Drei Generationen im Herzen des Muscadet-Landes
Die Geschichte von Chéreau Carré beginnt 1953 im Loire-Atlantique-Département, südöstlich von Nantes: Bernard Chéreau Senior heiratet Edmonde Carré, und aus dieser Verbindung entsteht das Familienweingut, das heute seinen Namen trägt. Den Grundstein legte er mit dem Kauf des Château de Chasseloir — einem Anwesen, auf dem damals Jahrhundertreben neben Pferden, Rindern und Getreidefeldern standen. Chéreaus Ziel war es, einen Muscadet zu schaffen, der sich mit den großen Weißweinen Frankreichs messen kann. Die Wurzeln der Familie in der Region reichen dabei bis ins 11. Jahrhundert zurück.
Sohn Bernard Chéreau Junior brach sein Medizinstudium ab, um 1982 ins Weingut einzusteigen, und trieb die Bekanntheit des Muscadet Sèvre-et-Maine sur Lie in Frankreich wie international voran. Heute leitet das Vater-Tochter-Gespann Bernard und Louise Chéreau das Domaine in der zweiten und dritten Generation gemeinsam — Louise als Stimme der Gegenwart, die das Haus stetig neu erfindet.
Schwerkraft, Schiefer und der Mut zur langen Hefe
Chéreau Carré bewirtschaftet mehrere Einzellagen rund um den Zusammenfluss von Sèvre und Maine, deren Böden je nach Parzelle aus Schiefer, Gneis und Orthogneis bestehen. Die Weinberge werden nach den Grundsätzen des nachhaltigen Anbaus bewirtschaftet: Herbizide kommen nicht zum Einsatz, der Boden wird gepflügt, die Lese erfolgt von Hand. Der Keller am Château de Chasseloir ist in den Hang gebaut und arbeitet ausschließlich per Schwerkraft — ohne Pumpen, die das aromatische Potenzial der Trauben gefährden könnten. Für die anspruchsvollsten Lagen setzt das Domaine auf Spontanvergärung mit Wildhefe aus dem Weinberg.
Chéreau Carré gilt als Pionier der Méthode sur Lie: Bernard Chéreau Senior war der Erste in der Appellation, der Muscadet auf den Feinhefen reifen ließ — eine Technik, die 1977 offiziell in das AOC-Regelwerk aufgenommen wurde. Vater und Sohn setzten diese Arbeit konsequent fort und machten das Domaine zur treibenden Kraft hinter den Crus Communaux, dem System zur Klassifizierung herausragender Muscadet-Einzellagen.
Klassische Tiefe und mutige Neuerfindungen
Das Sortiment spannt einen weiten Bogen: Auf der einen Seite stehen klassische Muscadet Sèvre-et-Maine sur Lie wie das Château de la Chesnaie oder die Griffe Bernard Chéreau — dichte, mineralische Weine mit ausgeprägter Zitrusstruktur und salzigem Abgang, wie Melon de Bourgogne ihn auf Schieferboden entwickelt. Auf der anderen Seite steht Louises Projekt Vices & Vertus: eine Linie, die bewusst mit den Konventionen bricht. Der Katharos entsteht als schwefelfreier Muscadet aus Chasseloir-Trauben auf Schiefer — vergoren ohne zugesetztes SO₂, auf der Hefe abgefüllt, um Oxidation zu vermeiden, und ohne Malo-Vergärung, damit die Säurestruktur frisch bleibt. Die Colère ist eine Folle Blanche als Vin de France — eine in der Loire fast verschwundene Rebsorte, die Louise als eigenständige, lebhafte Cuvée neu begreift. Zu den klassischen Muscadet-Weinen passt atlantisch geprägter Fisch — Austern, gegrillter Wolfsbarsch, Jakobsmuscheln; die Weine der Vices-&-Vertus-Linie sind offen für Experimentierfreude am Tisch.