Von der Tuffstein-Galerie zur Spitze der Loire-Schaumweine
Als der 23-jährige Étienne Bouvet 1851 gemeinsam mit seiner Frau Célestine Ladubay acht Kilometer unterirdische Galerien in Saint-Hilaire-Saint-Florent erwarb, legte er den Grundstein für eines der bedeutendsten Schaumweinhäuser der Loire. Die tief in den weißen Tuffstein gehauenen Gewölbe – angelegt auf dem Gelände einer ehemaligen Benediktinerabtei – boten konstante Temperaturen, die für die langsame Flaschenreifung nach der Méthode Traditionnelle kaum besser geeignet sein könnten. Bereits 1890 war Bouvet Ladubay zum größten Produzenten von Méthode-Traditionnelle-Weinen in ganz Frankreich aufgestiegen. Nach dem Tod Étiennes und den Wirren des frühen 20. Jahrhunderts übernahm Justin-Marcel Monmousseau das Haus 1932 und stellte Qualität wie Ruf wieder her. Von 1974 bis 2015 gehörte Bouvet Ladubay kurzzeitig zu Champagne Taittinger und später zu Diageo, bevor die Familie Monmousseau die Anteile vollständig zurückkaufte und das Haus wieder in unabhängige Hände legte. Heute führt Juliette Monmousseau das Unternehmen.
Tuffstein-Keller, Eichenholz und die Kunst des Assemblage
Das Herzstück von Bouvet Ladubay sind seine acht Kilometer langen Keller, die tief im Tuffstein-Fels unter Saint-Hilaire-Saint-Florent verlaufen. Der Fels hält die Temperatur das ganze Jahr über konstant – ideale Bedingungen für die zweite Flaschengärung und die anschließende Hefelagerung. Für den Crémant de Loire gilt eine Mindestreifezeit von zwölf Monaten auf der Hefe; die Jahrgangs-Cuvées reifen in über 1.200 Eichenfässern, die in den Galerien lagern. Bouvet Ladubay besitzt keine eigenen Weinberge, arbeitet aber mit einem Netzwerk von Partnerwinzern zusammen und kauft ausschließlich Trauben – nicht Grundwein – ein, um die Vinifikation von der Vergärung bis zur Füllung selbst zu kontrollieren. Die Weinberge der Partnerwinzer liegen auf Ton-Kalk-Böden über einer Tuffstein-Unterlage, die den Weinen eine ausgeprägte Säurestruktur und Mineralität mitgibt. Rebsorten sind in erster Linie Chenin Blanc und Chardonnay für die Weißweine sowie Cabernet Franc für die Rosé-Cuvées.
Tief in den Kellern befindet sich die sogenannte "Cathédrale engloutie" – eine unterirdische Kathedrale mit 35 monumentalen Skulpturen. Kunst und Weinbau gehören bei Bouvet Ladubay untrennbar zusammen: Das Haus versteht Handwerk und ästhetisches Denken als zwei Seiten derselben Medaille.
Prickelnde Präzision: Crémant de Loire als Kernkompetenz
Das Sortiment von Bouvet Ladubay dreht sich konsequent um Schaumweine der Appellationen Crémant de Loire und Saumur Brut, ergänzt durch Rosé-Cuvées. Die Brut-Cuvées zeigen, was Chenin Blanc kann, wenn er auf Tuffstein-Böden wächst und mit ausreichend Hefelager ausgebaut wird: frische Zitrusnoten, weißer Pfirsich, eine feine briochige Tiefe und ein lang anhaltender, mineralischer Abgang. Die Rosé-Cuvées setzen auf Cabernet Franc und bringen rote Beerenfrucht mit straffer Säurelinie ins Glas. Ob Blanc de blancs im Brut-Stil, demi-sec für einen etwas runderen Einstieg oder die Étienne-Linie als direkter Verweis auf den Gründungsgeist des Hauses – der Stil bleibt immer präzise, nie mastig. Mit über 500 internationalen Auszeichnungen belegt, sind die Weine des Hauses ein verlässlicher Beleg dafür, dass Loire-Schaumweine auf Augenhöhe mit den bekanntesten Perlweinen Frankreichs spielen können.