Von Amédée Rousseau zur Maison Louis Jadot: eine Beaujolais-Institution
Das Château des Jacques in Romanèche-Thorins hat seine Wurzeln in der frühen Neuzeit des Beaujolais, doch seine moderne Identität begann mit einem entschlossenen Unternehmer: Amédée Rousseau erwarb über drei Jahre hinweg Rebparzellen in Moulin-à-Vent von rund 70 verschiedenen Familien und legte damit den Grundstein für ein Weingut mit burgundischem Anspruch. Seine Methoden — Entrappen, Parzellenvinifikation, langer Ausbau im Fass, Abfüllung auf dem Gut — galten in der Region als revolutionär. Die Familie Thorin, die auf Rousseau folgte, hielt konsequent an dieser Linie fest: Als in den 1950er-Jahren die Beaujolais-Nouveau-Welle die Region erfasste und die Kohlensäuremischgärung (macération carbonique) zur Norm wurde, blieb das Château dem klassischen Vergärungsstil treu — ein Entscheid, der bis heute das Weingut prägt. 1996 übergab die Familie Thorin das Château an die Kopf-Familie, Eigentümer der Maison Louis Jadot, die damit als erstes großes burgundisches Handelshaus einen bedeutenden Beaujolais-Betrieb in ihren Besitz brachte. 2001 kamen Lagen in Morgon hinzu, 2008 wurden beide Einheiten unter dem Namen Château des Jacques zusammengeführt.
Burgundische Präzision auf Beaujolais-Terroir
Heute erstrecken sich die Rebflächen des Château des Jacques über rund 69 Hektar in den Appellationen Moulin-à-Vent, Morgon und Fleurie sowie einer Chardonnay-Parzelle für den Beaujolais Blanc. Die einzelnen Lagen lesen sich wie ein Kataster der besten Klimata des nördlichen Beaujolais: Clos de Rochegrès, Clos du Grand Carquelin, Champ de Cour und La Roche in Moulin-à-Vent, Corcelette und Côte du Py in Morgon. Seit 1996 verfolgt das Weingut einen konsequent umweltorientierten Ansatz mit dem Ziel der Bio-Zertifizierung; der Weinberg wird naturnah bewirtschaftet, Begrünung und Bodenbearbeitung per Traktor statt Herbiziden sind Standard. Die Ernte erfolgt ausschließlich von Hand, die Trauben werden in kleinen Behältern sofort in den Keller gebracht. Dort folgt eine Rütteltisch-Selektion und anschließendes Entrappen — eine Technik, die das Château zu den Pionieren in der Region zählt. Jede Parzelle wird separat vinifiziert und separat ausgebaut, um das Terroir mit größtmöglicher Präzision abzubilden. 2017 wurde der Keller vollständig modernisiert, was laut dem Weingut einen weiteren Qualitätssprung in Finesse und Präzision ermöglichte.
Gamay mit Reifepotenzial: Moulin-à-Vent, Morgon und Fleurie
Das erklärte Ziel von Château des Jacques lautet, Gamay so zu vinifizieren wie Burgund seinen Pinot Noir behandelt: als terroirsensibler Rotwein mit Lagerpotenzial, nicht als frischer Primeurwein. Kohlensäuremischgärung wird im Château grundsätzlich nicht eingesetzt. Stattdessen prägen lange Mazerationszeiten, Fassausbau und parzellenweise Abfüllung den Stil. Die Weine aus Moulin-à-Vent, dem Flaggschiff des Hauses, stehen für Dichte, Struktur und einen würzig-mineralischen Charakter, den die manganreichen Granitböden der Appellation mitformen. Morgon — insbesondere die Crus von der Côte du Py — bringt tieffruchtige, erdige Noten und einen langen Abgang. Die Fleurie-Weine des Châteaus zeigen die blumig-elegante Seite des Gamay. Als Faustregel gilt: Diese Weine brauchen Zeit. Schon in der Weinothek des Châteaus lassen sich Flaschen verkosten, die die Reifefähigkeit des Gamay über viele Jahre eindrücklich belegen. Wer die Beaujolais-Crus von Château des Jacques zu früh öffnet, verpasst, was das Weingut eigentlich demonstrieren will.