Seit 1744 in Erden: Rieslingmacher mit Wurzeln im Schieferfels
Das Weingut Schmitges liegt im kleinen Ort Erden, eingekeilt zwischen Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach an der Mittelmosel. Erste urkundliche Erwähnung: 1744 — doch die Familie selbst verweist auf eine Weinbautradition, die noch weiter ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Was damals als bäuerlicher Betrieb begann, ist heute ein profiliertes Familienweingut, das Andreas Schmitges gemeinsam mit seiner Frau Waltraud und Sohn Kilian führt. Andreas übernahm das Ruder in den frühen 1990er-Jahren und setzte von Beginn an auf klare Qualitätsstandards, modernes Etikettendesign und eine konsequente Ausrichtung auf den internationalen Markt — damals an der Mosel noch alles andere als selbstverständlich. Kilian brachte als sogenannter „Quereinsteiger" frischen Blick und neuen Antrieb mit, ohne die Herkunft aus den Augen zu verlieren. Mitglied des renommierten Bernkasteler Rings.
Steillage als Überzeugung: Schiefer, Handlese und biologische Konsequenz
Das Motto des Hauses — „Flach können viele, wir lieben es steil" — ist kein Marketingversprechen, sondern gelebter Alltag. Rund 25 Hektar Rebfläche bewirtschaftet die Familie, der Großteil davon in Steillagen mit Hangneigungen zwischen 50 und 70 Prozent. Die wichtigsten Parzellen liegen im Erdener Treppchen, einer Südweststeillage auf stark verwittertem grauem Schiefer mit bis zu 65 Prozent Neigung, und im Erdener Prälat, einer reinen Südlage auf rotem Schiefer mit bis zu 70 Prozent — eine der engsten und temperamentreichsten Einzellagen der gesamten Mosel. Dort stehen wurzelechte Reben, teils 50 bis 100 Jahre alt, die tief ins Gestein greifen und dem Wein seine ausgeprägte Mineralität mitgeben.
Im Weinberg setzt Schmitges auf bewusst niedrig gehaltene Erträge und ausschließlich selektive Handlese — in diesen Steillagen gibt es ohnehin keine Alternative zur manuellen Arbeit. Nachhaltige Schädlingseindämmung ohne chemische Eingriffe praktiziert das Weingut bereits seit den frühen 1980er-Jahren, als das in Deutschland noch eine Ausnahme war: Als eine der ersten Gemarkungen im deutschen Weinbau setzte Schmitges damals gemeinsam mit Winzerkollegen auf biologische Methoden. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Im Keller folgt auf die Sorgfalt im Berg eine ebenso behutsame Vinifikation: schonende Traubenverarbeitung, kühle und langsame, teils spontane Gärung — der Wein bekommt Zeit, und die Zeit gibt ihm Charakter.
Riesling in allen Facetten — vom Gutswein bis zur Steillage
Rund 85 Prozent der Rebfläche sind mit Riesling bestockt, ergänzt durch Rivaner, Spätburgunder und Burgundersorten wie Grau- und Weißburgunder. Das Sortiment reicht vom zugänglichen Liter-Riesling und dem feinherben „Vom Berg" über den mineralisch-trockenen Grauschiefer-Riesling bis hin zu den Prädikatsweinen aus den Spitzenlagen. Die Weine von Schmitges tragen das Schiefermaterial ihrer Herkunft deutlich in sich: klare Säurestruktur, feine Frucht, salzig-mineralischer Abgang. Ob trocken, feinherb oder edelsüß — der Jahrgang und die Lage sind immer der eigentliche Protagonist. Trinktemperatur: 8–10 °C für trockene und feinherbe Rieslinge. Dazu passen Forelle aus der Mosel, Ziegenkäse, asiatische Currys oder Gerichte mit feiner Zitrusnote.