noirs mit langer Mazerationszeit, klarer Frucht, feiner Tanninstruktur und Reifepotenzial — Dorf- und Regionsweine profitieren von einigen Jahren Flaschenreife, Premier und Grand Crus von mindestens einem Jahrzehnt. Die Weißweine zeigen burgundische Präzision ohne Schwere: Chardonnay mit Säurespannung, Mineralität und der Fähigkeit, sich über Jahre weiterzuentwickeln. Trinkreif serviert man die einfacheren Abfüllungen bei 12–14 °C, die großen Lagen dürfen mehr Zeit im Glas bekommen.