Vom Benediktinerkloster zur sechsten Familiengeneration
Die Wurzeln von Maximin Grünhaus reichen bis ins Jahr 633 zurück, als der fränkische König Dagobert I. dem Trierer Benediktinerkloster St. Maximin Besitztümer am Grüneberg schenkte. Kaiser Otto I. bestätigte diesen Besitz 966, und bis 1802 bewirtschaftete die Abtei das Gut ununterbrochen. Nach der Säkularisierung unter Napoleon gelangte das Anwesen 1810 erstmals in weltliche Hände. 1882 erwarb der Stahlindustrielle Carl Ferdinand Freiherr von Stumm-Halberg das gesamte Ensemble aus Ländereien, Gebäuden und Weinbergen als Mitgift für seine Tochter Ida Louise anlässlich ihrer Vermählung mit General Conrad von Schubert — und damit kam Grünhaus in die Familie, die es bis heute hält.
Heute führt Maximin von Schubert das Weingut in der sechsten Generation; 2014 übernahm er die Betriebsleitung von seinem Vater Carl-Ferdinand. 2015 trat das Gut dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) wieder bei. Das ikonische Jugendstil-Etikett — eine Ansicht des Schlossguts, flankiert vom Wappen der Familie — begleitet die Weine seit dem späten 19. Jahrhundert und erhielt 2016 behutsam ein Facelift, ohne seinen historischen Charakter aufzugeben.
Drei Monopollagen, naturnah bewirtschaftet, spontan vergoren
Was Maximin Grünhaus strukturell von den meisten anderen Weingütern unterscheidet: Alle drei Weinbergslagen — Abtsberg, Herrenberg und Bruderberg — sind Monopollagen im Alleinbesitz der Familie. Auf insgesamt 34 Hektar an einem steilen Südhang des Grünebergs, nur zwei Kilometer vor der Mündung der Ruwer in die Mosel, wächst fast ausschließlich Riesling auf roten und blauen Schieferverwitterungsböden. Die Böden werden mit Wildkräutern begrünt, Herbizide werden nicht eingesetzt, intensive Laubarbeit sorgt für Traubengesundheit und Durchlüftung. Gelesen wird ausschließlich per Hand.
Im Keller arbeitet man konsequent mit weinbergs- und kellereigenen Hefen: Die Spontangärung findet im traditionellen Mosel-Fuder von 1.000 Litern statt — Fässer, die das Gut mittlerweile aus Eichenholz aus den eigenen Wäldern fertigt. Jede Lage, jeder Jahrgang und jedes Fass wird einzeln betrachtet und vinifiziert. Eingriffe werden auf ein Minimum reduziert. Das Ergebnis sind Weine, die ihr Terroir präzise abbilden und dabei die natürliche Prägung durch Ort, Jahr und Hefe tragen.
Filigrane Schieferrieslinge mit außergewöhnlichem Reifepotenzial
Der Grünhäuser Stil ist geprägt von kühler Mineralität, innerer Spannung und langer Lagerfähigkeit — Eigenschaften, die das kühlere Mikroklima des bewaldeten Ruwertals begünstigt. Der Abtsberg gilt als die eleganteste und mineralischste der drei Lagen, prädestiniert für lange Reife. Der Herrenberg zeigt sich etwas körperreicher und vielschichtiger, ohne die Filigranität der Ruwer zu verlieren. Der Bruderberg liefert zugänglichere, fruchtbetontere Weine, die nach einigen Jahren Flaschenlager ihre volle Tiefe entfalten.
Das Sortiment spiegelt die gesamte Bandbreite klassischer Ruwer-Stilistik wider: vom leichten Kabinett über Spätlese und Auslese bis zum Großen Gewächs. Ätherisch-kräutrige Würze, dichte Schiefermineralität und eine lebendige Säurestruktur ziehen sich durch alle Prädikatsklassen. Wer trockene Rieslinge sucht, findet sie im Abtsberg GG und in den zugänglicheren Linien wie Fusion und Superior; wer die klassische Prädikatsreihe bevorzugt, orientiert sich an den Kabinetts und Spätlesen aus Herrenberg und Bruderberg. Bei reifen Jahrgängen lohnt sich ein Trinkfenster von zehn bis zwanzig Jahren — ein Beleg für die Langlebigkeit dieser Weine ist der bis heute ungeschlagene Auktionsrekord: Ein Fuder 1921er Herrenberg Trockenbeerenauslese wurde 1923 für 100.000 Goldmark an das Waldorf Astoria in New York versteigert.