Von der Armagnac-Brennerei zum Pionier der Côtes de Gascogne
Das Domaine Tariquet liegt in Eauze im Herzen des Gers, mitten in der Gascogne des Südwestens. Seinen Ursprung hat der Betrieb im Jahr 1683 – damals ausschließlich als Armagnac-Brennerei. Erst 1912 kauften Pierre Artaud und sein Sohn Jean-Pierre, der zuvor in New York gearbeitet hatte, das vom Phylloxera verwüstete Anwesen und legten damit den Grundstein für die heutige Familie Grassa. Hélène, Tochter der Artauds, heiratete 1946 Pierre Grassa; von da an trägt das Weingut den Namen dieser Familie. 1972 übernahmen die nächste Generation, Yves und Maïté Grassa, die Führung – und setzten sofort ein erstes markantes Zeichen: Sie begannen, die Bas-Armagnacs selbst in Flaschen abzufüllen und direkt zu vermarkten. Der entscheidende Schritt folgte 1982: Als erste unabhängige Winzer im Gers brachten Yves und Maïté Weißwein in die Flasche – Trauben, die bis dahin ausschließlich der Destillation dienten. Dieser Bruch mit der Konvention legte das Fundament für die Appellation Côtes de Gascogne, wie sie heute international bekannt ist. Heute führen Armins und Rémys Söhne, die fünfte Generation der Familie, das Weingut weiter.
Nachhaltige Landwirtschaft ohne Dogma – Tariquet im Weinberg und Keller
Die Philosophie der Familie Grassa lässt sich in einem Satz zusammenfassen: die Erde gesund an die nächste Generation übergeben. Tariquet praktiziert seit den frühen 1990er-Jahren nachhaltige Landwirtschaft – formalisiert seit 2019 durch einen CSR-Ansatz, der regelmäßig extern auditiert wird. Das Weingut ist nach ISO 14001:2015 (Umweltmanagement) und HVE (Haute Valeur Environnementale) zertifiziert. Eine Bio-Zertifizierung streben Armin und Rémy Grassa bewusst nicht an: Statt Dogma steht Pragmatismus im Mittelpunkt – jeweils die beste Praxis aus konventionellem und biologischem Anbau, angepasst an den jeweiligen Boden, das Kleinklima und den Bestand. Im Weinberg setzt das Domaine auf gezielte Verwirrungstechnik gegen Schädlinge statt auf Pestizide, und erhöhte Stockdichten – 4.500 Rebstöcke pro Hektar statt der regionalen Norm von 3.300 – um die Traubenqualität zu steigern, nicht den Ertrag. Im Keller steht Frische-Erhalt im Vordergrund: Die Weine werden bei 0 °C in Edelstahltanks gelagert und ganzjährig nach Bestelleingang abgefüllt, um optimale Aromatik zu sichern. Auf tierische Schönungsmittel wird vollständig verzichtet – alle Weine und Armagnacs des Domaine sind damit vegan.
Frische Gascogne-Weißweine und aromatische Cuvées – was das Sortiment auszeichnet
Tariquet baute seinen Ruf auf der Überzeugung auf, dass die gasconischen Ugni Blanc- und Colombard-Reben mehr können als Brennwein liefern. Yves und Maïté Grassa ergänzten das traditionelle Sortiment um Sauvignon Blanc, Chardonnay sowie Gros und Petit Manseng – Kombinationen, die seinerzeit als ungewöhnlich galten. Das Ergebnis sind frische, aromatische Weißweine mit klarer Fruchtlinie, die auf dem atlantisch geprägten Klima der Gascogne und den sandigen bis tonig-kalkhaltigen Böden rund um Eauze basieren. Der Tariquet Classic – Ugni Blanc mit Colombard – steht für Zugänglichkeit und Frische: Zitrusaromen, lebendige Säure, kein Holzeinsatz. Richer und strukturierter zeigen sich Cuvées wie der Chardonnay oder die Réserve Blanc. Die Premières und Dernières Grives aus Gros Manseng stehen für die spätleseartige, süßliche Seite des Hauses – intensive Frucht, dichte Säure. Ergänzt wird das Spektrum durch Rosé-Cuvées wie den Marselan Rosé Contradiction sowie den Armagnac, der seit 1683 als handwerklicher Kern des Betriebs gilt. Tariquet füllt ausschließlich eigene Trauben ab – kein Zukauf, kein Negoce.