Von der Handelsmarine in die ligurische Küche — die Geschichte der Familie Viani
Antonio Viani, geboren in Pietra Ligure an der ligurischen Riviera, kam Anfang der 1960er Jahre der Liebe wegen nach Göttingen — und blieb. Sein früheres Leben als Marineoffizier tauschte er gegen das eines Lebensmittelhändlers, weil er auf die Spezialitäten seiner Heimat nicht verzichten wollte. 1973 gründete er die Antonio Viani Importe GmbH, zunächst als Trüffelimporteur: Konserven zuerst, die damals in Deutschland kaum bekannt waren, bald auch frische Tartufi für die Spitzengastronomie. Was ihn antrieb, war das Wissen, das er aus der Küche seiner Mutter mitgebracht hatte — ein Handwerk, das sich nicht im Großhandel-Katalog beschreiben, aber sehr wohl schmecken lässt.
Heute führt sein Sohn Remo die Firma. Er wuchs zweisprachig in Göttingen auf, verbrachte die Sommer bei der Nonna in Pietra Ligure und lernte dort die Küchen und Märkte kennen, die das Sortiment bis heute prägen. 2010 eröffnete er in der Göttinger Innenstadt das erste Viani Alimentari — den ersten eigenen Laden, in dem das Unternehmen seine Spezialitäten auch direkt an Privatkunden verkaufte.
Produzenten statt Händler — wie Viani seine Lieferanten auswählt
Was Viani von einem gewöhnlichen Großhändler unterscheidet, ist die Art, wie das Sortiment entsteht: Das Team bereist seit Jahrzehnten die Anbauregionen, besucht Erzeuger auf Empfehlung befreundeter Produzenten und ist auf den wichtigsten Lebensmittelmessen Italiens präsent. Im Ergebnis stehen heute rund 3.000 Produkte von etwa 400 handwerklich arbeitenden Produzenten aus Italien und Europa im Sortiment — von Sizilien über das Piemont bis zur Basilikata. Der Anspruch ist dabei derselbe geblieben wie zu Gründerzeiten: Lebensmittel zu finden, die tatsächlich aus dem Kontext entstanden sind, in dem sie traditionell hergestellt werden — nicht für den Export optimiert, sondern für den eigenen Tisch.
In Göttingen verkostet das Team, das zu einem guten Teil aus Italienerinnen und Italienern besteht, laufend neue Produkte in den hauseigenen Küchen. So bleibt die Auswahl nicht Theorie, sondern bleibt am Geschmack geerdet. Aus dem zentralen Lager in Göttingen beliefert Viani Feinkostläden, Spezialitätengeschäfte und Kaufhausabteilungen in Deutschland, Österreich und darüber hinaus.
Olivenöle, Pasta, Weine — was das Viani-Sortiment zusammenhält
Das Sortiment reicht von den Klassikern — kaltgepresste Olivenöle aus kleinen Manufakturen, Balsamessige in verschiedenen Reifegraden, handgemachte Pasta, Sugo, Pesto und Antipasti — bis zu Raritäten wie Kapernblättern von der Insel Salina oder Fischsauce von der Amalfiküste. Auch Weine gehören dazu: Etwa der Aglianico del Vulture aus der Basilikata, einer der kraftvollsten Süditalien-Rotweine überhaupt, den Viani in zwei Abfüllungen (Gricos und Grifalco) führt. Was alle Produkte verbindet, ist die Herkunft aus klar benennbaren Betrieben — keine anonyme Industrieware, sondern Zutaten, hinter denen ein Name, eine Lage und eine Arbeitsweise stehen. Wer bei Viani einkauft, bekommt nicht nur ein Produkt, sondern immer auch die Geschichte dazu.